Audi A5 Sportback - Testbericht

Keine Motorvariante wird mehr als zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h benötigen.

Eines der schönsten Coupés der Audi-Geschichte stammt aus dem Studio des italienischen Design-Gurus Bertone: das Audi 100 Coupé von 1972. Heute brauchen die Audis keinen Designer von außen mehr. Sie haben ihren eigenen Italiener, den Designchef Walter de' Silva. Seit er den Audi A5, S5 und A5 Cabriolet verantwortet hat, ist klar: Schöne italienische Autos kommen aus Ingolstadt. In diese Reihe gehört auch der neue Audi A5 Sportback .

Aber nur mit typisch italienisch sportlicher Eleganz der äußeren Formen allein entsteht noch kein Premiumautomobil. Dazu gehören richtungweisende Technik , vorbildliches Innendesign , hochwertige Materialien und eine vorbildliche Qualität der Verarbeitung . Michael Dick, Entwicklungsvorstand bei Audi hält diese Bedingungen bei der A5-Baureihe für erfüllt. Bei der Präsentation des Audi A5 Sportback wies er jedenfalls darauf hin, in Westeuropa habe Audi "die Premiumführerschaft übernommen" und könne sie in China und in vielen weiteren Einzelmärkten "unangefochten halten".

Die Chinesen werden noch bis 2010 auf den Neuen warten müssen. In Österreich geht's schon im September los. Audi zeigt den A5 den Medienvertretern zurzeit in der Toskana. Nicht ohne Hintergedanken, wie Dick klarstellte. Er sieht die A5-Baureihe als die "Toskana-Fraktion " der Ingolstädter. Speziell der Sportback soll "als Einstiegsmodell viele Neukunden an die Marke Audi heranführen .

Ein Blick auf das Motoren- und Getriebeprogramm für den Neuen unterstreicht diesen Anspruch. Zum Start gibt es drei Benziner und drei Diesel mit Sechsgang-Handschalter, dem stufenlosen Getriebe Multitronic und dem Sieben-Gang-DSG-Getriebe S-Tronic. Dazu kommt eine Reihe von Modellen mit dem Allradantrieb namens Quattro und bestimmt auch bald ein S5 Sportback. Audi stattet den A5 mit allem aus, was das Ingolstädter Regal zu bieten hat. In naher Zukunft beginnt die Palette mit dem 105 kW / 143-PS-Diesel und sie endet zunächst beim bekannten Drei-Liter-Diesel und dem 3,2-Liter-FSI-Motor mit 195 kW / 265 PS .

Kein A5 Sportback wir mehr als zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h benötigen. Der große Benziner und der große Diesel schaffen das in 6,1 Sekunden . Flott sind sie also alle. Wir fuhren jetzt den 2.0 TDI mit 125 kW / 170 PS, Frontantrieb und Handschalter, also das Einsteigermodell auf der Dieselseite, solange der 143-PS-Motor noch nicht zur Verfügung steht. Dem 2.0 TDI fehlt nichts, was man fürs komfortable oder sportive Fahren benötigt. Die Schaltung ist so gut, dass man schon fast darüber nachdenken könnte, auf eine Automatik zu verzichten. Auch der "Kleine" wetzt neutral und schnell um die Kurven, dank eines elektronischen Sperrdifferenzials, das den Audi gewissermaßen in die Kurve schiebt und dabei dem klassischen ESP oft die Arbeit abnimmt.

Schon der 2.0 TDI zeichnet sich durch geringe Fahrgeräusche aus. Er fährt so leise wie sein ganz großer Bruder A8 und wird darin auch von den Benzinern nicht übertroffen. Gut gefallen hat uns der 2.0 TFSI , ein Vierzylinder mit 155 kW / 211 PS , der ja auch schon in anderen Konzernfahrzeugen einen überzeugenden Eindruck hinterlassen hat. Der bietet immerhin 350 Newtonmeter (Nm) maximales Drehmoment ab 1500 Umdrehungen pro Minute und lässt in Kombination mit der S-Tronic und dem Sportdifferenzial samt dem Fahrdynamiksystem Audi Drive Select und Quattro-Antrieb kaum noch Wünsche offen. Sein Verbrauch von im Schnitt (nach EU-Norm) 7,4 Liter scheint so gar nicht zu den Fahrleistungen zu passen. Schaltanzeige , Rückgewinnung der Bremsenergie und das Start-Start-Stopp-System bei den handgeschalteten Zwei-Liter-Varianten helfen natürlich dem Fahrer bei ökonomischen Fahren und den Technikern bei der Ermittlung eines günstigen Normverbrauchs.

Bei unseren ersten Probefahrten war der 2.0 TFSI einer unserer Favoriten. Denn dieser Motor liefert den Beweis, dass Sechszylinder in dieser Klasse kein Muss mehr sind. Als unseren zweiten Favoriten haben wir dennoch einen Sechszylinder auserkoren, den 3.0 TDI , der mit 6,1 Sekunden nur eine halbe Sekunde schneller auf 100 km/h kommt als der TFSI. Der große TDI begeistert nach wie vor mit der Souveränität seiner Kraftentfaltung, jetzt aber auch mit seinem Verbrauch. Der liegt im Schnitt bei 6,6 Liter auf 100 km .

Muss man eigentlich über Audi-Innenräume noch viele Worte verlieren? Auch in diesem Audi sitzt man gut und mit gutem Seitenhalt . Man hat alles im Blick und im Griff, und die Bedienung ist fast selbsterklärend. Das gilt auch für das Steuerteil auf der Mittelkonsole (MMI), mit dem man die Bordelektronik bedient. Alles ist edel verpackt, mit Herzblut gestaltet und dennoch kommt auch bei diesem Audi nicht der Eindruck von Effekthascherei auf. Echter Premium-Adel erweist sich eben in der Zurückhaltung.

Damit sind wir wieder beim "Italiener", bei der "bella machina". Der Sportback stimmt nur bis zur Unterkante der A-Säule mit dem A5 überein. Danach wurde alles neu gezeichnet, ohne dabei den Charakter des A5 zu verwässern. Mit 4,71 Meter überragt der Viersitzer den A5 in der Länge. Mit dem längeren Radstand bleibt für die Passagiere mehr Raum. Unter dem flach nach hinten auslaufenden Coupé-Heck bleibt mehr Raum als bei anderen viertürigen Coupés. Aber auf der hinteren Sitzbank sind auch beim Sportback Sitzriesen nicht passend untergebracht . Wer schön sein will, muss eben leiden.

Dafür mangelt es unter der großen Heckklappe nicht an Kofferraum . Der fasst 480 Liter und lässt sich auf 980 Liter vergrößern . Der A5 Sportback legt sich also zwischen die A4-Varianten Limousine und Avant und das deutlich enger geschnittene A5 Coupé. Er bietet sich als sportlicher, eleganter Viersitzer mit Alltagstauglichkeit an. Man möchte Michael Dick glauben, wenn der meint, damit könne Audi neue Kunden finden.

auto-reporter

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