Ford Focus RS mit 350 PS - Testbericht

Fords schnellster RS in der Konzerngeschichte heizt uns an den kühleren Sommertagen ordentlich ein. Was das Feuerzeug alles kann, lesen Sie hier.

Wir sind ja ehrlich: Stehen echte Rennsemmeln wie der Focus RS auf unserem Testwagenplan, mutieren wir von braven Ehemännern und Ehefrauen oder besorgten Familienvätern hin zu jungspundigen Motorsportlern, die sicher genau diese Karriere eingeschlagen hätten, hätte die Familie das nötige Sponsorgeld aufgetrieben. Sie wissen, was wir meinen? Doch die einzige Rennstrecke, die der Focus RS während unserer Testzeit sieht, ist der Red-Bull Ring, und diesen nur vom Parkplatz aus, wobei wir davon überzeugt sind, dass er gerade auf der Piste selbst seine echten Leistungen zeigen hätte können. Vielleicht ein andermal. Hat man 47.350 Euro übrig, so kann man den Kompaktsportler schon sein Eigen nennen. In Anbetracht der gebotenen Leistung auch ps-mäßig wirklich ein exzellenter Preis, der nicht nur die Klientel der Vermögenden anspricht.

Allein der optische Auftritt gilt als klare Kampfansage, wahrscheinlich ebenso für die Hüter der STVO, wobei wir diesmal in kein Planquadrat geraten sind. Wuchtiger Heckspoiler im RS-Design, 235er Reifen auf 19-Zöllern und dieses Blau! Das spezielle Frontdesign mit RS-Lippe sieht zwar gut aus, mahnt jedoch zur Vorsicht bei Garagenein- und -ausfahrten. Nitrous-Blau ist die konkrete Bezeichnung und gehört mit 1.347,54 Euro auf die Optionsliste. Aber bleiben wir noch beim Standardanzug des Kölners. Neben den üblichen Accessoires finden wir hier schon vieles, das auf perfektes sportliches Handling abzielt: Unter anderem Dynamic Torque Vectoring Control, Launch Control, Intelligentes Sicherheitssystem (IPS), Pedalerie im RS-Design, RS-Auspuffanlage und Sportfahrwerk mit individuell einstellbaren Stoßdämpfern.

Damit er auch lange im eigenen Besitz bleibt, gibt es Felgenschlösser, Alarmanlage mit Doppelzentral- verriegelung und elektronische Wegfahrsperre. Wer seiner besseren Hälfte nicht traut, der gibt ihr den Zweitschlüssel des MyKey-Schlüsselsystems, bei der man zum Beispiel die Höchstgeschwindigkeit des RS limitieren kann. Wer den Rallyestyle liebt, freut sich nicht nur über den Driftmodus des Focus RS, sondern auch über den noch manuellen Handanker sprich Handbremse. Auf der Optionsliste wurden bei unserem Testfahrzeug noch Kreuzerl bei den abgedunkelten Scheiben ab der 2. Sitzreihe, der beheizbaren Frontscheibe mit Waschdüsen und dem Parkpilot-System hinten gemacht.

Damit wir uns racingmäßig rundherum wohlfühlen, gibt es noch das Komfort-Paket und das Performance-Paket 1 obendrein, was den Kaufpreis auf 53.537,46 Euro für unser Testfahrzeug festlegt. Zum Komfort-Paket gehört unter anderem das praktische Keyfree-System, eine Rückfahrkamera und der Tempomat inkl. Geschwindigkeitsbegrenzer für das Cruisen auf Autobahnen. Das Performance Paket rüstet den Kompaktsportler mit dem Ford Navigationssystem mit Ford Sync3, speziellen Leichtmetallrädern und RS-Scheibenbremsen vorne und hinten mit blau lackierten Bremssätteln von Brembo auf.

Ebenfalls in diesem Paket inkludiert sind die Recaro-Schalensitze für vorne. Diese ersetzen die längs- und höhenverstellbaren Seriensitze. Zwar bieten diese maximalen Halt aufgrund ihrer starken Konturierung, man hat jedoch ein wenig das Gefühl wie auf einem Stockerl zu sitzen, da die Höhenverstellmöglichkeit wegfällt. Die sportlich dünne Sitzpolsterung leistet ihren Beitrag dazu, dass wir zusätzlich zur harten Fahrwerksabstimmung und den 19-Zoll-Rädern gnadenlos jeden Kieselstein auf der Fahrbahn wahrnehmen. Aber das muss bei einem Sportler eigentlich so sein.

