Ford Focus ST 2,3 EcoBoost 280 PS - Testbericht

Nicht rot, sondern Performance-blau ist er, geht dennoch wie die Feuerwehr und lässt nichts anbrennen. Alles über den Focus ST lesen Sie hier.

2017 testeten wir den Focus RS, damals der flotteste Kompaktsportler von Ford. Doch der RS ist Geschichte. Seither geht das gesamte Racing-Know How in den ST. Auch in der aktuellen Modellreihe des Focus darf der ST nicht fehlen. Wir haben uns den Kompaktsportler für Sie näher angesehen.

Der optische Auftritt des ST ist trotz Styling-Paket nur dezent auf Racing getrimmt. Der größere Dachspoiler ist das auffälligste Merkmal neben dem ST-Body-Styling Kit mit Sport-Stoßfängern, Heckdiffusor und Seitenschwellern.

Die rot-lackierten Bremssättel stechen zwischen den 5x2-19 Zoll-Speichenfelgen in Magnetite Premiumlackierung hervor. Mit den 235er-Reifen und dem ST-Sportfahrwerk liegt der Focus satt auf der Straße. Mit knapp über 40.000,- Euro ist man hier dabei.

In der Serienausstattung sind zusätzlich unter anderem ein Vorderachs-Sperrdifferential, ST-Fahrerinformationssystem mit Bordcomputer, Navi mit Ford Sync 3, Zwei-Zonenklimaanlage sowie Recaro- Sportsitze inkludiert.

Der Zugang zum neuen Focus ST erfolgt natürlich keyless. Die Recaro Sportsitze machen ihrem Namen alle Ehre. Feste Polsterung mit ordentlich Seitenhalt, so wie man es aus dem Motorsport gewöhnt ist.

Für den Komfort gibt es eine einstellbare Lendenwirbelstütze und elektrische Verstellmöglichkeiten des Fahrersitzes. Dank unseres Winter-Pakets können sie, genauso wie das Lederlenkrad und die Frontscheibe, beheizt werden.

Spätestens nach dem Betätigen des Startknopfs und den ersten Kilometern stellt sich beim ST eines ganz klar heraus: Trotz der Möglichkeit, ein Family-Paket zu ordern, ist der Ford nur für leidenschaftliche Motorsportler ein echtes Alltagsauto.

Lenkung, Fahrwerk, Ansprechverhalten…nicht nur ein Mal haben wir die Einstellung des Fahrmodus-Schalters überprüft, doch auch im „Normal“- Modus peppelt der Focus bretthart über den Asphalt, und das obwohl wir mit interaktivem Fahrwerkssystem mit elektronischer Dämpferregelung und Schlaglocherkennung unterwegs sind.

Die Lenkung zeigt sich sehr direkt, ähnelt aber in ihrem Widerstand wiederum einem Rallyeauto mehr als einem Alltagsgefährt, und auch der Motorensound sowie das Ansprechverhalten des Gaspedals haben nichts mit normal zu tun.

Eher schon mit Sport. Wobei unser ST noch zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten für „rutschig“, also schlechte Witterungsbedingungen, und „Rennstrecke“ bietet. Letzteres überdies das echte Zuhause für den Ford unserer Ansicht nach.

Neben dem Winter-Paket, wurde unser Testfocus mit dem Design Paket 4, das neben den dunkel getönten Scheiben ab der B-Säule und LED-Scheinwerfern mit Fernlichtassistent, sequenzielle LED-Blinker und LED-Rückleuchten beinhaltet, ausgerüstet.

Mit dem Easy-Parking-Paket stattet Ford den ST zusätzlich zu Parksensoren vorne und hinten und einer Split-View-Kamera auch mit einem aktiven Parkassistenten aus, der den ST gekonnt in die Parklücke manövriert.

Wie gesagt, bereits mit der Grundausstattung ist unser Focus ST eine echte Feuerwehr. Richtig heiß sind aber noch die letzten beiden Pakete, die in der Zusatzausstattung angekreuzt wurden: Das Technologie- wie auch das Performancepaket dürfen bei echten Motorsportfans auf keinen Fall fehlen! Zusammen mit der Lackierung und dem Head-Up-Display landen wir so bei einem Endpreis von 46.999,01 Euro für unseren Kompaktsportler.

