Honda CR-V 4WD 1.6 i-DTEC - Testbericht

Der Honda CR-V geht in die vierte Auflage. Seine neue Neun-Gang-Automatik hat unser Interesse geweckt. Ob uns der Japaner als Gesamtpaket überzeugt, lesen Sie hier.

Als einem der meistverkauften SUV's weltweit entschloss man sich bei Honda, dem CR-V im Modelljahr 2015 nicht nur einen neuen Dieselmotor zu spendieren, sondern ihn erstmals auch mit einer Neun-Gang-Automatik aufzurüsten. Grund genug, uns den CR-V in dieser Kombination einmal genauer anzusehen.

Bereits von außen wirkt das Styling der Neuauflage frisch und attraktiv. Bulliges Auftreten, stimmige Proportionen und eine durchaus gefällige Frontansicht mit Halogenscheinwerfern und LED-Tagfahrlicht geben dem Honda ein gewisses Maß an optischer Eigenständigkeit. Besonders fesch machen sich an unserem Testfahrzeug die 18-Zoll-Räder mit einer Reifendimension von 225/60 R18.

Executive heißt die hier präsentierte Modellvariante, die wahrlich nicht an Details spart. Unter anderem finden sich in dieser als besondere Highlights das Honda Connect-System mit Navigation, eine Lederinnenausstattung, schlüsselloser Zugang mit Startknopf, ein riesiges Panoramaglasdach mit Sonnenschutz und eine elektrische Heckklappe sowie weitere Sicherheits- und Komfortfeatures. Zu diesen zählen z.B. eine Bergan- und -abfahrhilfe, Kurvenlicht, City-Notbremsassistent und ein Kurvenstabilitätsprogramm. In dieser Modellvariante kostet der CR-V 45.430 Euro.

Knappe 2.500 Euro mehr muss man auf den Tisch blättern, möchte man ihm noch ein paar Extras angedeihen lassen. Da wäre zunächst, wie könnte es anderes sein, die Metallic-Lackierung zu nennen. Diese hält sich mit 588 Euro jedoch dezent im Hintergrund. Den größeren Anteil des Aufpreises macht das "Honda Sensing"-Package aus, welches mit 1.896 Euro auf den ersten Blick etwas happig erscheint. Auf den zweiten Blick, sprich in der Praxis, ist das Package jeden Cent wert. Wir werden gleich erklären, warum.

In den letzten Jahren gehören elektronische Assistenzsysteme zum guten Ton in der Fahrzeugbranche, sind aber in der Realität Fluch und Segen zugleich. Klar helfen sie, wo der Mensch in seiner Reaktion vielleicht zu langsam sein könnte, aber oft nerven sie einfach nur, indem sie die ihnen zugeführten Daten falsch auswerten und dann piepsen oder blinken, wo sie einfach nicht sollen. Was oft dazu führt, dass man sie dann einfach abschaltet (sofern einem dies möglich ist).

Während unserer Testzeit mit dem CR-V hatten wir durchgehend das Gefühl, dass diese Helferlein wirklich dazu gedacht sind, den Fahrer zu unterstützen ohne ihn zu bevormunden. Es gab keinerlei Fehlalarme. Im Gegenteil, die Kombination eines intelligenten Tempomat (radargestützt) mit dem Spurhalteassistent, der mit dezenten Lenkkorrekturen sogar auf Kurven bei Autobahnen die Spur hält, erkennt rechtzeitig einscherende Fahrzeuge und reduziert passend dazu die Geschwindigkeit. Dies ist vor allem für jene Fahrer praktisch, die das Fahren bei Nacht nicht so schätzen. Jetzt können sie sich wirklich entspannt auf das Straßengeschehen konzentrieren. Der CR-V führt leichte Lenkkorrekturen oder Geschwindigkeitsanpassungen zum voranfahrenden Fahrzeug selbst durch.

Wer jedoch glaubt, er kann die Hände einfach in den Schoß legen, irrt, denn das merkt der Honda sofort. Er warnt dann per Leuchtsignal im Bordcomputer, dass man gefälligst seine Hände doch wieder auf das Steuer legen sollte. Insgesamt umfasst Honda Sensing sieben Assistenten, deren Abkürzungen ein Lexikon füllen. Kurz gesagt warnt der Kompakt-SUV auf Wunsch vor querenden Fahrzeugen, vor einem Frontalaufprall, zeigt die Verkehrszeichen an und informiert über Fahrzeuge im toten Winkel. Was möchte man mehr?