Im Innenraum unterscheidet sich der RS von den anderen Focus-Varianten nicht in Sachen Platzangebot. Bei der Gestaltung hingegen merkt man schon die sportliche DNA. Kleine Rundinstrumente für Öl- und Ladedruck sowie Öltemperatur befinden sich in der Mitte des Armaturenbretts zum Fahrer hin ausgerichtet. Alle Bedienelemente sind übersichtlich und gut erreichbar, wie man es bei einem Racer erwartet. Blaue Ziernähte und RS-Logos auch bei den Einstiegsleisten runden das Interieur ab. Der Kofferraum ist durch den Allradantrieb eingeschränkt. 260 Liter schafft er aber dennoch allemal und kann bis zu 1.045 Liter erweitert werden.

Motorisch besitzt der 2,3 Liter EcoBoost-Turbo des RS die selbe Grundstruktur wie beim Ford Mustang. Jedoch mit 10% mehr Leistung werfen sich beim RS 350 Pferde ins Geschirr und sorgen für Vortrieb ohne Ende. Die 440 Nm Drehmoment stehen nämlich schon ab 2.000 Touren zur Verfügung und werden bei Vollgas durch eine Overboostfunktion des Motors nochmals für 15 Sekunden auf 470 Nm hinaufgeschraubt. Da wird einem schon einmal der Mund trocken, wobei sich das gleich in ein fieses Grinsen verwandelt. Und weil man es nicht glauben kann, dass ein Motor derart viel Schub generieren kann, sucht man sich eine einsame Landstraße, um gleich nochmals das Gefühl zu spüren, wenn sich nach 4,7 Sekunden der Tachometer bei 100 km/h vorbeibewegt. Und ließe man uns auf die Rennstrecke, dann würden wir auch weiter mit ihm Gas geben, aber so trauen wir dem Hersteller, der den Topspeed mit 266 km/h festlegt.

Der Sound des RS muss sich im Gegensatz zur Sony Audioanlage nicht verstecken. Ein sonores Röhren kombiniert mit gelegentlichem Knallen bei höheren Drehzahlen teilt der Umgebung mit, hier kommt etwas Scharfes. Der Ford Performance Allradantrieb bringt die Kraft perfekt auf die Straße. 100-mal pro Sekunde wertet das System die Daten der Sensoren aus!

Vier Fahrmodi von Normal über Sport bis hin zu Rennstrecke und Drift passen sowohl das Ansprechverhalten wie auch Allradsystem, Motorsound, ESC und Lenkung des Focus RS an und ermöglichen damit das individuell optimale Handling des Fahrzeugs. Für die Rennstrecke gedacht, für den Alltag ein spaßiges Gimmick ist die Launch-Control, die für eine optimale Beschleunigung aus dem Stand sorgt. Damit ist der Sieg beim Ampelsprint unser. Das 6-Gang-Schaltgetriebe lässt knackig präzise Gangwechsel zu. Die Lenkung vermittelt stets das optimale Feedback, lediglich der Lenkeinschlag kam uns gering vor. Der Blick auf die Daten zeigt: 11,9 m Wendekreis. Immerhin hat der normale Focus 1,10 m weniger.

Mit unserem Testverbrauch von 11 Litern liegen wir deutlich über dem angegebenen Normverbrauch von 7,7 Litern. Hier wäre sicher weniger möglich, aber wenn das Gasgeben derart viel Spaß macht, bleibt der Durst nicht aus.

Insgesamt weiß der Focus RS Freunde der Kompaktsportler sicher zu begeistern. Die Gesamtperformance von Motor-Getriebe-Fahrwerk passt, und der Preis dafür ist mehr als angemessen. Vielleicht kalkuliert Ford hier die eventuellen Bußgelder schon ein? Wir wissen es nicht…

Was uns gefällt:

Viel Spaßfaktor zum relativ "kleinen" Preis, Motorperformance, Allradantrieb, Racingfeatures

Was uns nicht gefällt:

Keine Höhenverstellmöglichkeit der Recaro-Sitze, großer Wendekreis, Sony-Soundanlage fehlen Bass und Tiefe

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 3
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2-
Kofferraum: 1-
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 1-

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