Einige Features des Performance-Pakets, wie Fahrwerk und Bremssättel oder der zusätzliche Rennstreckenmodus, wurden bereits erwähnt. Doch was nützt der beste Rennstreckenmodus, wäre nicht auch eine Launch-Control dabei. Diese hebt das Drehmoment im 1. Gang an, um einen optimalen Start zu ermöglichen.

Damit der ST seine Kraft auch entsprechend auf die Straße bringt, wurde ein elektronisches Vorderachs-Sperrdifferential verbaut, das bei Bedarf bis zu 100 % der Antriebsleistung auf jenes Rad mit der besseren Traktion legt.

So soll das Durchdrehen der Räder minimiert werden, und der ST zeigt so auch eine bessere Performance beim Kurvenräubern.

Ebenfalls Teil des Performance-Pakets ist die eingebaute Zwischengasfunktion, die getriebeschonender ebenfalls bei sportlicheren Ausfahrten Sinn macht.

Den richtigen Schaltzeitpunkt beim 6-Gang-getriebe zeigt überdies im Drehzahlmesser ein blinkendes ST-Symbol an. Derzeit ist der ST noch nicht mit einem Automatikgetriebe erhältlich.

Damit treibt man die 280 Pferde, die in unserem 2,3 l-Turbo-Benziner versammelt sind, richtig voran. Obwohl der RS damals um 70 PS  noch mehr Leistung ablieferte, unterscheidet sich das Drehmoment von damals auf heute nur um 20 Nm.

420 Nm sind es nun, die der ST zwischen 3.000 und 4.000 Umdrehungen besitzt. So sprintet er in 5,7 Sekunden auf 100 km/h, und mit 250 km/h Spitze müsste man sich mit ihm auch nicht auf der Rennstrecke verstecken.

Das gesamte Kraftpaket, das im ST schlummert, ist für den Alltag fast zu brachial. Richtig giftig schnalzt die Kupplung, und die Power zerrt an der Lenkung. Das macht ungemein Spaß für gewisse Stunden, jedoch weniger für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder zum Supermarkt.

Wobei der Focus sogar das könnte, wenn man es möchte. Die gerade Rückbank bietet Platz für bis zu drei weitere Benzinbrüder oder -schwestern. Probleme mit der Beinfreiheit gibt es nur bei langbeinigen Fahrern. Das Kofferraumvolumen liegt für den ST zwischen 341 Litern und 1.354 Litern und damit im Durchschnitt der Kompaktklasse.

Unser Technologie-Paket beinhaltet für den Focus erweiterte Assistenzsysteme wie den adaptiven Tempomat mit Verkehrsschilderkennung, Distanzwarner, Ausweichassistent, Falschfahrer-Warnfunktion und Müdigkeitswarner.

Ganz wie es sich für einen Sportler gehört, labt sich unser ST nur an Sprudel der höheren Oktanzahl. 98 ROZ dürfen es da schon sein. Doch wer sich für so ein Fahrzeug entscheidet, weiß, dass der Verbrauch eine untergeordnete Rolle spielt. Daher wundern wir uns nicht, dass wir nicht einmal annähernd an den Durchschnittswert von 8,2 Litern kommen.

Schuld daran ist sicherlich der ST selbst, nicht unser Fahrstil, denn würde er nicht so unverschämt gut gehen, würden uns sein Zwischengas und der Motorsound kein Lächeln ins Gesicht zaubern, dann würden wir vielleicht, aber nur vielleicht, auch „normal“ fahren. Aber wer echte Rennmaschinen kennt, der weiß, zweistellig darf´s beim Verbrauch schon mal sein, und knapp 12 Liter sind den Spaß sicher wert.

Was uns gefällt:

Fahrwerk, Performance, Sportsitze, Design, Ausstattung, Fahrspaß

Was uns nicht gefällt:

zu viel Racing für den Alltag, derzeit kein Allrad und keine Automatik verfügbar

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 2
Verbrauch: 2-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 2
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1