Der neue 7er BMW 760Li im Test

Jeder zweite BMW mit langem Radstand geht heute nach China oder in die USA.

Es gibt große Autos, schnelle, luxuriöse. Und es gibt Autos, die sind das alles und setzen noch einen drauf, bilden das Sahnehäubchen dieses Segments. So einer ist der Zwölfzylinder des 7er BMW mit langem Radstand , der BMW 760Li . Die Amerikaner lieben ihn und auch die Chinesen. Sie kaufen zusammen fast jeden zweiten. Nur jeder siebte der Hyper-7er bleibt in Deutschland. Man muss ihn sich eben - in des Wortes doppelter Bedeutung - leisten können.

Der österreichische Einstiegspreis ist noch nicht bekannt . Für die Variante mit dem langen Radstand soll er ca. bei 160.000 Euro liegen. Sollte der Preis an dieser Stelle als Lesestopper verstanden werden, dann möge der Hinweis weiterhelfen, dass dieser BMW mehr zu bieten hat als einen hohen Basispreis und eine umfangreiche Aufpreisliste. Denn auch für BMW ist die Topversion des 7er BMW die Gelegenheit, zu zeigen, was man kann.

Maßstäbe setzen wollen die Münchner nicht nur beim Raumangebot, bequemen Gestühl und mit Luxus pur , sondern auch bei allen technischen Aspekten. Dafür muss man nicht extra erwähnen, dass alles, was die Technik an Systemen für mehr Sicherheit und mehr Komfort heute bieten kann, schon bei der umfangreichen Serienausstattung an Bord ist oder dazu erworben werden kann. Das darf man von BMW und des Preises wegen erwarten.

Lohnender stellt sich der Blick zum Beispiel auf den Motor dar. Denn der bietet mit 400 kW / 544 PS rund ein Fünftel mehr Leistung als sein Vorgänger und verbraucht dabei fünf Prozent weniger Super als dieser. Im Schnitt (nach EU-Norm) sind das 12,9 Liter auf 100 km . Damit setzt sich dieser Zwölfzylinder als Klassenbester in Sachen Effizienz vom Wettbewerb ab. Das schafft er mit Kraftstoff-Direkteinspritzung, doppeltem Turbolader, gesteuerten Nebenaggregaten, Rückgewinnung der Bremsenergie und viel Feinarbeit seiner Entwickler.

Der Turbolader stellt sein für einen Benziner gewaltiges maximales Drehmoment von 750 Newtonmeter bereits ab 1500 Umdrehungen pro Minute parat. Das erleichtert der gemeinsam mit ZF entwickelten Acht-Gang-Automatik die Arbeit. Die versucht immer wieder, den Motor in einem möglichst niedrigen Drehzahlniveau zu halten, was ebenfalls zur Effizienz beiträgt, ohne den 7er einzubremsen. Die spontane Reaktion auf die Eingaben des Gaspedals und die extrem kurzen Schaltzeiten der Automatik auch über mehrere Gänge hinweg, erlauben jederzeit einen beeindruckenden Spurt, zum Beispiel in 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h .

Doch normalerweise bleibt alles ruhig. Der Motor hält sich zurück, ebenso die Wind- und Fahrgeräusche. Wählt man dann auch noch den Komfortmodus des Fahrwerks, gleitet der 760Li lautlos wie von Elektromotoren getrieben und sanft wiegend auch durch schnellen Verkehr. An seinem Steuer fühlt man sich wie in einem automobilen Paralleluniversum. Abgeschottet vom normalen Leben auf der Straße und abgehoben in 2,2 Tonnen Souveränität, die man schon beim ersten Gasgeben inmitten von Luxus, Leder, gekonntem Design und Technik zu spüren bekommt.

BMW nennt diesen 7er einen " Garanten für Gänsehaut ". Die erlebt man beim Reisen über lange Autobahnetappen ebenso wie beim Zwischenspurt oder bei einer beherzten Hatz um Kurven. Es ist schon erstaunlich, wie behände der 5,21 Meter lange Li mit einer mitlenkenden Hinterachse um die Kurven zirkelt - schnell und mit so wenig Seitenneigung, als wolle man es den echten Sportlern aus dem BMW-Stall gleichtun.

20.000 Exemplare vom 7er haben die Bayern seit dem Erscheinen des neuen Modells im Jänner 2009 bereits verkauft. Sie sind stolz darauf, dass sie im Juni erstmals die S-Klasse bei den Zulassungen überholt haben. Vom Zwölfzylinder erhoffen sie sich eine Verfestigung dieser Position im Markt. Man wird sehen, wie viele das Angebot annehmen und ihr Vergnügen daran finden, Mitglieder in dieser automobilen Parallelgesellschaft zu werden.

auto-reporter

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