Dacia Sandero TCe 90 PF Comfort – Testbericht

Dacia goes West! Mit dem neuen Dacia Sandero setzt die Marke erste Schritte, um den traditionellen Ostblockcharme endgültig abzulegen.

Aus reiner Neugier führten wir uns unseren Bericht aus dem Jahre 2016 zu Gemüte, wo wir den Dacia Sandero in der Stepway-Version zum Test geladen haben. Verglichen mit dem Testobjekt heute haben sich hier Welten getan.

Wir trauen uns fast zu behaupten, die Rumänen legten einen Quantensprung bei der Automobilentwicklung hin. Sicherlich ein Verdienst der französischen Dachherrschaft unter Renault.

Die erste positive Mitteilung ist jene des Anschaffungswertes, denn trotz der vielen Krisen und Preissteigerung, die wir in der Zwischenzeit durchlebten, blieb der Preis nahezu ident. Der von uns zum Test geladene Sandero in der 90 PS-Motorisierung mit Comfort-Ausstattung kostet inklusive Steuer 11.990,- Euro.

Dafür bekommt man einen schicken Kleinwagen in moderner Optik. Seine Linienführung wurde deutlich schnittiger und seine neue LED-Leuchtsignatur , die sich angedeutet über den Kühlergrill zieht, gibt ihm ein richtig dynamisches Gesicht. Spiegelkappen in der Wagenfarbe sowie die neu gestalteten Heckleuchten lassen den Sandero nun näher in Richtung seines Konzernbruders Clio rutschen.

Um den niedrigen Preis halten zu können, verzichtet Dacia noch auf einige, sagen wir einmal „State-of-the -Art“-Features , die andernorts üblich sind bzw. stellt sie als aufpreispflichtige Option zur Verfügung. So hat unser Testfahrzeug nicht die Option des Keyless-Entry-Zugangs, der im Komfort-Plus-Paket inkludiert wäre, sondern lediglich einen ganz normalen, nicht klappbaren Schlüssel.

Die Stoffpolsterung im Sandero fällt sehr gut aus. An allen Positionen sitzt es sich sehr bequem, sodass der Cityflitzer durchaus Überlandreisetauglichkeit besitzt. Der Fahrersitz ist höhenverstellbar und besitzt eine Armlehne. Um die ideale Position zu finden, kann unser Multifunktions-Lenkrad in Lederoptik in der Höhe und Tiefe verstellt werden.

Unsere elektrischen Fensterheber hinten kosten 150,- Euro extra, sind aber nun hübsch im Türblatt integriert und nicht mehr in der Mittelkonsole zu finden. Überhaupt sieht der Innenraum des kleinen Rumänen sehr schick aus.

Wohnlicher Innenraum

Weiterhin beschränkt man sich auf klare Strukturen ohne großen Schnick-Schnack. Jedoch wirkt er deutlich wertiger und nicht mehr so „kunststofflastig“ wie früher. Markenzeichen der Comfort-Ausstattung sind unter anderem die schwarz-weißen Stoffapplikationen auf dem Armaturenbrett und den Türblättern vorne.

Apropos Türen: Hier blieb der alte Charakter erhalten – sie klingen beim Zumachen immer noch sehr „blechern“. Aber kommen wir zurück in den Innenraum. Silberne Akzente am Lenkrad sowie rund um die Luftausströmer und den Schaltknauf werten das Interieur deutlich auf.

Genauso wie die Drehknöpfe der automatischen Klimaanlage mit Digitalanzeige , die überdies ebenfalls aufpreispflichtig die serienmäßig manuelle Variante ersetzt. Ebenfalls in der Comfort-Ausstattung unseres Dacia inkludiert ist das Multimediasystem mit 8-Zoll-Touchscreen, DAB+-Radio und Smartphoneanbindung.

Diese wurde aber in unserem Fall durch das Media Nav erweitert. Für einen Obulus von 300 Euro (excl. Steuern) kommen neben einem Navi zu den vier Lautsprechern zwei Hochtöner dazu. Außerdem kann man das Smartphone nun via WLAN, Bluetooth oder USB koppeln.

Der USB-Anschluss befindet sich ganz praktisch neben dem Display, an welches sogar eine Handyhalterung angebracht werden kann. Wer oft in Westeuropa unterwegs ist, legt noch einmal 100 Euro netto für das erweiterte Kartenmaterial dazu.

Obwohl unser Sandero mit seiner Gesamtlänge von 4,10 m problemlos in fast jede Parklücke passt und er relativ übersichtlich ist, kann man das Safety-Paket, das bei uns aus der Optionsliste geordert wurde, sehr gut gebrauchen.

