Cadillac ATS 2,0T RWD - Testbericht

Mit dem ATS möchte Cadillac einen neuen Versuch starten, in Europa Fuß zu fassen. In unserem Test verraten wir, ob der Ami das Zeug dazu hat.

Der Cadillac ATS soll nicht nur in Amerika die Premium-Kunden der Mittelklasse anziehen, auch in Europa möchte Cadillac mit seinem neuesten Modell Erfolge feiern. Dabei möchte Cadillac mit viel Sportlichkeit ins Revier von Audi, BMW und Mercedes vorstoßen, ohne auf seine alten Tugenden zu verzichten.

Für unseren Test haben wir den Cadillac ATS mit dem 2,0 Liter 4-Zylinder Turbomotor in der Topausstattung Premium und mit Automatikgetriebe gewählt. Lediglich eine Version mit Allradantrieb rangiert noch über unserem sehr gut ausgestatteten Topmodell, welches um 56.484 Euro so gut wie jeden Wunsch erfüllt.

Neben ABS, ESP und 8 Airbags verfügt der ATS auch noch über Ledersitze mit elektrischer Verstellung und Memory-Funktion, eine Sitz- und Lenkradheizung, ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, eine 2-Zonen-Klimaautomatik, das neue Infotainmentsystem CUE mit 8"-Touchscreen, ein GPS-Navigationssystem, ein Bose Surround-Sound-System mit 10 Lautsprechern, ein Head-up-Farbdisplay, eine Einparkhilfe vorne und hinten, eine Rückfahrkamera, das Sport-Chassis "Magnetic Ride Control" (MRC), Xenon-Scheinwerfer mit adaptivem AFL-Lichtsystem, das Driver Awareness-Paket (Spurassistent, Vibrationsalarm, Regensensor und Verkehrsschilderkennung) und 18"-Leichtmetallfelgen.

Darüber hinaus hatte unser Testfahrzeug noch das Driver Assist-Paket mit adaptivem Tempomat, Toter-Winkel-Warner, Ausparkwarner bei Querverkehr, Kollisionswarnung und -vorbereitung, eine Metallic-Lackierung und ein elektrisches Schiebedach. Der Gesamtpreis klettert damit auf 62.472 Euro, bleibt aber noch immer unter jenem der deutschen Konkurrenz.

Optisch wirkt der ATS sehr wuchtig, aber durchaus dynamisch. Das Heck trägt die typischen Cadillac-Designmerkmale, wie etwa die hoch gestellten Rückleuchten. Dabei ist der ATS mit einer Länge von 464,4 cm gar nicht mal so groß, wie er wirkt und man es von US-Autos gewohnt ist.

Das zeigt sich dann auch im sehr modern und luxuriös ausgestatteten Innenraum, der für Fahrer und Beifahrer viel Platz bietet, im Fond aber sportlich eng geschnitten ist. Auch der Kofferraum ist mit 381 Liter Fassungsvermögen eher für den Kurztrip zum Golfplatz geeignet, als für lange Urlaubsfahrten.

Die Stärken des Amerikaners liegen hier eindeutig bei seiner luxuriösen Innenraumgestaltung, die nicht nur mit hochwertiger Materialanmutung, sondern auch mit Top-Verarbeitung glänzen kann. Auf den sehr bequemen und vielfach elektrisch verstellbaren Sitzen fühlt man sich ebenfalls auf Anhieb wohl, und auch die Gestaltung von Armaturen und Anzeigen kann als sehr gelungen bezeichnet werden.

Das neue Intotainment-System CUE mit 8"-Touchscreen feierte dabei im ATS seine Premiere und soll die Bedienung und Vernetzung des Fahrzeugs erleichtern. Die Mittelkonsole kommt so auch mit sehr wenigen Knöpfen aus, deren Bedienung einem ebenso wie das 8"-Touchscreen ein haptisches Feedback gibt. Das Display verfügt auch über einen Annäherungssensor und eine sehr schöne Darstellung.

In der Praxis ist die Bedienung der Funktionen jedoch nicht so einfach wie von Cadillac angeführt, so ist die Adresseingabe im Navi eine ziemliche Herausforderung, da nur eine Zeile für die Eingabe der gesamten Adresse zur Verfügung steht, dann aber das gewünschte Ziel oft nicht gefunden wird bzw. man sich durch eine lange Liste an Ergebnissen arbeiten muss.

