Testbericht: Kia Niro Plug-in Hybrid

Kia setzt mit seinem Niro auf alternative Antriebssysteme. Nach dem reinen Elektromodell haben wir nun den Plug-in Hybrid zum Test geladen.

Der Plug-in sieht sich als Mittelstück zwischen dem reinen Niro Hybrid und dem e-Niro. Rein elektrisch kann mit ihm laut Hersteller eine Strecke von 58 km zurückgelegt werden. Dass diese Angabe auf verschiedenen Voraussetzungen beruht, ist selbstverständlich. Trotzdem reicht die Kapazität des Elektromotors für innerstädtische Kurzstrecken, und dank des Plug-in Systems kann man den Shopping-Stop zum Laden zwischendurch gut nutzen. An der Haushaltssteckdose dauert es zwar deutlich länger, aber im Gegensatz zum reinen Batterie-Niro hat man ja noch den Benzinmotor für Notfälle und damit keinen Ladestress.

Werden die Distanzen länger, wie zum Beispiel für Urlaubsfahrten, so erhält sich der Niro zwar minimal mit der Energierückgewinnung, sinkt aber auf bis zu 8 % Batteriekapazität herab. Nun kommt das Herzstück, der 1,6 Liter Benzinmotor, der zum System 105 PS beisteuert, zum Tragen. In Kombination mit dem 61 PS starken Elektromotor kommt unser Testfahrzeug damit auf eine Systemleistung von 141 PS.

Preislich startet der Kia Niro Plug-in-Hybrid bei 35.490 Euro in der kleinsten Ausstattung Titan. Diese bietet aber durchaus schon zahlreiche tolle Features, die normalerweise nicht im Mittelklassebereich zu finden bzw. nur als Option erhältlich sind. Dazu gehören unter anderem der adaptive Tempomat mit Stop&Go-Funktion, Notbremssystem mit Fußgängererkennung, Rückfahrkamera und vieles mehr. Unser Testfahrzeug wurde in Platin, also mit der Topausstattung, veredelt. Derart ausstaffiert, klopft unser Kia bereits bei den Premiumherstellern an, zumal selbst die Verarbeitungsqualität bei den verwendeten Materialien keinerlei Grund zum Meckern gibt.

Auch beim Interieur fällt uns nichts ein, das wir vermissen würden. Keyless Entry und Start per Startknopf gehören bei den Kia Fahrzeugen ohnehin zum guten Ton. Der achtfach elektrisch verstellbare Fahrersitz fährt beim Tür Öffnen bzw. beim Abstellen des Fahrzeuges automatisch zurück, um das Aus- und Einsteigen noch komfortabler zu gestalten. Zwei Fahrersitzeinstellungen können ebenfalls programmiert werden. Die Echtledersitze bieten einen ausgezeichneten Komfort, sind angenehm gepolstert, sodass man mit dem Niro problemlos lange Distanzen zurücklegen kann. Für die optimale Sitzhaltung sorgt die zweifach elektrisch verstellbare Lordosestütze. Eine dreistufige Sitzheizung sowie Sitzlüftung für Fahrer und Beifahrer wärmt im Winter schneller als die Heizung den Innenraum und lässt uns im Sommer nahezu knitterfrei an unser Ziel kommen. Besonders Frauen mit kalten Händen werden die Lenkradheizung bald nicht mehr missen wollen.

Alle Bedienelemente dafür finden sich in der Mittelkonsole. Dadurch bleibt der Innenraum sehr übersichtlich. Intuitiv findet man sich rasch zurecht, und wenn man mal nicht suchen möchte, nimmt man die Sprachsteuerung in Anspruch. So einfach geht das. Das Multifunktionslenkrad hat neben der Audio- und der Steuerung für den adaptiven Tempomat auch die Bedienung des Supervision- Clusters, dem Bordcomputer mit 7-Zoll TFT-Farbdisplay, über. Dieses zeigt wirklich alle interessanten Informationen sehr übersichtlich an. Selbstverständlich sind persönliche Einstellungen möglich.

