Der neue Audi RS 6 Avant im Test

In 4,6 Sekunden auf 100, bis zu 280 km/h schnell

Wer gern hoch rangeht, aber noch lieber tief stapelt, der ist beim automobilen Understatement normalerweise mit einem Kombi gut beraten, weil der so unverdächtig nützlich wirkt. Ob dies für den schnellen Kombi Audi RS 6 Avant ebenfalls gilt, darf bezweifelt werden. Kenner werden sich vom Laderaum jedenfalls nicht blenden lassen. Die wissen, dass dem Audi RS 6 Avant der Ruf als schnellster Serienkombi der Welt zusteht.

Nach 4,6 Sekunden erreicht der Audi RS 6 Avant die 100 km/h-Marke , nach knapp 15 Sekunden ist er bereits schneller als 200 km/h. Und wem der elektronische "Dämpfer" nicht passt, der kann ihn ausschalten lassen und fährt dann nicht nur 250 km/h, sondern bis zu 280 km/h schnell . Wahrscheinlich könnte dieser Avant sogar noch schneller fahren, denn schon bei den ersten Kilometern auf dem Rennkurs Paul Ricard bei Marseille bekommt man den Eindruck, dieser Motor sei so stark, dass Luftwiderstand beim RS 6 keine Rolle spielt.

426 kW / 580 PS schafft der V-10-Aluminiummotor zwischen 6.250 Umdrehungen pro Minute (U/min) und 6.700 U/min. Sein maximales Drehmoment von 650 Newtonmeter (Nm) entwickelt er dank seiner beiden Turbolader schon ab 1.500 U/min bis hinauf zu 6.250 U/min . An Schub fehlt es also nie, wenn sich der Zweitonner ins Zeug legt. Und überanstrengt wirkt er dabei auch nicht. Zwischen dem Brummen bei niedrigen Drehzahlen bis hin zum Brüllen bei voller Beschleunigung lässt er weder seine Insassen noch seine Umwelt im Unklaren über seine Potenz.

Doch der Zehnzylinder , den man in einer anderen Abstimmung mit 530 PS bereits aus dem Lamborghini Gallardo kennt, lässt den Audi nicht etwa zu einem Rennbiest werden. Sein permanenter Allradantrieb , der jeweils mehr Kraft an die Hinterachse liefert, seine sechsstufige Tiptronic , sein ESP mit Sportschaltung , seine elektronische Differentialsperre , seine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung , die 19-Zoll-Räder mit 255/40 R 19-Reifen - sie alle sorgen zusammen mit einer straffen, aber wahrlich nicht unkomfortablen Fahrwerksabstimmung für ein unglaublich souveränes Fahren auch bei hohen Geschwindigkeiten und für ein völlig entspanntes Driften.

Nun wurde der Audi RS 6 Avant nicht für die Rennstrecke gebaut . Aber es war lehrreich, ihn und die Leistungsbereitschaft seines Antriebs einmal dort zu erleben. Umso lieber nimmt man sich auf der Landstraße zurück und genießt sein Leben im Kombi mit viel Lebens- und Laderaum in einem sportlich-eleganten Umfeld, gestaltet mit der für die Ingolstädter üblichen Zurückhaltung. Das neue, unten abgeflachte Lenkrad und die serienmäßigen Sportsitze lassen ebenfalls keine Wünsche offen.

So kann man in Ruhe die erstaunten Blicke der anderen Autofahrer genießen, die sich an der überarbeiteten Front mit den riesigen Einlässen zeigen. Ebenso auffällig sind die Verbreiterungen der Radkästen vorne und hinten nach dem Muster des Ur-Quattro mit einer klaren, geraden Kante. Am bulligen Kombiheck lassen die Diffusoreinsätze , die beiden ovalen Auspuffendrohre und der RS 6-Schriftzug keinen Zweifel mehr an der Leistungsklasse, in der sich dieser Kombi bewegt. Dann ist endgültig Schluss mit dem Versuch, den anderen einen gewöhnlichen Kombi vorzugaukeln.

Tiefstapeln ist nie ein billiges Vergnügen. Beim Auto kostet der RS 6 Avant 124.000 Euro plus ein paar Euro für Zusatzausstattung. Relativ bescheidene 13,9 Liter Super Plus verbraucht der RS 6 nach der EU-Norm im Schnitt unter anderem wegen seiner Benzindirekteinspritzung. Auf der Rennstrecke und bei schnellen Etappen darf’s natürlich ein Schluck mehr aus dem 80-Liter-Tank sein.

Seine Leistungsklasse, sein Verbrauch und die 331 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer , die sich aus diesem Verbrauch ergeben, werden dem RS 6 sein Leben in Österreich nicht gerade erleichtern. Aber schon seine Vorgänger hatten einen festen Freundeskreis, der sich auch über den Nachfolger freuen wird. 

auto-reporter

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