Testbericht: Ford Fiesta ST Plus

Kölns Kampfzwerg in der Neuauflage reißt nicht nur unsere Köpfe herum. Was der heiße Fiesta ST alles zu bieten hat, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Klein und gemein - diese Assoziation drängt sich allein beim Lesen des technischen Datenblattes unseres Testwagens auf. Da wir jedoch nicht alles glauben, was in den Werbeprospekten zu lesen ist, haben wir uns den Fiesta ST in der Ausstattung ST Plus geholt und können eines gleich vorwegnehmen: Noch mehr Sportlichkeit hat in den vier Metern Gesamtlänge kaum Platz, aber dennoch seinen Preis. 27.400 Euro für die sportlichste Topausstattung verlangt Ford für das Plus an Sportlichkeit. Dass in diesem Betrag 9% NoVA inkludiert sind, nehmen echte Benzinbrüder wahrscheinlich lächelnd in Kauf - immerhin entschädigt so manches Gesicht im Rückspiegel und die gute Laune, sobald man den Kleinen erblickt.

Egal wie schlecht es das Schicksal gerade mit einem meint oder worüber man sich ärgert, kaum sieht man den Fiesta ST mit seinen dezenten, aber im Vergleich zu seinen Brüdern deutlichen schnittigen Details, ist der Alltag zumindest eine Zeit lang sekundär. Das ST-Design betrifft beim Fiesta neben dem Stoßfänger vorne und hinten auch den größeren Dachspoiler. Zum Body-Kit gehören darüber hinaus ein ST-Kühlergrill im Wabendesign, Sportseitenschweller sowie ein Heck-Sportdiffusor mit einer verchromten Doppelauspuffanlage. Diese verschafft dem Kampfzwerg die nötige Aufmerksamkeit seiner Umgebung, sodass nicht nur der Besitzer Freude am satten Sound des Kölners hat. Wer auf das Plus nicht verzichten möchte, sieht zudem auch die roten Bremssättel durch die speziellen 18-Zoll-ST-Design-Felgen blitzen.

Ebenfalls Teil dieser Ausstattung ist das Ford Key-Free-System mit Ford-Power-Startfunktion. Kurz den Knopf gedrückt, und der Ford quittiert den Arbeitsauftrag prompt mit dem Satteln der 200 Rösser, die unter der Haube des 1,2 Tonnen schweren Fiesta nur auf das Startkommando warten. Apropos Startkommando: Just in diesem Augenblick blitzt im Bordcomputer bei den Armaturen der Befehl "Launch Control" auf. Diese ist Teil des Performance-Pakets mit welchem unser Testfahrzeug ebenfalls bestückt wurde, und selbst wenn man diese für den Alltag kaum nutzen wird, ist der Fiesta für spannende Wochenenden auf gesperrten Strecken entsprechend gerüstet. Zu diesem Paket um 1.173 Euro gehören darüber hinaus eine Performance-Schaltempfehlung und ein Quaife-Sperrdifferential.

Noch ein kurzer Blick durch den Innenraum: Alles an seinem Platz. Aufgrund der Fahrzeugbreite sind sämtliche Bedienelemente und sogar das Handschuhfach sehr gut erreichbar. Aluminium-Zierelemente, graue Ziernähte und sportliche Accessoires wie der kürzere Schaltknauf oder Alu-Pedale unterstreichen die dynamischen Attribute. Um sich aber wirklich wie ein Rennfahrer zu fühlen, dürfen zwei Dinge neben der Leistung nicht fehlen: der richtige Sitz und ein echtes Sportfahrwerk. In diesen Punkten haben die Kölner nicht geschlampt. Man merkt hier deutlich die Rallyesporterfahrung, die bei der Entwicklung des neuen Fiesta ST zum Tragen kam.