Wunschlos glücklich ist man auch im Innenraum. Der CR-V geizt nicht mit Platz für alle Insassen, schützt mit dunklen Scheiben vor neugierigen Blicken und bietet innovative Stauraumlösungen, wie unter der Mittelarmlehne vorne, die längsverschiebbar ist, aber im geräumigen Fach neben zwei USB- und einem HDMI-Anschluss sogar eine Steckdose besitzt. Neu ist ebenso der geteilte Bordcomputer, dessen Konfiguration nach eigenen Vorstellungen keine Wünsche offen lässt, aber zu Beginn einiges an Zeit benötigt. Der große mittig in der Armaturentafel positionierte Tachometer beherbergt in seiner Mitte die unmittelbar wichtigen Infos für den Fahrer, wie zum Beispiel die aktiven Assistenten. In der Zentralkonsole befindet sich oberhalb des Navidisplays, welches durch seine gute Auflösung perfekt ablesbar ist, sozusagen der Infoteil des Bordcomputers in Farbe. Hier können Fahrzeit, Reichweite, Radiosender und dergleichen angezeigt werden.

Nachdem sich die Steuerungen von Tempomat, Abstandwarner, beider Bordcomputerdisplays sowie der Multimediaanlage samt Handy allesamt auf dem Lenkrad befinden, braucht es eine kurze Eingewöhnungszeit, um bei Tastendruck auch die richtige Info angezeigt zu bekommen. Dafür sind sämtliche Bedienelemente am Lenkrad bei Dunkelheit beleuchtet. Interessant ist, dass wir während unserer Testzeit keine Möglichkeit gefunden haben, das Radio per Tastendruck am Lenkrad auf Stumm zu schalten. Über das Navidisplay ist dies aber recht schnell möglich.

Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen von 589 bis zu 1.669 Litern gut dimensioniert. Mit umgelegter Rückbank ist bei einer Ladelänge von etwa 1,5 m ein Transport von zwei Fahrrädern keine Schwierigkeit.

Honda bringt im neuen CR-V ein neues Dieselaggregat mit 1,6 Litern Hubraum zum Einsatz. Dieses ersetzt den alten 2,2 Liter i-DTEC und besitzt nun zwei Turbolader. Außerdem entspricht es bereits der Euro-6b-Norm. Im Fahrbetrieb spürt man sehr deutlich das Gesamtpaket des 160 PS-Motors mit dem Neun-Gang-Automatikgetriebe, welches sich - wenn man möchte - über Schaltpaddels steuern lässt. Antritt sowie Kraftentfaltung sind agil und bis in den hohen Drehzahlbereich linear. Der CR-V reagiert spontan auf das kleinste Zecherlzucken im Gasfuß.

350 Nm liefert der Kompakt-SUV bereits ab 2.000 Umdrehungen. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in exakt 10 Sekunden trotz eines Eigengewichts von 1.718 kg. Dank des Allradantriebs ist der Japaner ein idealer Begleiter abseits befestigten Geländes, beziehungsweise ein Freund von widrigen Straßenverhältnissen. Der Allradantrieb wird aber ebenfalls elektronisch gesteuert und bietet keine Abschaltmöglichkeit bzw. Sperre.

Obwohl das Fahrwerk des CR-V auf Komfort ausgelegt wurde, empfinden wir das Lenkverhalten deutlich straffer und direkter. Sein Verbrauch während der Testzeit bewegte sich um 6,5 bis 7,2 Liter. Damit ist er zwar kein Spritsparwunder, aber im Rahmen seiner Klasse. Insgesamt hat uns der neue CR-V in dieser Zusammensetzung überzeugt. Er bietet nicht nur Komfort, sondern auch Sicherheit und Fahrspaß.

Was uns gefällt:

Motor-Getriebe-Abstimmung, Honda-Sensing, Innenraumoptik

Was uns nicht gefällt:

Tastenflut am Lenkrad, Bordcomputerkonfiguration erfordert etwas Gewöhnungszeit

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1-
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 2-

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