Testbericht: Der neue BMW i3

Verbesserte Reichweite, Sportpaket auf Wunsch inklusive - wie sich die verbesserte Version des BMW i3 (120 Ah) im Alltag bewährt, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Kam der erste BMW i3 mit seiner Reichweite gerade mal von Wien nach Wr. Neustadt, so hat sich der kleinste Elektrospross des Konzerns mittlerweile bei der Speicherkapazität der Batterie sowie der damit verbundenen Reichweite verdoppelt. Bis zu 260 km sind nun laut Hersteller bei idealen Fahrbedingungen möglich, doch dazu später mehr.

"BMW typische Sportlichkeit" wird unserem Testfahrzeug gleich in die Wiege gelegt, doch wer sich jetzt auf eine noch dynamischere Linie freut und die gewohnte markentypische Sportlichkeit im Hinterkopf hat, wird beim Anblick des i3 enttäuscht sein. Er bleibt immer noch die knuffige Ökokugel - zwar mit geringen Überhängen vorne und hinten, aber allein die Höhe von knapp 1,60 m spricht gegen unsere Vorstellungen echter Sportlichkeit. Trotzdem wollen wir das neue Sportpaket, das für den Stromer optional erhältlich und auch in unserem Testfahrzeug verbaut wurde, nicht schlecht reden. Es hübscht den i3 doch mit netten Details auf, wodurch er von den anderen Artgenossen an der Steckdose unterschieden werden kann.

Am stärksten stechen die 20-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 195/50er Reifen hinten und 175/55er Bereifung vorne in Bicolor-Optik ins Auge. Eine schwarz-glänzende Fahrzeugverbreiterung über den Radkästen sowie Aeroflap-Schweller dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Ob man die 10 mm Tieferlegung wirklich mit freiem Auge zu erkennen vermag, bleibt offen. Das sportlich abgestimmte Fahrwerk merkt man im Alltag in Kombination mit den Niederquerschnittsreifen jedoch deutlich. Hier federn selbst die fest gepolsterten Sitze wenig bei Fahrbahnunebenheiten ab. Aber was nimmt man nicht alles für die Schönheit in Kauf, und in der Kombination mit der Melbourne Rot-Metalliclackierung zeigt sich der BMW von seiner feschen Seite.

Den Kontrast zum Sportpaket außen stellt die Interieurdesignvariante "Suite" dar. Hat man erst einmal im kleinen Stromer Platz genommen, so fühlt man sich wie im gediegenen Wohn(t)raum: Eiche dunkel-matte Edelholzapplikationen, Instrumententafel in Leder "Vernasca" Dark Truffle/Carbon Black. Alles sehr edel und gleichzeitig ein wenig futuristisch wirkend. Perfekt darauf abgestimmt die dunkelbraunen Ledersitze, die sich bei Bedarf auch beheizen lassen. Ansonsten zieren dezente Chromapplikationen und LED-Ambientebeleuchtungselemente den Innenraum des i3.

Zukunftsweisend wurde beim Stromer auf ein klassisches Armaturendesign verzichtet und die Instrumententafel einfach durch ein 5,7-Zoll-TFT-Farbdisplay mit allen wichtigen Informationen ersetzt. Mittig auf dem Armaturenbrett schwebt gleichsam das Display der Multimediaanlage mit Navigationssystem Professional, dessen Steuerung wie bei BMW üblich über einen Commander mit Drehknopf zwischen den Fahrersitzen erfolgt. Das Navi ist ebenfalls als Extra im Business-Paket unseres Testfahrzeuges enthalten, welches darüber hinaus zusätzlich eine Wireless-Charging Möglichkeit in der Mittelarmlehne beinhaltet.

Das Komfort-Paket mit - unter anderem - Multifunktionslenkrad, Ablagenpaket, Klimaaautomatik, Geschwindigkeitsregler mit Bremsfunktion, ist das letzte der optionalen Packages bei unserem BMW i3. Zahlreiche weitere Features wie Rückfahrkamera und Parksensoren, Stau- und Fernlichtassistent, akustischer Fußgängerschutz, Harman Kardon Lautsprechersystem, adaptive Led-Scheinwerfer, Wärmepumpe, Komfortzugang oder Vorbereitung für W-Lan und Apple Car Play erhöhen den serienmäßigen Kaufpreis von 40.300 auf 55.504 Euro.

