ST200: Der stärkste Ford Fiesta im Test

Zum 40. Geburtstag des Fiesta hat Ford das bislang stärkste Serienmodell präsentiert. Wir verraten in unserem Test, wie viel Spaß der Fiesta ST200 macht.

Im Jahr 2016 hat der Ford Fiesta seinen bereits 40. Geburtstag gefeiert. Grund genug für Ford, den bislang stärksten Fiesta aller Zeiten auf die Räder zu stellen. Die limitierte Sonderedition ist das letzte Highlight der aktuellen Fiesta-Baureihe, die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern.

Zu erkennen ist der Fiesta ST200 an der exklusiven Lackierung in "Storm-Grau", 17"-Alufelgen in Mattschwarz und speziellen Recaro-Sportsitzen. In der Mittelkonsole ist zudem noch eine Plakette "ST200" angebracht, die ebenfalls auf das ganz besondere Fahrzeug hinweist. Preislich startet der stärkste Fiesta aller Zeiten bei 28.300 Euro, bietet dabei aber schon eine Menge an serienmäßig verbauten Highlights. Unter anderem sind LED-Tagfahrlicht, LED-Rückleuchten, die ST-Optik inkl. 17"-Alufelgen, ein Sony Audiosystem, eine Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, die Recaro Sportsitze und das MyKey Schlüsselsystem mit an Bord.

Aufgewertet wurde unser Testfahrzeug noch mit dem Easy-Driver-Paket 1, dem Sony Navi mit Ford SYNC, dem Ford Key Free System, dunkel getönten Scheiben ab der zweiten Reihe, einer Rückfahrkamera, einem Tempomat, einer beheizbaren Frontscheibe und einem auf 2 Höhen einstellbaren Gepäckraumboden. Der Gesamtpreis summiert sich damit auf 31.297,53 Euro, dafür gibt es aber auch ein Auto, das man sicher nicht oft sehen wird.

Sehr gut steht dem Fiesta sein sportlicher Look, der sich auch im Innenraum fortsetzt. Vor allem die wirklich wunderbaren Recaro-Sportsitze fallen dabei ins Auge, die nicht nur optisch einiges hermachen, sondern auch überaus bequem sind und perfekten Seitenhalt bieten. Beim Cockpit selbst merkt man schon, dass der Fiesta in die Jahre gekommen ist. Die Flut an Tasten in der Mittelkonsole zeugt davon, das der Fiesta nicht zu den neuesten Ford-Modellen gehört. Dennoch findet man sich schnell zurecht und erfreut sich an der sehr guten Ausstattung. Der Fiesta bietet auch genügend Ablagen und verwöhnt sogar mit einer Mittelarmlehne zwischen Fahrer und Beifahrer. Keinen Grund zur Klage gibt es bei der Verarbeitung, es wirkt alles sehr solide verbaut, lediglich die Materialanmutung mancher Plastikflächen könnte feiner sein.

Für ein Auto dieser Klasse bietet der Fiesta ein sehr gutes Platzangebot. Vor allem Fahrer und Beifahrer können sich über viel Raum freuen, im Fond wird es natürlich etwas enger. Schon der Zugang zum Fond ist bei dem Dreitürer nur etwas für gelenkige Personen. Hat man sein Ziel mal erreicht, ist es im Fond aber zumindest auch recht gemütlich. Keinen Grund zur Klage gibt es beim Kofferraumvolumen, das mit 295 bis 979 Litern für einen Kleinwagen recht passabel ist. Der auf zwei Ebenen verstellbare Kofferraumboden ist zudem sehr praktisch, da man so selbst entscheiden kann, ob man lieber ohne Ladekante Gegenstände einladen, oder einen tieferen Kofferraum möchte.

