Ford Focus ST - Testbericht

Der neue Ford Focus ST soll die praktischen Seiten eines Kompaktwagens mit dem dynamischen Auftritt eines Sportwagens kombinieren. Unser Test verrät, ob er das schafft.

Das Kürzel "ST" steht bei Ford seit einigen Fahrzeuggenerationen für die besonders sportlichen Modelle der jeweiligen Baureihe. Beim neuen Focus bedeutet der Zusatz "ST" eine Leistung von 250 PS, sowie eine Optik die schon im Stand zeigt, dass aus dem braven Kompaktwagen ein Sportler geworden ist.

Erstmals gibt es den ST auch als praktischen Traveller, für unseren Test haben wir aber das klassische Modell, den 5-türigen Hatchback, vorgezogen. Bereits ab 32.600 Euro startet der sportliche Kompaktwagen mit seinem 2,0 Liter EcoBoost Motor, der eine Leistung von 250 PS zur Verfügung stellt. Außen erkennt man das sportliche Focus-Modell an den ST-Schriftzügen, einer geänderten Front- und Heckschürze sowie den Seitenschwellern.

Das ohnedies schon sehr dynamische Kinetic-Design der neuen Ford-Modelle wird beim ST nochmals betont und wirkt wie aus einem Guss. Am Heck lenkt dann der mittig platzierte Sportauspuff die Blicke der Passanten auf sich.

Auch der Innenraum kann mit einigen ST-Schriftzügen, dem besonders sportlichen ST-Lederlenkrad, geänderten Tachoanzeigen und Zusatzanzeigen für Ladedruck, Öltemperatur und Öldruck den dynamischen Außenauftritt fortsetzen.

Neben den serienmäßigen Zutaten kann man den ST natürlich auch noch mit jeder Menge Extras aufrüsten. Unser Testfahrzeug verfügte unter anderem noch über das Sony Navigationssystem, den Heckspoiler im ST-Design, 18"-Leichtmetallfelgen mit rotem Bremssattel, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, das Fahrer-Assistenz-Paket, das ST-Komfort Paket und das ST-Paket 2, welches unter anderem die Recaro-Sportledersitze, eine 2-Zonen-Klimaautomatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und die LED-Rückleuchten beinhaltet.

Der Gesamtpreis des in dem wunderbaren Spirit Blue gehaltenen Focus ST klettert damit auf 41.450,95 Euro.

Dafür ist der Focus ST dann ein echter Eyecatcher, der die Blicke der Passanten auf sich zieht. Der sportlich gestaltete Innenraum gefällt auch durch seine gute Verarbeitung und die hochwertige Materialwahl. Besonders lobenswert müssen die Recaro-Sportsitze erwähnt werden, die wirklich optimalen Halt bieten und äußerst bequem sind. Durch die großzügige Auslegung des Gestühls gehen jedoch ein paar Millimeter Beinfreiheit im Fond verloren, dennoch bietet der Focus für ein so sportliches Modell ein gutes Platzangebot.

Der Kofferraum fasst bei Unterbringung des Reifen-Reparatur-Sets 363 Liter und liegt damit im Schnitt seiner Klasse. Durch Umklappen der Rücksitze können sogar bis zu 1.148 Liter befördert werden.

Wer sich einen solch sportlichen Kompaktwagen anlacht, legt meist aber viel mehr Wert auf die Fahrleistungen, wohl eine der Paradedisziplinen des Focus ST.

Schon vor dem Start weist die Bordcomputer-Anzeige mittels ST-Logo darauf hin, in welch besonderem Fahrzeug man sitzt. Per Knopfdruck wird dann der 2,0 Liter EcoBoost Turbomotor zum Leben erweckt, dessen Sound jedem Autofan sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Mit einer Leistung von 250 PS (184 kW) kann der Focus ST aber nicht nur soundtechnisch überzeugen, sondern auch bei den Fahrleistungen.

Der Motor liefert sein maximales Drehmoment von 360 Nm zwischen 2.000 und 4.500 U/Min. So hat man gleich zum Start enorme Kräfte zur Verfügung und kann auch bei niedriger Geschwindigkeit in hohen Gängen noch locker Beschleunigungswerte erzielen, bei denen oft noch stärkere Autos das Nachsehen haben.