Übersichtlich gestaltet

Neben den Parksensoren vorne und hinten hat unser Testfahrzeug auch eine Rückfahrkamera mit an Bord, mit der man beim Ausparken gut den Bereich hinter dem Fahrzeug beobachten kann. Zusätzlich besitzt der Dacia damit einen Tot-Winkel-Warner in den Seitenspiegeln.

Wer denkt, dass ein Kleinwagen über wenig Platzressourcen verfügt, der irrt. Zwar bleibt die Beinfreiheit hinten von der Sitzposition des davorsitzenden Fahrers abhängig, aber dank der geraden kaum konturierten Bank hinten und der Zunahme in der Breite haben notfalls drei Personen Platz. Außerdem gibt es Ablagen in der Mittelkonsole und ein recht großes Handschuhfach.

Doch auch der Kofferraum kann sich sehen lassen. Durch die tiefe Lademöglichkeit kann man bis zu 320 Liter Gepäck und Co darin unterbringen. Die geteilte Rückbank mit Umklappmöglichkeit erweitert die Kapazität auf 1.200 Liter.

Motorisch testeten wir bereits vor fünf Jahren die 90-PS Motorisierung des Dacia. Die Leistung des neuen Sandero ist jedoch mit damals nicht mehr vergleichbar. Zwar werkelt hier immer noch ein Dreizylinder, der seinen rauen Charme immer noch zu versprühen weiß, ihm wurden aber 100 Kubik mehr Hubraum (999 ccm) und ein ganzes PS mehr zugedacht.

Dass der 91 PS-Motor gefühlt deutlich stärker ist, liegt sicherlich an der Anpassung der Drehmomentkurve und der Steigerung des max. Drehmoments auf 160 Nm bei 2.100 Umdrehungen. Sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn fährt man flüssig im Verkehr mit. In 11,7 Sekunden erreicht unser kleiner Rumäne die 100 km/h.

Man muss auch nicht wie normalerweise bei schwächer motorisierten Fahrzeugen im Getriebe „rühren“ um sich den nötigen Vortrieb zu verschaffen. Die sechs Gänge wurden sehr gut abgestimmt. Seine Höchstgeschwindigkeit mit 178 km/h reicht ebenfalls.

Komfortable Abstimmung

In Sachen Fahrwerk und Lenkung liegt die Abstimmung des Dacia genau bei den Ansprüchen an ein komfortables Stadtauto . Er schluckt brav Bodenunebenheiten und bleibt in flotteren Kurven erstaunlich stabil.

Selbstverständlich kommt der Sandero mit den wichtigsten Assistenzsystemen wie dem aktiven Notfallsbremsassistent , Notruf-Funktion, Berganfahrhilfe, Tempomat und Limiter sowie einem Regensensor.

Dacia gibt den Durchschnittsverbrauch des Sandero mit etwa 5,8 Litern an . Während unserer Testzeit waren wir vorwiegend in der Stadt unterwegs und erreichten hier einen Wert von etwa 7 Litern, wobei wir auf die Betätigung der ECO-Taste verzichteten. Somit lässt sich dadurch sicherlich noch ein niedrigerer Wert erzielen.

Bei einem Gesamtwert unseres Testfahrzeugs von 13.563,- Euro erhält man gut ausgestattetes Fahrzeug um wenig Geld. Wer auf technischen Schnick-Schnack verzichtet, aber Grundannehmlichkeiten wie Navi, Tempomat, Klimaautomatik nicht missen möchte, ist mit dem Sandero wirklich gut beraten.

Was uns gefällt:

Äußerer Auftritt, Preis, Platzangebot im Innenraum

Was uns nicht gefällt:

Türen schließen laut, kein Klappschlüssel

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 2
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 2
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 1

Technische Daten Dacia Sandero:

Dacia Sandero TCe 90 PF Comfort
Testwagenpreis ohne Extras € 11.990,00
Testwagenpreis mit Extras € 13.563,00
davon Steuern € 2.353,91
Technische Daten
Zylinder 3
Hubraum in ccm 999
Leistung PS/KW 91/67
Max. Drehmoment Nm/bei U/min 160/2.100
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe
Antriebsart Frontantrieb
Fahrleistung und Verbrauch
0 – 100 km/h in sek. 11,7
Höchstgeschwindigkeit in km/h 178
Durchschnittsverbrauch in Liter 5,8
CO2 Ausstoß pro km in Gramm 120
Abmessungen und Gewichte
Länge in cm 409,9
Breite in cm 184,8
Höhe in cm 149,9
Radstand in cm 260,4
Kofferraumvolumen in Liter 328-1.200
Tankinhalt in Liter 50
Leergewicht in kg 1.127
Zulässiges Gesamtgewicht in kg 1.562
Max. Zuladung in kg 435