Dacia Sandero Stepway im Test

Wie viel Auto braucht der Mensch? 10 Jahre Dacia in Österreich zeigen, dass "back to basics" durchaus ansprechend genug ist. Ob der kleine Sandero uns überzeugt, lesen Sie im folgenden Bericht.

In der Produktpalette von Dacia ist der Sandero seit 2008 Fixstarter in der Kleinwagenklasse. Hier matcht er sich mit kleinen Größen wie Hyundais i20 oder VW Polo. Wir haben uns nicht nur die Topausstattung "Stepway" zu Gemüte geführt, sondern den 90-PS Benziner mit dem neuen automatisierten 5-Gang-Schaltgetriebe "Easy-R" kombiniert.

Von außen passt der kleine Osteuropäer optisch perfekt in das Kleinwagenbild, das die Straßen urbaner Gefilde prägt. Stimmige Linien, passende Proportionen, nichts Spektakuläres und auch kein Kopfrumreißer. Dezent in Silber lackiert. Der Sandero Stepway ist aber nicht nur eine Variante, sondern optisch ebenfalls ein eigenständiges Fahrzeug. Etwa 4 cm ist er höher als der normale Sandero. Seine schwarz/chromsatinierte Dachreling macht ihn bereits 10 cm höher und damit zu einem kleinen Crossover. Der Look wird auch noch von einem chromsatinierten Unterfahrschutz vorne und hinten unterstrichen. Die 17-Zoll-Designfelgen mit Radabdeckung "Oassis" und der Schriftzug "Stepway" an den Seiten zeigen, dass man es hier mit einem besonderen Vertreter des Sandero zu tun hat.

Beim optischen Auftritt kann der Dacia also durchaus punkten. Aber was beinhaltet die Ausstattung tatsächlich? Der Preis für das Fahrzeug mit dieser Motorisierung und Ausstattung beginnt bei 12.390 Euro. Dies inkludiert unter anderem neben den zuvor erwähnten äußeren Designelementen elektrische Fensterheber hinten, Radio-Navigationssystem Media Nav Evolution, Einparkhilfe hinten und Tempomat sowie ein Reifendruckkontrollsystem.

Unser Testfahrzeug hatte aber auch ein paar Optionen verbaut, die den tatsächlichen Preis dann auf 13.058,75 Euro erhöhen. Zu diesen Optionen gehören das Kartenmaterial für das östliche Europa (westliches wäre wieder ein weiteres Extra), ein Reserverad statt dem Reparaturset und die Metallic-Lackierung. Doch alles in allem bleibt der Optionsaufschlag mit knapp 700 Euro im überschaubaren Rahmen.

Apropos überschaubar: Der Innenraum des Sandero lässt sich genau mit diesem Wort perfekt charakterisieren. Kein Schnickschnack, keine überladenen Konsolen, keine 100.000 Taster, die man ohne Beleuchtung gar nicht finden würde. Trotzdem jedoch alles, was man an Grundkomfort braucht. Die manuelle Klimaanlage funktioniert rasch und einwandfrei. Vier große chromsatiniert eingefasste Ausströmer belüften den Innenraum effizient. Blickfang im Sandero Stepway ist das Navidisplay, welches sich per Touchscreen bedienen lässt. Der Ein-Ausschaltknopf sowie die Lautstärkeregelung sind Extratasten im Rahmen des Displays. Modern aufgefrischt wird das Interieur durch die metallgraue Umrandung der Mittelkonsole. Der USB-Anschluss befindet sich ebenfalls gleich daneben. Eine kleine Ablage in der Mittelkonsole kann somit auch das Handy oder den MP3-Player gut beherbergen.

Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand, was gleich die Überleitung zur Rubrik "was hat sich der Designer dabei gedacht" darstellt. Denn auf dem Lenkrad befindet sich lediglich die Steuerung für den Tempomat. Um diesen jedoch überhaupt zu aktivieren, muss man neben der Feststellbremse einen Schalter betätigen. Diesen in der Nacht zu finden, bedarf einiger Übung. Die Multimediaanlage wird mittels kleinen "Satelliten" hinter dem Lenkrad gesteuert. Wer ohne Vorbereitung im Sandero hupen möchte, streichelt nur den Lenkradairbag. Erst auf der Autobahn, beim Versuch dem Bordcomputer ein paar Infos zu entlocken, fanden wir die Hupe unfreiwillig am linken Blinkerhebel. Das Gesicht des Audifahrers, den wir dabei gerade entspannt auf der Autobahn überholten, war Gold wert, unseres aber auch.

