BMW X5 M - Testbericht

Wie sich 555 PS in einem X5 anfühlen - und warum nicht nur der Fahrer, sondern auch der Finanzminister bei diesem Geschoß ein Lächeln auf den Lippen trägt.

In Zeiten wie diesen versuchen die Autohersteller nicht mehr, sich gegenseitig in Leistung zu überbieten, sondern vielmehr im Verbrauch zu unterbieten. Der Kampf um jedes Milligramm CO2 ist in vollem Gange; eben erst hat sich der smart wieder den Titel "CO2-Champ" vom VW Polo zurückgekämpft, 86g CO2 / km sind nun das Maß der Dinge. Bewerfen Sie mich nun ruhig mit Tomaten und faulen Eiern, aber zum Glück für alle Auto-Afficionados gibt es auch noch jene Autos, von denen die meisten Leute nur träumen können. Schließlich reden wir hier alleine beim Kaufpreis von Summen, um die sich andere Leute Immobilien kaufen.

Ein Exemplar dieser Spezies ist der BMW X5 M . Von politischer Korrektheit in etwa so weit entfernt wie ein smart von einem Stockautobus. 555 PS aus acht Zylindern und einem Hubraum von 4.395 ccm. Doppelte Turboaufladung, eh klar. Völlig sinnlos? Mit Sicherheit. Und dabei atemberaubend aufregend. 127.500 Euro Basispreis - 151.275,36 Euro kostet unser Testauto unterm Strich. Für diese Summe bekommt man 21 Dacia Sandero. Aber was soll man mit 21 Sanderos? Eben! Dann schon lieber den X5 M. Dezent ist er nicht, der bayerische Bulle, wenngleich man trotzdem keine 555 PS unterm Blechkleid vermuten würde.

Der Druck auf den Startknopf lässt den Achtender kurz fauchen, Brutalo-Krawallo ist der BMW aber keiner. Zumindest wenn man das nicht möchte. Die Fahrleistungen erscheinen zunächst gut, aber nicht atemberaubend. Hmm. Verpufft das Power-Feuerwerk? Mitnichten! Ein dezenter M-Knopf auf dem Lenkrad zündet das Leistungsfeuerwerk. Sensibleres Gaspedal, straffere Dämpfung und ein tiefes Grollen aus der üppigen Auspuffanlage machen klar: jetzt ist Schluss mit Lustig. Oder besser: Jetzt beginnt Lustig!

In 4,7 Sekunden stürmt der X5 M wie ein wildes Tier nach vorne, aus einem Elefanten wird plötzlich ein Gepard. Man hat das Gefühl, dieses Ding überlistet die Grenzen der Physik. Beim Bremsen und in Kurven merkt man zwar, dass hier 2,4 Tonnen in Bewegung sind, die Agilität ist dennoch beeindruckend. Das Nonplusultra ist ohne Frage die Launch-Control. ESP off, Automatikwählhebel in die manuelle Schaltgasse, linker Fuß auf die Bremse, rechts "pedal to the metal". Die Drehzahl soll sich dann auf optimalem Niveau einpendeln; nimmt man den Fuß vom Bremspedal, beginnt die Fahrt. Der erste Versuch misslingt.

Man muss schon wirklich fest auf die Bremse treten, sonst setzt sich der Bayer sofort in Bewegung. Beim zweiten Mal klappt's dann. Man hat das Gefühl, dass die vier Räder Stücke aus dem Asphalt reißen - so brachial schnalzt der X5 M nach vorne. Irgendwie kommt Mitleid mit dem Antriebsstrang auf. Vermutlich deshalb steht in der Bedienungsanleitung, dass man die Launch-Control nicht allzu oft einsetzen soll, aus Rücksicht auf die mechanischen Komponenten...

Und auch die Verzögerungswerte können sich sehen lassen, unter den wuchtigen Felgen sorgen Pizzateller-große Bremsscheiben für schnelle und effektive Stopps. Die Fahrwerksabstimmung ist trotz aller Sportlichkeit angenehm. Eine gewisse Härte ist natürlich notwendig, übertrieben ist diese aber dankenswerterweise nicht. Das Interieur ist aus den zivilen X5-Modellen bekannt, unverändert auch das durchaus großzügige Platzangebot, sowohl im Fond als auch im Kofferraum. Etwas unangenehmer fällt das Kapitel Verbrauch aus. 555 Pferde verlangen auch einiges an Futter. Die Werksangabe von 13,9 Litern auf 100 km (325g CO2 / km) ist natürlich nicht praxisnahe. Und wie uns die Praxis gezeigt hat, wäre es unseriös über einen Durchschnittsverbrauch zu sprechen. Denn wer dem Power-Bayern die Sporen gibt, der kann zusehen wie die Tanknadel fällt. So um die 18 Liter sollte man jedenfalls einkalkulieren, mal etwas weniger, mal viel mehr.

Wasser auf die Mühlen der SUV-Kritiker. Doch sollten diese Leute nicht den Fehler machen, den Verbrauch dieses Autos stellvertretend für alle SUVs an den Pranger zu stellen. Denn der Großteil moderner Geländewägen fährt mit Dieselantrieb und Verbrauchswerten um die 10 Liter. Und genau genommen sollte man jedem einzelnen Käufer eines X5 M sogar dankbar sein. Denn der Finanzminister verdient an diesem Auto mit NoVA und Steuer satte 45.553,12 Euro. Nicht zu vergessen die über 2.500 Euro an jährlich anfallenden motorbezogenen Steuern. Auch ein Beitrag zur Budgetsanierung, und mit Sicherheit nicht der unangenehmste, so man sich den Spaß denn leisten kann...

Testurteil:

Plus: traumhafter Motor; fabelhafte Soundkulisse; perfekte Verarbeitung; alltagstauglicher Sportwagen

Minus: extrem teuer; hoher Verbrauch; vorauss. hoher Wertverlust

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 2
Bedienung: 1
Komfort: 2-3
Verbrauch: 4
Fahrleistung: 1
Sicherheitsausstattung: 1

Resümee: Die Leistungsentfaltung des doppelt aufgeladenen Achtzylinders ist atemberaubend. Ob es sinnvoll ist, ein 2,4 Tonnen schweres SUV mit 555 PS zu Fahrleistungen eines Sportwagens zu verhelfen sei dahingestellt. Spaß macht es in jedem Fall gewaltig.

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