Jaguar XF 3.0 V6 Diesel S Premium Luxury - Testbericht

Der neue V6 Bi-Turbodiesel verwandelt den XF in einen sparsamen Sportwagen, Top-Ausstattung & Verarbeitung machen ihn zum Herausforderer in seiner Klasse.

Mit der Präsentation des Jaguar XF blieb in Sachen Design beim britischen Nobelhersteller kein Stein auf dem anderen. Ian Callum hat ein Auto auf die Räder gestellt, das Staunen hervorrief. Traditionalisten fühlten sich zwar vor den Kopf gestoßen, die absolute Mehrheit empfing den XF aber mit Applaus. Weg mit den verstaubten und schweren Holzvertäfelungen im Innenraum, das Alu-Zeitalter hat Einzug gehalten. Alleine der Drehwahlschalter für das Automatikgetriebe - der beim Starten der Raubkatze langsam aus seinem Versteck gleitet - hat einen Desgin-Oscar verdient. Beim Exterieur nimmt der XF Anleihen an Aston Martin, wo Mr. Callum ja früher auch tätig war. Die deutsche Premium-Konkurrenz von Mercedes, Audi und BMW sieht plötzlich alt aus - und das neben einem Jaguar!

Im Vorjahr hatten wir den Wirbelwind XF Supercharged im ausführlichen Test, vor einigen Monaten hat Jaguar die gesamte Motorenpalette kräftig umgekrempelt - Grund genug, den neuen Top-Diesel näher zu begutachten. Bisher leistete der aus einer Kooperation mit dem PSA-Konzern entsprungene Selbstzünder 207 PS aus 2,7 Litern Hubraum Dienst im XF, nun ist es ein Dreiliter-V6 in zwei Ausbaustufen. Die Basis bringt es auf 240 PS und überflügelt den Vorgänger bereits deutlich; neues Diesel-Topmodell ist der XF 3,0D V6 mit dem Zusatz "S".

Mit 275 PS gibt er in der Liga der potenten Selbstzünder den Ton an, die Beschleunigung von 6,4 Sekunden auf Tempo 100 km/h liegt auf Sportwagen-Niveau. Dank des gewaltigen Drehmoments von 600 Nm setzt die Katze ohne lange Vorankündigung zum Sprung an, die Sechsgang-Automatik harmoniert hervorragend.

Wer die komplette Power des XF spüren möchte, der kann auf den Dynamic-Mode wechseln und sogar leichte Drifts hinlegen, was vor nicht allzu langer Zeit für einen Jaguar-Fahrer absolut verpönt gewesen wäre, nun aber - auf abgesperrter Strecke - durchaus salonfähig ist. Die Gänge können dann auch mit den Wippen am Lenkrad gewechselt werden, dank der äußerst kurzen Schaltzeiten - man erreicht rein subjektiv fast das Niveau eines Doppelkupplungsgetriebes - macht auch das großen Spaß.

Mindestens ebenso fein sind Laufruhe und Geräuschdämmung. Jene Skeptiker, die über einen Dieselmotor in einem Jaguar "not amused" sind, mögen das selbst überprüfen. Der Druck auf den Startknopf - ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem ist beim XF serienmäßig - erweckt den Sechszylinder zum Leben, außer einem leisen Säuseln hört man davon aber gar nichts. Ein sanfter Druck auf das Gaspedal, noch immer kein Dieselnageln - und so bleibt es auch. Wer einen Blitzstart hinlegt, hört bestenfalls noch die Hinterreifen um Traktion winseln, die Elektronik greift aber schnell ein und verteilt nur soviel Kraft, wie die Gummis auch umzusetzen imstande sind. Die Beschleunigung ist äußerst beeindruckend, dank doppelter Turboaufladung ist die Power sowohl bei niedrigen als auch bei höheren Drehzahlen enorm. Ab 2.800 U/min schaltet sich übrigens der zweite Lader zu; in der Praxis bedeutet dies eine homogene Kraftentfaltung über das gesamte Drehzahlband.

So weit, so gut, doch wie macht sich dieser zweifellos große Fahrspaß an der Tankstelle bemerkbar? Wir können Entwarnung geben, auch wenn wir - wenig überraschend - die Werksangabe von 6,8 Litern auf 100 km aufgrund des großen Fahrspaßes nicht erreichen konnten. Werte zwischen acht und neun Litern sind mehr als respektabel für diese Fahrleistungen, der Powerdiesel ist die Idealbesetzung für den XF.

Zugegeben, der Fünfliter-V8 Supercharged mit 510 PS und einer Beschleunigung von 4,9 Sekunden auf Tempo 100 km/h hat auch seinen Reiz - da er aber in etwa doppelt so oft die Tankstelle ansteuern muss, hat er auf längeren Etappen eindeutig das Nachsehen. Was die Ausstattung betrifft, so ist man in allen XF-Modellen bestens aufgehoben, vieles was bei der deutschen Konkurrenz mit Ringen, Stern und Propeller happige Aufpreise kostet, hat die Raubkatze serienmäßig eingebaut. Ein kleiner Auszug: Lederpolsterung, 18 Zoll Alufelgen, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, elektrische Sitzverstellung, Keyless-Start uvm.

Sonderangebot ist der Jaguar XF zwar keines, das Preis-/Leistungs-Verhältnis kann sich aber durchaus sehen lassen. Die Preisliste beginnt bei 55.900 Euro für den 240 PS starken Diesel in Luxury-Ausstattung und endet bei 107.000 Euro für den erwähnten V8 Supercharged. Unser Testwagen lag preislich in der Mitte: Der 3,0 Diesel S "Premium Luxury" hat einen Grundpreis von 65.640 Euro; ergänzt um 19-Zoll Leichtmetallfelgen, Bi-Xenon-Scheinwerfer, ein (leider etwas unzuverlässiges) DVD-Navi und Metallic-Lack kommt man auf 71.261 Euro.

Testurteil:

Plus: sehr kräftiger und sparsamer Motor; üppige Serienausstattung; hohes Verarbeitungs-Niveau; gelungenes Styling

Minus: unzuverlässiges Navigations-System

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 1
Bedienung: 2
Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Sicherheitsausstattung: 1

Resümee: Mit dem Jaguar XF hat man in der gehobenen Mittelklasse zur vorwiegend deutschen Konkurrenz aufgeschlossen. Jetzt müssen es die Händler nur noch schaffen, die potenzielle Kundschaft ins Auto zu setzen - denn wer einmal im XF Platz genommen hat und ihn gefahren ist, der könnte schnell seinem modernen Charme erliegen.

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