In nur 6,5 Sekunden sprintet der 435,8 cm lange Focus von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 248 km/h. Untermalt wird das Ganze in höheren Drehzahlregionen von dem feinen Sound des Turbos.

Auch wenn Fahrwerk und Federung den sportlichen Fahrleistungen angepasst wurden, ist man noch immer sehr komfortabel unterwegs. Dennoch klebt der Focus förmlich auf der Straße und übertrumpft das ohnedies schon geniale Serienfahrwerk nochmals um einiges. Das Sportfahrwerk und die sportlichen Federn sorgen für eine perfekte Straßenlage, im Vergleich zum Serien-Focus ist der ST auch um zehn Millimeter niedriger. Eine elektronisch gesteuerte Differenzialsperre "TVC" sowie das CUSC-System (Cornering Under Steer Control) beeinflussen gemeinsam mit der neu kalibrierten elektrischen Servolenkung "EPAS" die Fahreigenschaften zusätzlich noch positiv.

Durch die perfekte Abstimmung aller Systeme kann der Focus trotz Frontantrieb die Leistung perfekt auf die Straße bringen. So lassen sich mit dem Focus ST Kurvengeschwindigkeiten realisieren, die man sonst nur mit reinrassigen Sportautos erreicht.

Auf die Leistung des Focus abgestuft wurde auch die leicht gängige 6-Gang-Schaltung, die hervorragend zu dem sportlichen Ford passt. Die Gänge verfügen über ein sehr weites Spektrum, so kann man bei 50 km/h schon im 5. Gang unterwegs sein, oder noch bei 140 km/h im 3. Gang die volle Leistung des Focus ST auskosten.

Trotz aller Sportlichkeit bleibt die Alltagstauglichkeit nicht auf der Strecke. Man kann mit dem Focus ST auch ganz gemütlich dahin gleiten, wie mit jedem anderen Focus auch. Erst mit einem beherzten Tritt aufs Gaspedal erweckt man das Raubtier im RS und erlebt die ungezügelte Leistung des EcoBoost Motors.

Das Faszinierende dabei ist, dass der Focus beide Aufgaben mit einer Souveränität erledigt, dass man in jeder Situation glaubt, er wurde genau für diese Aufgabe gebaut. Wer einen Sportwagen möchte, findet ebenso Gefallen am Focus wie der Familienvater, der ein gemütliches Fahrzeug sucht.

Eine erfreuliche Nebenerscheinung ist auch der Verbrauch des Focus ST. Die 7,2 Liter, die er laut Werk erreichen sollte, sind aber nur realistisch, wenn man auf den Fahrspaß, den der ST bietet, verzichtet - wer diese erreicht, braucht garantiert keinen ST. Wir haben die Leistung des ST durchaus ausgekostet und sind im Schnitt mit 9,2 Liter pro 100 Kilometer über die Runden gekommen, ein Wert, der für ein Auto dieser Leistungsklasse durchaus in Ordnung ist und unter dem Wert vergleichbarer Mitbewerber liegt.

Der Focus ST ist auf jeden Fall einer der vielseitigsten Spaßmacher, die man derzeit kaufen kann. Er verbindet die praktischen Seiten eines Kompaktwagens perfekt mit den dynamischen Attributen, die ein Sportwagen bietet. Dabei erfüllt er beide Aufgaben, ohne dass der Fahrer Kompromisse eingehen muss.

Eine Top-Ausstattung und die überaus bequemen Sportsitze runden den positiven Gesamteindruck weiter ab. Hinzu kommen noch ein sehr faires Preis/Leistungsverhältnis und ein überaus sportlicher Auftritt beim Design.

Was uns gefällt:

die Recaro Sportsitze, die Leistung und das Durchzugsvermögen, das Fahrwerk, die Vielseitigkeit

Was uns nicht gefällt:

die vielen Knöpfe an Lenkrad und Mittelkonsole, die eine längere Eingewöhnung erfordern

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2-
Kofferraum: 1-
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 1

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