Bereits ab der Silber-Ausstattung ist das 10,25 Zoll-Navigationssystem mit Multimedia und Smartphoneanbindung mit von der Partie. Dieses gibt neben der Rückfahrkamera unter anderem Aufschluss über die Restbatteriekapazität sowie die reine EV-Reichweite. Die Darstellung im Split-Screen ist dank der Gesamtgröße trotzdem gut ablesbar.

Lediglich bei der Ladekapazität im Kofferraum hätte Kia dem Plug-in-Hybrid etwas mehr Volumen spendieren können, denn die 324 Liter, die wir vorfinden, sind doch in Anbetracht der Fahrzeuggröße etwas spärlich. Zwar kann die Kapazität nach dem Umlegen der Sitze auf 1.322 Liter erweitert werden, aber Treibstofftank und Co. knabbern vom Hybrid - im Vergleich zum eNiro - immerhin 127 Liter mehr weg. Der Sitzkomfort im Fond bleibt jedoch ungetrübt in gleich gutem Verhältnis, sodass drei Personen bequem mitreisen können.

Drive Wise heißt die neue Technologie, die hinter den Assistenzsystemen unseres Testfahrzeugs steht. Sie kombiniert Sicherheitsaspekte geschickt mit anderen Helferlein, so dass der Fahrer sich wirklich nur mehr auf das entspannte Fahren konzentrieren kann. So ist im Stadtverkehr das autonome Notbremssystem eine wertvolle Unterstützung. Oft ist man nur kurz abgelenkt, doch der Kia reagiert blitzschnell auf stehende oder gehende Fußgänger oder Fahrzeuge. Selbst wenn die Kolonne vor einem - etwa bei der Ampel - wieder selbstständig losfährt, gibt der Kia einen kurzen Piepston von sich.

Der Querverkehrsassistent "sieht" den Querverkehr beim Ausparken schon bevor man selbst genügend Sicht hat. Kia's Spurfolgeassistent orientiert sich an den Bodenmarkierungen sowie den umgebenden Fahrzeugen und greift korrigierend in Lenkung bzw. Beschleunigung oder Verzögerung ein. Damit wird das Fahren im zähfließenden Verkehr nicht ganz so konzentrationsraubend, da das System mit dem Fahrer mitdenkt.

Spannend bei unserem Testfahrzeug ist der Verbrauch. Dieser zeigte während unserer Testzeit eine Spannweite von 4,2 bis hin zu 6,2 Litern, abhängig vom Ladestand und der gefahrenen Geschwindigkeit. Je öfter die Batterie sprich der EV-Modus zum Tragen kommt, desto geringer wird der Treibstoffdurst. Da wir aber manchmal bei längeren Distanzen keine Lademöglichkeit hatten und rein auf den Benzinantrieb zurückgreifen mussten, stieg der Wert auf 6,2 Liter an.

Für den Alltag ist der Hybrid ideal: Antrittsstark mit der Unterstützung des Elektromotors erreicht er die 100 km/h nach 10,8 Sekunden. Seine Bauartgeschwindigkeit liegt bei 172 km/h, wobei der Elektromotor bereits bei 120 km/h an seine Grenzen stößt. Wer auf der Suche nach einem alternativen Antrieb ist und noch nicht ganz auf reine Elektromobilität setzen möchte, ist mit dem Kia Niro Plug-in-Hybrid sehr gut beraten. Abstriche gibt es lediglich bei der Größe des Ladevolumens. Nutzt man die Rückbank nur gelegentlich, kann man ja diese bei Bedarf als erweiterte Fläche verwenden. Ansonsten bietet Kia mit dem Niro wirklich eine Fülle an Komfort- und Sicherheitsfeatures verpackt in einer sehr gefälligen Hülle, die sich durchaus mit so manchem Oberklassefahrzeug messen darf.

Was uns gefällt:

Hybridkonzept, Ausstattung, Verarbeitung

Was uns nicht gefällt:

Ladekapazität, rein elektrische Reichweite

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1-
Kofferraum: 3
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-