Der neue Audi A5 3.2 FSI Quattro mit Tiptronic im Test

Nicht nur schön, sondern auch supersportlich

Bevor Walter de’ Silva Ingolstadt in Richtung Wolfsburg verließ, hinterließ er Audi noch den A5 mit der Bemerkung, dies sei das schönste Auto, das er je gestaltet habe. Der Italiener in VW-Diensten nannte den A5 die Fortsetzung der italienischen Gran Tourismo-Tradition und wählte für das Coupé eine klassische italienische Designsprache mit leichter Wespentaille. Jetzt wollten wir feststellen, wie sich mediterraner Charme und deutsche Technik im Alltag vertragen.

Gestern stellt mir ein Freund nach einer kurzen Spritztour mit dem Audi A5 Coupé 3.2 FSI Quattro und angesichts der Motorleistung von 195 kW / 265 PS die Frage, worin denn nun der Unterschied zum Porsche 911 bestehe. Gute Frage! Wenn auch nicht so ganz unpolitisch in diesen Tagen, in denen Porsche und Audi um ihr Verhältnis unter dem Porsche-Dach ringen. Der Porsche ist schneller, aber eben auch doppelt so teuer wie ein komplett ausgestatteter A5.

Aber vielleicht liegt der Unterschied weniger im Preis als im Charakter. Der Porsche ist extravaganter, der Audi eleganter. Mit dem Porsche erfüllt man sich einen Jugendtraum und zeigt dies unübersehbar. Mit dem Audi entscheidet man sich - ohne den Hintergedanken an Rundenzeiten - für ein klassisch schönes Auto . Dem Porsche-Fahrer traut man Adrenalinsucht zu, dem Audi A5-Fahrer gelegentlich eine schnelle Autobahnetappe oder einen Ritt über einen Pass. Beiden gemeinsam ist die sichere Gewissheit, über souveräne Leistung und ein agiles Fahrverhalten zu verfügen.

Wem das mit der Leistung beim Audi A5 noch nicht reicht, der kann sich mit dem Audi S5 und dessen Achtzylinder für rund 15.000 Euro zusätzlich dem Porsche bei den Leistungsdaten bis auf Haaresbreite nähern. Wir fanden auch den Sechszylinder mit seiner Beschleunigung in 6,2 Sekunden von null auf 100 km/h und der elektronisch bei 250 km/h abgeregelten Höchstgeschwindigkeit schon recht amüsant, auch wenn ein Porsche 1,7 Sekunden weniger braucht, um die 100-km/h-Marke zu durchstoßen und fast die 300 km/h erreicht.

Dafür braucht der Porsche dann aber auch mit 10,7 Litern Super plus rund zwei Liter mehr als der Audi, wenn man den Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm) vergleicht. Im Alltagsbetrieb erreichte der Audi A5 allerdings Werte zwischen elf und zwölf Liter Super . Der nette Überführungsfahrer, der uns das Fahrzeug auf den Hof gestellt hatte, hinterließ im Bordcomputer-Speicher einen Durchschnittsverbrauch von 13,9 Liter. Damit dürfte er einen Geschwindigkeitsrekord für die Strecke aufgestellt haben.

Aber selbst ein solcher Galopp dürfte den A5 nicht aus der Ruhe gebracht haben. Beeindruckend, wie er satt und schnurgerade über die Bahn braust. Ebenso beeindruckend das präzise Ansprechen der Lenkung bei hohen und mittleren Geschwindigkeiten. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten hatten wir allerdings den Eindruck, die 245/40-R-18 Bridgestone Reifen unseres Exemplars wollten den Geradeauslauf nicht verlassen und liefen anschließend gern den Spurrillen hinterher.

Innen erwartet die Insassen der dezente und vornehme Charme des Audi-Designs. Überraschungen haben sich die Ingolstädter hier nicht ausgedacht. Alles passt, so wie man es gewohnt ist. Für ein echtes Coupé bietet der A5 hinten sogar einigermaßen Beinfreiheit . Sitzriesen haben auf den Rücksitzen allerdings nichts verloren . Obwohl elektrische Hilfen fürs Vorrücken der Vordersitze auch ihnen das Einsteigen erleichtern, bleibt unter dem Dach nur wenig Höhe übrig. Ein Coupé ist eben kein Viersitzer .

Dafür wird der A5 seinem Anspruch als Gran Tourismo gerecht. Denn er bietet viel Platz fürs Gepäck in einem 455 Liter großen Kofferraum, der allerdings durch den kleinen Kofferraumdeckel und die hohe Ladekante mühsam zu beladen ist. Klappt man die Rücksitzbank um, reichen die 829 Liter und die 500 Kilogramm maximale Zuladung sogar für das große Reisegepäck plus zweier Golfsäcke. Darauf müsste man im 911 verzichten.

Seit Juni dieses Jahres liefert Audi den A5 und auch den S5 aus . Beide Varianten werden ihren Weg in den Markt finden. Unter dem gemeinsamen Dach von Volkswagen und Porsche ist Platz für beide Fahrzeug-Familien, weil sie sich klar gegen einander abgrenzen. Die Frage nach dem Unterschied der sportlichen Coupés unter dem gemeinsamen Dach mag technische Antworten auslösen. Der Käufer wird sie für sich nach seinem Budget und seinen Vorlieben für die Marken des Konzerns entscheiden. Und der hat noch andere schnelle Töchter als nur Audi und Porsche.

auto-reporter

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