Testbericht: BMW M550d xDrive Touring

5er, setzen! Aber bitte gern doch, besonders in dieses Modell. Womit der stärkste 5er Kombi aufwarten kann, erfahren Sie im folgenden Testbericht.

In Anbetracht der aktuellen Dieseldiskussion scheint es fast schon als Herausforderung, wenn ein Premiumkonzern wie BMW die derzeit stärkste Motorisierung des 5ers nicht einem Benziner, sondern einem Selbstzünder zuschreibt. Während der 540i "nur" 340 Pferde zur Verfügung hat, schöpft unser Testfahrzeug seine Kraft aus 400 antrittsstarken Rössern, die nur mit viel Elektronik im Zaum gehalten werden. Doch dazu später mehr.

Seit nun mehr als 25 Jahren ist der 5er fest im Straßenbild verankert. Jetzt sogar in der 5. Generation, und es ist bemerkenswert, wie es den Bayern doch immer wieder gelingt, innovative Features und Designelemente in neue Fahrzeuge zu verpacken, ohne ihnen die typische BMW-Charakteristik zu nehmen. Noch mehr Sportlichkeit und gleichzeitig ein Plus an Komfort, das Ganze mit einem großzügigen Platz- und Raumangebot - eigentlich will man nicht mehr. Preislich beginnen die Münchner bei 54.750 Euro für den kleinsten Diesel (520d, Schaltgetriebe). Fast das Doppelte, nämlich 101.400 Euro, bezahlt man, will man das 400 PS-Aggregat.

Blickt man in die Ausstattungsliste, gibt es eigentlich kaum etwas, wo kein Punkt daneben ist. Alles, was man von einem Premiumhersteller an Assistenzsystemen und Sicherheitsfeatures erwartet, ist mit an Bord. Daher beschränken wir uns an dieser Stelle wirklich auf die Highlights: Für außen gibt es ab Werk links und rechts zwei trapezförmige, sichtbare Auspuffendrohre, die Dachreling Hochglanz Shadow Line sowie das M-Aerodynamikpaket. Ebenfalls zur Serie würden elektrisch verstellbare Stoffalcantara/Sportsitze und 19-Zoll-Felgen gehören, diese wurden aber in unserem Fall durch Sonderausstattungen mit 20-Zoll-Mischbereifung ersetzt. Für den Innenraum erhält der M550d spezielle Interieurleisten und Ambientelicht.

Das M Lederlenkrad liegt gut in der Hand, lässt sich elektrisch verstellen und hält für die sportlichen Momente auch Schaltwippen parat. Individuelles Konfigurieren gehört bei BMW zum guten Ton, und den Überblick über die Optionslisten und die Kombination aller Pakete haben wahrscheinlich auch wirklich nur die Verkäufer. Doch letzten Endes sind es genau diese, die den 5er zu unserem 5er machen. Dass dadurch der Endpreis auf 138.208 Euro steigt, gehört zu den notwendigen Begleiterscheinungen.

Die Optionen in unserem Testfahrzeug machen ihn eigentlich zum Allrounder. Schicke Businesslimousine? Oder doch der Familienausflug? Umzug oder raumgreifendes Hobby? Egal, was Sie mit ihm vorhaben, er wird Sie nicht enttäuschen. Das Business-Paket Plus mit Auskunftsdienst und Remote-Services wird durch das Innovations-Paket in unserem Fall erweitert. Dieses hält nicht nur den stylischen Display-Schlüssel, sondern unter anderem auch ein Head-Up-Display, die Gestensteuerung für die Audioanlage und das multifunktionale Instrumentendisplay parat.

Im Winter freut man sich sicher über das Wärme-Paket mit Sitzheizung vorne und hinten sowie Lenkrad- und Standheizung. Praktisch, wenn das Smartphone dies kann, ist die induktive Ladeschale vorne in der Mittelkonsole. Für das exklusive Interieurfeeling sorgt das First-Class-Paket mit Lederausstattung, aktiver Sitzbelüftung, Massagefunktion vorne und Soft-Close-Automatik für Türen. Das Österreichpaket hält neben dem Komfortzugang eine Lordosenstütze für die perfekte Sitzanpassung parat. Obwohl die Harman Kardon Anlage schon einen sehr guten Sound abliefert, setzt das Bowers & Wilkins Diamond Surround System noch eines darauf. Online Entertainment, TV-Funktion und W-Lan Hotspot sorgen für gute Unterhaltung während der Fahrt.

Dass der Sitzkomfort vorne keine Wünsche übrig lässt, kann man aus der oben angeführten Beschreibung ablesen. Aber gerade für Familien wichtig, ist die Nutzungsmöglichkeit von drei Kindersitzen im Fond. Dies stellt meist aufgrund der konturierten Sitze hinten ein Problem dar. Nicht aber beim neuen 5er. Für maximalen Sicht-und Sonnenschutz gibt es eine spezielle Verglasung sowie Rollos hinten. Das Panoramadach lässt uns die Aussicht nach oben genießen. Zwischen 570 und 1.700 Liter beträgt die Ladekapazität des Kombi, der darüber hinaus noch weitere praktische Ablagen parat hält.

Kommen wir aber nun zum Kernstück des Ganzen. Allein die Auflistung der puren Daten zeigt, wie viel Fahrspaß in ihm steckt. Der Dreiliter-Sechszylinder-Selbstzünder wurde mit der BMW TwinPower Turbo Technologie ausgerüstet und besitzt eine Stufenaufladung mit vier Turboladern (zwei Lader für die Hochdruck- und zwei für die Niederdruckstufe). Damit leistet er 400 PS bei einem Eigengewicht von knapp unter zwei Tonnen. Sein wahres Potenzial zeigt sich aber über das gesamte Drehzahlband. Während er bereits von 2.000 bis 3.000 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 760 Nm abliefert, greifen die 400 PS bei 4.400 Touren. Dabei arbeiten die Elektronik und die Abstimmung mit der Acht-Gang-Steptronic derart präzise, dass es einem beim Beschleunigen zwar in die Sitze presst, man jedoch nie das Gefühl von "Unbezähmbarkeit" hat. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der Münchner in 4,6 Sekunden. Um den Topspeed legal zu erreichen, muss man einen Abstecher zu unseren Nachbarn wagen, denn laut Werk steht die Tachonadel erst bei 250 km/h an.

Hier leistet sicherlich neben dem xDrive Allradantrieb eine weitere Option unseres Testfahrzeugs einen wertvollen Beitrag, nämlich das adaptive M Fahrwerk Professional. In Verbindung mit dem Fahrerlebnisschalter, den wir während unserer Testzeit lieber auf Sport als auf Comfort gestellt haben, macht auch das Kurvenräubern Spaß.

Serienmäßig wird der M550d mit der M Sportbremse und einer Integral-Aktivlenkung ausgestattet. Zwar haben wir während unserer Testzeit den werksseitig angegebenen Durchschnittsverbrauch von 6,4 Liter nicht erreicht, aber auch unser Verbrauch von etwa acht Liter schockiert uns bei dem 400 PS-Aggregat nicht.

Wer bis knapp 140.000 Euro einen perfekten Allrounder sucht, der auch noch über genügend Kraft samt eingebautem Fahrspaß verfügt, sollte einen genauen Blick auf den M550d werfen. Wir konnten uns nur schwer von ihm trennen.

Was uns gefällt:

Dieser Motor, Verbrauch, Interieur

Was uns nicht gefällt:

Preis, Qual der Wahl auf der Optionsliste

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1 (dank Kameras)