Das BMW 1er Cabrio 125i im Test

In 22 Sekunden oben ohne

Bei offenem Dach soll der Kofferraum des neuen BMW 1er Cabrio noch 260 Liter fassen oder zwei Golfbags . Die Hostess bei der Vorstellung des kleinsten Cabriolets der Münchner im spanischen Valencia mühte sich redlich ab, um wenigstens einen Golfbag in den Kofferraum zu quetschen. Doch die Tasche des faltbaren Windschotts war im Weg, und auch mit der Unterstützung eines Entwicklers von BMW wollte die zweite Tasche einfach nicht unter die Haube.

In der Tat sind Werte von 260 Litern bei offenem Dach und 305 Liter bei geschlossenem Dach Bestwerte für ein Cabrio in der Kompaktklasse von gerade einmal 4,36 Meter Länge . Aber Hand aufs Herz: Welchen Cabrio-Liebhaber interessiert denn schon wirklich der Laderaum angesichts eines bildschönen offenen Autos? Da zählt für viele doch mehr, wie schnell es gelingen kann, einen Sonnenstrahl einzufangen.

22 Sekunden dauert das Öffnen des elektrischen Stoffverdecks des 1er Cabrios. Schneller kommt keiner in dieser Klasse oben ohne daher. Den Startknopf kann man noch bei Geschwindigkeiten von 40 km/h drücken, und während des Vorgangs darf man sogar 50 km/h fahren . BMW denkt eben auch an die Wolkenlücke zwischen zwei Ampeln.

Wer dies das erste Mal ausnutzt, wird es genießen, dass der obere Rahmen der Frontscheibe nicht als "Brett vorm Kopf" die Freude am freien Blick in die Welt halbiert. Sie steht vergleichsweise steil im Wind und hält Abstand zum Fahrer. Auch nach hinten wird der Blick nicht verstellt, denn der Kofferraum erhebt sich nicht über die Schulterlinie des BMW, um dem Dach oder einem dritten Golfbag Platz zu verschaffen.

Die seitliche Sicke unterhalb der Schulter läuft fast parallel zur Fahrbahn und streckt die ganze Karosse. Lange Schnauze, kurzer Überhang vorn, breite und dominante Radläufe, kräftige Linien, bei den Sechszylindern mit 17-Zöllern, bei der stärksten Motorisierung sogar mit hinten breiteren Reifen als vorn und M-Optik. Das 1er Cabrio ist äußerlich ein ganzer BMW , der mit offenem Dach so aussieht, als wolle er dem 3er Cabrio die Käufer ausspannen. Aber auch das geschlossene Dach fügt sich harmonisch an und wirkt keineswegs wie eine Pudelmütze zum sportlichen Zweireiher. BMW sagt dem Dach nach, es sei winterhart und geräuschoptimiert . Das wollen wir in Spanien mit zurzeit frühsommerlichen Temperaturen gern glauben.

Beim Innenraum treffen wir über weite Strecken auf einen Bekannten - das BMW 1er Coupé . Aber ein Cabrio ist eben mehr als ein Coupé mit abgeschnittenem Dach. Deswegen hat sich BMW besonders darum bemüht, die Übergänge zwischen innen und außen so zu gestalten, dass das offene Cabrio so aussieht, als sei es nie dafür gedacht gewesen, auch einmal mit Stoffverdeck fahren zu müssen.

Bei den Motoren hat man auch beim Cabrio dieselbe Wahl wie beim Coupé . Die Palette reicht vom Vierzylinder im 118i mit 105 kW / 143 PS über den 120i mit 125 kW /170 PS bis zu den Sechszylindern im 125i mit 160 kW / 218 PS und der Spitzenmotorisierung im 135i mit 225 kW / 306 PS . Der Diesel im Quintett heißt 120d und leistet 130 kW / 177 PS . Der Diesel und der 135i sind Drehmomentmeister. Der 120d entwickelt sein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter (Nm) zwischen 1750 und 3.000 Umdrehungen pro Minute (U/min). Der große Benziner kann das - dank Twinturbo-Aufladung - noch besser. Er bringt 400 Nm von 1300 U/min bis 5.000 U/min.

Klar, dass bei solchen Werten selbst schon die Fahrleistungen des kleinsten Benziner beeindrucken können. Der hat die 100 km/h mit dem serienmäßig eingebauten Sechsgang-Getriebe bereits nach 9,3 Sekunden geschafft. Der Diesel braucht sogar nur 8,2 Sekunden und wird nur von den beiden Sechszylindern mit 7,3 Sekunden bzw. 5,5 Sekunden überholt.

Doch nicht immer gehört zur Spitzenleistung auch ein hoher Verbrauch. BMW nennt als Durchschnittsverbrauch nach EU-Norm pro 100 km für dem kleinen Benziner 6,3 Liter (149 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer) , für den Diesel sogar nur 5,1 Liter (134 g/km) und für den 135i 9,4 Liter (224 g/km) . Hier zeigt sich der Erfolg der Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs, bei BMW "Efficient Dynamics" genannt. Dazu gehören die Rückgewinnung der Bremsenergie , die Start-Stop-Funktion , die Anzeige des richtigen Schaltzeitpunkts , die bedarfsgerechte Steuerung von Nebenaggregaten und eine verbesserte Aerodynamik. Dennoch: Der Tank fällt mit 40 Litern eher bescheiden aus. Wer die großen Benziner fordert, wird sich mit rund 350 Kilometer Reichweite abfinden müssen.

Das alles ist Premium in Hinblick auf Fahrdynamik, aktiver und passiver Sicherheit bis hin zu automatisch hinter den hinteren Kopfstützen bei einem Überschlag herausspringenden Überrollbügeln, Innenausstattung und vieles mehr. Selbst an solche Details wie reflektierende Fäden im Verdeck (Aufpreis) oder ein Leder, das sich in der Sonne nicht so stark aufheizt, hat BMW gedacht. Das alles hat aber auch seinen Preis. Das Leder geht mit rund 2.000 Euro erstaunlich günstig in die Rechnung ein, die Basispreise sind allerdings nicht von schlechten Eltern. Die Spanne reicht vom 118i Cabrio mit 31.950 Euro Basispreis bis zu 51.220 Euro für das 135i Cabrio plus Extras. Der Grundpreis für unseren Testwagen, das 125i Cabrio, beträgt 41.750 Euro.

auto-reporter

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