Audi A4 allroad quattro 2.0 TFSI s-tronic im Test

Der Audi A4 allroad quattro versteht sich als SUV-Alternative. Die optisch etwas martialistischere Version des A4 Avant im Test.

Vor mittlerweile 30 Jahren hat der quattro-Siegeszug im Hause Audi begonnen, der "Ur-Quattro" war das erste Serienfahrzeug mit Allradantrieb, das auf ansehnliche Stückzahlen kam. Mit Ausnahme des kommenden A1 sind sämtliche Modelle teils serienmäßig, teils optional mit dem quattro-Antrieb ausgestattet. Im Jahr 2000 war Audi unter Zugzwang, bis zum Q7 sollte es noch dauern und die Nachfrage nach SUVs begann deutlich zu steigen. Um dennoch ein Stück vom Kuchen zu bekommen, schnappte man sich den A6 Avant und verpasste ihm den Zusatz "allroad".

Optisch wurde der Kombi mit Offroad-Goodies geschminkt, ein höhergelegtes Luftfahrwerk verpasste den nötigen "Ich komme weiter als die normalen Kombis"-Look. Da das aus der Not geborene allroad-Konzept von den Kunden trotz Q7 und Q5 angenommen wird, entschlossen sich die Ingolstädter, auch dem neuen Audi A4 avant einen "allroad" zur Seite zu stellen. Die Vorgehensweise blieb gleich, robuste Beplankungen und ein um 36mm höher gestelltes Fahrwerk weisen den beliebten Kombi auf den ersten Blick als ernsthafteren Allradler aus. Auf Spielereien wie ein höhenverstellbares Luftfahrwerk muss der A4 zwar verzichten, im Alltag spielt das aber ohnedies eine untergeordnete Rolle. Wobei man dem Audi A4 allroad quattro durchaus mehr zumuten kann als unbefestigte Feldwege. Ein speziell fürs leichte Gelände abgestimmtes ESP lässt etwa ein längeres Blockieren der Räder zu, dadurch kann sich ein Schotter- oder Schneekeil bilden und für bessere Verzögerung sorgen.

Am wohlsten fühlt sich der praktische A4 Avant aber trotzdem auf befestigten Straßen. Dank des mit 60:40 Prozent hecklastig verteilten Allradantriebs machen flotte Landstraßen-Kurven großen Spaß, auf der Autobahn ist er ebenso über alle Zweifel erhaben. Dass unsere Wahl in Sachen Antrieb nicht unbedingt auf den Zweiliter TFSI gefallen wäre, steht dabei auf einem anderen Blatt. Um nicht missverstanden zu werden: Das Triebwerk ist mit seinen 211 PS alles andere als schwach - dennoch ist der Fahrspaß nicht so groß, dass der relativ hohe Testverbrauch von knapp elf Litern zu verzeihen wäre. 6,9 Sekunden soll der Sprint auf 100 km/h dauern, rein subjektiv tut sich der Zweiliter-Turbo aber vor allem bei niedrigen Drehzahlen etwas schwer. Auch wenn der 170 PS starke 2.0 TDI auf dem Papier mit 8,9 Sekunden spürbar das Nachsehen hat, im Alltag harmoniert der Selbstzünder einfach besser und ist zudem deutlich sparsamer. Schade: Das s-tronic genannte Doppelkupplungsgetriebe ist nur für den 2.0 TFSI und den 3.0 TDI - die beste aber auch teuerste Motorisierung für den A4 allroad - zu haben. Wer zu den kleineren TDI-Motoren mit 143 bzw. 170 PS greift, der muss selbst im Getriebe rühren.

Das Interieur ist nahezu ident mit dem normalen A4 Avant, wie bei den deutschen Premium-Marken üblich, lässt sich auch die allroad-Variante mit allerhand Goodies bestücken, die den Preis deutlich nach oben treiben. Der Basispreis des Audi A4 allroad quattro 2.0 TFSI liegt bei 45.990 Euro, 2.530 Euro sind für das Doppelkupplungsgetriebe fällig. Der Endpreis unseres Testwagens erreicht mit 69.000 Euro ungeahnte Höhen, wobei die Lederausstattung (3.200 Euro) und das Navigationssystem (3.760 Euro) die größten Brocken darstellen. Der Rest verteilt sich auf Annehmlichkeiten wie Dynamiklenkung, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Xenon-Scheinwerfer, oder - etwas kurios - lackierte Offroad-Anbauteile, die den allroad eigentlich wieder deutlich dezenter aussehen lassen.

Testurteil:

Plus: zeitgemäßer Offroad-Look; souveränes Fahrverhalten; sehr gute Verarbeitung

Minus: relativ hoher Verbrauch; hoher Grundpreis, teure Extras

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 2
Bedienung: 2
Komfort: 1-2
Verbrauch: 3
Fahrleistung: 2
Sicherheitsausstattung: 1

Resümee: Im Alltag wird man mit dem rund 3.000 Euro günstigeren A4 Avant quattro wohl genauso gut das Auslangen finden wie mit dem allroad. Das allroad-Paket dient mehr der optischen Individualisierung und ist in Zeiten wie diesen auch eine vernünftige Alternative gegenüber einem SUV wie dem Audi Q5.

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