Viel wichtiger als Ausstattung und Platzangebot sind beim sportlichsten Modell einer Baureihe aber die technischen Daten. Hier haben die Ford-Techniker wirklich ganze Arbeit geleistet. Aus dem 1,6 Liter-EcoBoost konnten nochmals 18 PS mehr herausgeholt werden, und der ST200 verfügt - wie der Name schon verrät - über 200 PS (147 kW). Auch das maximale Drehmoment konnte um 50 Nm gesteigert werden und liegt bei 290 Nm. Durch eine Overboost-Funktion kann der Motor sogar für rund 20 Sekunden eine Leistung von 215 PS (158 kW) und ein maximales Drehmoment von 320 Nm liefern.

Der Fiesta ST200 bietet also garantiert viel Fahrspaß, was man schon auf den ersten Metern sehr eindrucksvoll feststellen kann. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h vergehen nur 6,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Noch beeindruckender zeigt sich der Fiesta beim Zwischensprint. Der EcoBoost-Motor liefert auch hier beachtliche Fahrleistungen, und der kleine Kraftzwerg nimmt es locker mit deutlich größeren und stärkeren Autos auf. Sehr interessant übersetzt ist dabei das manuelle 6-Gang-Getriebe. Schon bei 50 km/h wird der 5. Gang eingemahnt und kurz darauf auch schon der 6. Gang. Damit bleibt der sportliche Fiesta vor allem im Stadtbetrieb bei normaler Fahrweise extrem sparsam.

Wer die volle Leistung spüren möchte und die Gänge voll ausdreht, kann den zweiten Gang auch bis 80 km/h genießen. Untermalt wird das Ganze von einem eindrucksvollen Sound, dessen Intensität deutlich steigt, je mehr sich der Drehzahlmesser dem roten Bereich nähert. Aber auch wer schon recht sparsam bei 70 km/h im höchsten Gang unterwegs ist, erzielt bei einem beherzten Tritt aufs Gaspedal nochmals wirklich tolle Beschleunigungswerte, ohne runter schalten zu müssen. Um das Spaßpotenzial ausnutzen zu können, ist aber natürlich ein Gangwechsel ratsam.

Zur großen Überraschung bringt der Fiesta die enorme Schubkraft auch gut auf die Straße. Der Fronttriebler verfügt über die aktive Fahrdynamikregelung "Enhanced Torque Vectoring" (ETVC), die für eine optimale Verteilung der Antriebskräfte auf die beiden Vorderräder sorgt. Im Vergleich zum bisherigen Fiesta ST haben die Techniker beim ST200 auch Fahrwerk und Lenkung nochmals sportlicher abgestimmt, wodurch der Fahrspaß weiter verstärkt wird. Der Komfort leidet darunter natürlich ein wenig, denn die Federung ist entsprechend hart ausgefallen, und die nach dem harten Winter zahlreichen Schlaglöcher auf unseren Straßen werden einem deutlich vermittelt.

Überrascht hat der Fiesta ST200 beim Verbrauch. Wer die sportlichen Seiten des Fiesta im täglichen Leben nicht nutzt, wird an die vom Werk angegebenen 6,1 Liter Durchschnittsverbrauch durchaus herankommen. Wir haben natürlich nicht auf den gebotenen Fahrspaß verzichtet und sind im Schnitt auf 7,5 Liter pro 100 Kilometer gekommen.

Wer einen kleinen Spaßmacher sucht, der ist mit dem Fiesta ST200 auf jeden Fall bestens bedient. Das Auto bietet aber nicht nur jede Menge Fahrspaß, es ist auch eine einmalige Chance für alle Ford-Fans, ein ganz besonderes Modell in der Garage zu haben, das preislich nicht durch die Decke schießt. Ein so sportliches Modell zum 40. Geburtstag der Baureihe hat Potenzial, auch in 20 Jahren noch zu begeistern. Eine Rarität wird der ST200 auf jeden Fall sein.

Was uns gefällt:

das Design, der Fahrspaß, die Schaltung, die Sitze, der Motor

Was uns nicht gefällt:

die Sicherheitsausstattung könnte durchaus großzügiger sein

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2-
Kofferraum: 2
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: -2

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