Positiver fällt dann das hervorragende Bose-Soundsystem auf, welches mit einem perfekten Klang verwöhnt. Im Innenraum ist der Cadillac was Luxus betrifft somit auch ganz ein Cadillac der alten Schule, wie man es von den US-Autos auch früher schon gewohnt war.

Die große Überraschung kommt dann, wenn man den 2,0 Liter 4-Zylinder Turbo startet, der rein gefühlsmäßig nicht zu einem Cadillac gehört, da man sich hier immer noch das Blubbern eines 8-Zylinder-Motors erwarten würde. Doch der 4-Zylinder-Motor ist sehr laufruhig und auch leise, lediglich bei voller Beschleunigung entwickelt sich ein kerniger Klang, der die sportliche Seite des ATS unterstreichen soll.

Mit einer Leistung von 276 PS (203 kW) bietet der Cadillac dann auch sehr ansprechende Fahrleistungen. Sein maximales Drehmoment von 353 Nm liefert der Motor zwischen 1.700 und 5.500 U/Min, wodurch man über ein sehr breites Drehzahlband eine enorme Power verspürt.

In nur 5,9 Sekunden erledigt die Sportlimousine den Sprint von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h. Die Gänge werden von der 6-Gang-Automatik dabei äußerst schnell, aber sehr sanft gewechselt. Die Elektronik reagiert auch sofort auf jede Gaspedaländerung, und auch Bergabpassagen meistert die Automatik sehr gut, ohne dauernd in einen höheren Gang schalten zu wollen.

Dabei lässt sich der Cadillac so agil steuern, wie wohl kein anderer Cadillac zuvor. Fahrwerk und Federung sind ganz auf Sportlichkeit getrimmt, und der ATS klebt förmlich auf der Straße. Mit dieser sportlichen Abstimmung muss sich der Amerikaner keinesfalls vor der Premium-Konkurrenz aus Deutschland verstecken. Wer ein Kunde der älteren Cadillac-Modelle ist und sich deren Komfort erwartet, wird aber enttäuscht, denn beim ATS steht die Dynamik im Mittelpunkt.

Eine sehr direkte Lenkung unterstreicht dann auch das agile Handling, und man freut sich nach einer Kurve schon wieder auf die nächste, da man so viel Fahrspaß genießen kann.

Die Sportlichkeit schlägt sich dann aber auch beim Verbrauch nieder, wobei der neue ATS keinesfalls mehr die Trinkgewohnheiten der US-Autos aus vergangenen Tagen hat. Den Werksverbrauch von 8,2 Liter konnten wir dennoch nicht realisieren, die von uns erfahrenen 9,2 Liter gehen aber gerade noch in Ordnung, wenn man Fahrspaß und Leistung berücksichtigt.

Auch beim Thema Sicherheit kann der Amerikaner mit den deutschen Premiummarken mithalten, neben adaptivem Tempomat, Kollisionswarnung und Spurhalteassistent gefällt auch der Ausparkwarner bei Querverkehr, der beim rückwärts Ausparken aus Schrägparkplätzen oder Einfahrten vor herannahendem Verkehr warnt.

Der ATS ist auf jeden Fall ein Cadillac einer neuen Generation, der bei der luxuriösen Ausstattung ganz wie gewohnt ein Cadillac ist, beim Thema Fahrspaß aber mit den deutschen Premium-Marken auf Augenhöhe. Keine Cadillac-Limousine hat bislang so viel Fahrspaß geboten wie der ATS mit Heckantrieb, der dabei auch sehr sicher auf der Straße liegt und über gute Fahrleistungen verfügt. Sein dynamisches Design und ein im Verhältnis zur Konkurrenz niedriger Preis machen den ATS für jene interessant, die sich gerne von der Masse abheben wollen, dabei aber nicht auf Qualität und Fahrspaß verzichten möchten.

Was uns gefällt:

der Fahrspaß, den der Cadillac bietet, die luxuriöse Ausstattung, die Leistungsentfaltung, dass 4-Zylinder auch in einen Cadillac passen, die Sportlichkeit

Was uns nicht gefällt:

das Platzangebot im Fond, die Bedienung des Navis

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 3
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 3-
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 1-

Kommentare