Die Recaro-Sportsitze mit Leder-Stoff-Polsterung besitzen sogar eine Einstellung für die Lendenwirbelsäule für beide Sitze sowie eine Sitzheizung. Somit wird neben dem nötigen Seitenhalt für die Rennstrecke dem Komfort ein wenig Rechnung getragen. Doch ein echter Langstreckenbegleiter wird der ST Plus trotzdem nur für Hartgesottene werden, denn das ST-Sportfahrwerk mit einer 15 mm Tieferlegung gibt schonungslos jede Bodenwelle an die Wirbelsäule weiter. Trotzdem ist serienmäßig ein Tempomat mit an Bord, wobei in unserem Fall der Geschwindigkeitsbegrenzer mehr Sinn macht.

Ein Vorteil, der sich auf der Rennstrecke oder beim zügigen Kurvenwedeln bemerkbar macht - man spürt genau, was der Kampfzwerg vorhat oder wie man so schön sagt, man fährt ihn mit dem Hintern. Das beste Fahrwerk nützt jedoch nichts, wenn die Lenkung nicht mitspielt. Aber das unten abgeflachte Multifunktionslenkrad sieht nicht nur gut aus, es liegt ebenso gut in der Hand. Als Teil des Winter-Pakets 2 kann es sogar beheizt werden. Das Handling selbst ist straff wie das Fahrwerk und sehr direkt.

Das Highlight ist und bleibt jedoch die Motorisierung. Würde man es nicht wissen, nimmt man dem Ford Fiesta ST in keiner Sekunde ein Dreizylinder-Herz ab. Und dass Ford in dieses trotz 1,5 Liter Hubraum noch 200 Pferde hineinpfercht macht so manchen wirklich sprachlos. 290 Nm maximales Drehmoment, ein knackig zu schaltendes 6-Gang-Schaltgetriebe, dazu ein freches Blubbern im Sport-Modus beim Zurückschalten - Racingherz, was willst du mehr? In 6,5 Sekunden spurtet der Fiesta ST auf 100 km/h, sein Topspeed mit 232 km/h lässt bei uns in Anbetracht der Fahrzeuggröße bzw. des Kampfgewichts ein wenig die Gänsehaut sprießen. Hebt er dann ab? Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht, gehen jedoch davon aus, dass der Hersteller in diesem Punkt ebenfalls nicht geschlampt hat.

Was wir jedoch wissen ist, dass wir viel Freude mit dem ST-Fahrmodus-Schalter hatten, der nur selten im Normal-Modus blieb. Unser bevorzugter Modus war "Sport", in erster Linie wegen des noch besseren Klangs. Immerhin möchte man die Fahrfreude mit seiner Umgebung teilen. Außerdem werden in diesem Modus die Motorsportsinne, sprich das Ansprechverhalten, nochmals nachgeschärft. Für die Rennstrecke gibt es zusätzlich noch den Track-Modus.

Kommen wir nun zu den laufenden Kosten des Fahrspaßes. Bewegt man so wie wir den kleinen Kölner gern im Sport-Modus und lässt die Anleitung zum ökologischen Fahrverhalten mal beiseite, zeigt der Durchschnittsverbrauch etwa 9 Liter Benzin an. Dieser Schnitt geht jedoch deutlich hinunter, wenn man dem Zauber des ST widerstehen kann. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass der Fahrspaß im Fond eher eingeschränkt genossen werden kann, dafür die Ladekapazität mit 303 bis 984 Litern für den kleinen Flitzer durchaus gut dimensioniert ist.

Wem der Sound des Ford Fiesta zu wenig Musik in den Ohren ist, der wird sich über den Klang aus 10 Lautsprechern der B&O-Soundanlage mit Navi und Ford Sync 3 freuen. In dessen 8-Zoll-Touchscreen wird überdies auch das Bild der Rückfahrkamera angezeigt.

Fazit: Selbst wenn der Gesamtfahrzeugpreis für unseren Testwagen mit 30.010 Euro nicht gerade wenig ist, kann ein echter Motorsportfan zum Ford Fiesta ST Plus nur schwer nein sagen.

Was uns gefällt:

Motorperformance, Sport-Modus mit dem Blubb, Racingfeeling

Was uns nicht gefällt:

Man ist dauernd zu schnell ;-)

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 2
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 1