Auf Anhieb zu schätzen weiß man im BMW i3 die erhöhte Sitzposition und die verhältnismäßig große Windschutzscheibe. Außerdem kann man nicht über mangelnde Kopffreiheit klagen, nicht einmal im Fond. Letzterer wurde überdies nur für zwei weitere Mitreisende konzipiert. Eine Entscheidung, die wir gut finden, denn so haben wirklich zwei Mitreisende Platz. Selbst wenn die Coach Doors heutzutage eher ungewohnt erscheinen, gewöhnt man sich rasch an sie, und die Mitfahrer haben damit eigentlich auch keine großen Schwierigkeiten. Dem Platzmangel im Bein- und Kniebereich hinten wurde mit elastischen Einsätzen auf den Rückenlehnen der Vordersitze entgegengewirkt. So müssen keine zu großen Kompromisse mit der ersten Reihe eingegangen werden. Überrascht waren wir von der Größe des Kofferraums, der von 260 bis zu 1.100 Liter Fassungsvermögen aufweist, wenn man die Sitze der Rückbank umklappt.

Motorisch zieht der BMW i3 alle ihm zur Verfügung stehenden elektrischen Register. Bei einem Eigengewicht von 1.345 kg leistet er 170 PS und hat ein Drehmoment von 250 Nm. In der Praxis bedeutet das definitiv den Sieg beim Ampelstart oder in Zahlen 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Von dieser Kraft zehrt der Kleine bis Tempo 150, dann ist es aber mit dem Spaß vorbei. Eine Tatsache, die den Alltag mit dem i3 manchmal nervig gestalten kann: Denn leider ist in den Köpfen vieler Leute immer noch die Gleichung "Elektroauto = hat keine Kraft = langsam" verhaftet, und somit mangelt es vielen an Verständnis, wenn man bei einem Überholvorgang und dem Beschleunigen auf Autobahngeschwindigkeit doch vielleicht die dritte Spur in Anspruch nimmt. Dass der kompakte i3 durchaus das Potential zum zügigen Beschleunigen hat, wird ihm von Anderen oft (noch) nicht zugetraut.

Wie bei BMW üblich, besitzt auch der kleine Stromer einen Fahrerlebnisschalter. Mit diesem kann man zwischen Comfort, Eco Pro und Eco Pro+ wählen und die Effizienz bzw. Fahrdynamik noch besser anpassen. Positiv hervorzuheben ist beim neuen i3 die verbesserte Rekuperation. Im Fahrbetrieb kann man das Auto allein durch Gaswegnehmen bis zum Stillstand herunterbremsen, ohne das Bremspedal treten zu müssen. Wenn man diese Technik gut beherrscht, kann man damit die Batterien sogar wieder zu einem Teil aufladen.

Apropos Aufladen: Mit dem Gleichstromladekabel und 50 kW Leistung ist der BMW in 45 min auf 80 %, beim Wechselstromladen soll laut Hersteller etwa in drei Stunden 80 % Akkukapazität erreicht sein. Da wir zwischendurch immer wieder beim Einkaufen für 1 oder 1,5 Stunden an kostenlosen Zapfsäulen getankt haben, konnten wir die genaue Ladezeit nicht wirklich nachvollziehen. Der Bordcomputer gibt unseren Verbrauch bei 15,5 kWh/100 km an - das sind 2,4 kWh mehr als die Werksangabe. Wir fuhren den i3 nie ganz leer, können aber bestätigen, dass eine Reichweite von 240 km durchaus realisierbar ist.

Fazit: Der neue i3 ist für BMW-Fans ein guter Einstieg in die Elektro-Mobilität. Die verbesserte Reichweite macht ihn selbst für jene gut nutzbar, die keine eigene Ladestation daheim haben.

Was uns gefällt:

Reichweite alltagstauglich, Fahrperformance, perfekte Rundumsicht

Was uns nicht gefällt:

Die große Windschutzscheibe neigt zu Spiegelungen

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 2
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1