Ein weiterer Punkt sind die elektrischen Fensterheber, die aber besonders hinten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Vorne befinden sich diese nämlich unterhalb der Klimaanlagensteuerung. Dies ist zu Beginn ein wenig ungewohnt, aber die Türblätter vorne wie hinten sind beim Dacia schalterunbefleckt. Die hinteren Fensterheber befinden sich nämlich zwischen den Vordersitzen. So kann man von vorne noch das Auto hinten lüften, hat man aber Kinder, so kommen diese niemals unbeabsichtigt zu den Fensterhebern, da sie angeschnallt nicht mit den Händen in den Fußraum bzw. zu den Tasten zwischen den Sitzen gelangen. Somit entfällt die Versperrtaste.

Beim Sitzkomfort kommt man im Sandero ebenfalls nicht zu kurz. Gute Polsterungen lassen nicht nur das Cityflitzen zu. Großzügig empfanden wir das Platzangebot im Fond mit dem wir in diesem Ausmaß nicht gerechnet haben. Zumal Autos in dieser Größenkategorie selten drei vollwertige Sitzplätze bieten. Im Sandero finden drei Erwachsene entsprechend Platz, auch im Kopf- und Kniebereich.

Ebenso nicht unterschätzt werden darf das Platzangebot im Kofferraum. Dieser wird noch mit außenliegendem Knopf entriegelt, bietet aber derart viel Platz und vor allem auch Tiefe, dass die 320 Liter kein leeres Versprechen sind. Die Sitze lassen sich 1/3 zu 2/3 umklappen, wodurch sich das Volumen auf 1.200 Liter erhöht.

Wer einen Sandero Stepway mit Benzinmotor erwerben möchte, hat lediglich die Wahl zwischen selbst schalten oder schalten lassen. Das 90 PS-Aggregat zieht seine Kraft aus drei Zylindern mit einem Hubraum von 898 Kubik. In Anbetracht dieser Größe ist das Leistungsspektrum grundsätzlich gar nicht so schlecht. Das merkt man auch beim Beschleunigen aus dem Stand. Laut Werk sollte dem Dacia der Sprint auf 100 km/h in genau 11 Sekunden gelingen. Das ist für den Stadtbetrieb durchaus ausreichend. Auch Überlandfahrten sind mit dem Dacia Sandero kein Problem. Mit einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h reist man moderat im Autobahnverkehr mit. Kalkuliert man Überholmanöver vorausschauend ein, so passt auch das Drehmoment von 135 Nm bei 2.500 Umdrehungen gut zur Motorleistung.

Kritik müssen wir jedoch bei aller Liebe zum Aggregat doch an dem automatisierten 5-Gang-Schaltgetriebe üben. Dies soll laut Prospekt verbrauchsschonender und komfortabler sein. Leider fehlt uns in Sachen Verbrauch der Vergleich zum manuellen Schaltgetriebe, aber puncto Komfort könnten die Ingenieure deutlich nachbessern. In Zeiten, wo automatisierte Schaltgetriebe unbemerkt schalten und man nur Gangwechsel am Drehzahlmesser oder Display mitverfolgt, ist ein deutliches Rucken beim Schaltvorgang nicht mehr ganz State-of-the-Art. Dies verleiht dem Sandero eine eigene Fahrcharakteristik, da er beim Beschleunigen kurz verzögert, hochschaltet und weiter beschleunigt. Beim Kick-down an der Ampel dreht er aber gnadenlos und deutlich hörbar den zweiten Gang bis über die 50 km/h hinaus.

Fahrwerk und Lenkung des Dacia wurden auf Komfort ausgelegt. Der Verbrauch wird mit 5,1 Liter kombiniert angegeben. Wir haben uns im Bereich um die sechs Liter bewegt.

Abschließend kann gesagt werden, dass der Dacia nichts für anspruchsvolle Autofans ist. All jene, die jedoch zum kleinen Preis einen praktischen, mobilen Untersatz als Neuwagen suchen, der sogar Features wie Einparkhilfe und Navi bereithält, sind mit dem Dacia Sandero Stepway gut beraten. Das automatisierte Schaltgetriebe sollte jedoch vorher bei einer Probefahrt auf Gefälligkeit getestet werden.

Was uns gefällt:

Äußerer Auftritt, Preis, Platzangebot im Innenraum

Was uns nicht gefällt:

Getriebe, Platzierung von Fensterheber hinten, Tempomat, Hupe

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 2
Ausstattung Komfort: 2-
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 3
Fahrverhalten: 2
Verarbeitung: 2
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1-
Platzangebot Rückbank: 2-
Kofferraum: 2
Ablagen: 2-
Übersichtlichkeit: 2

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