Testbericht: Kia Picanto X-Line

Wenn der Gassenfloh zum Gehsteigkraxler wird: Lesen Sie in diesem Testbericht, womit der X-Line Picanto aus der Masse der Stadtflitzer heraussticht.

Neben den herkömmlichen Ausstattungsvarianten für den Picanto hält Kia für die "sportlicheren" Kunden den GT-Line und nun für die Fans von SUV und Offroad den X-Line parat. Dieser stellt nun die Speerspitze des Produktportfolios dar - auch preislich. Für die beiden Sondervarianten gibt es neben dem "klassischen" 1.2 MPI -Motor mit 84 PS auch den speziellen 1.0 T-GDI Motor mit 100 PS. Letzterer kam in unserem Testfahrzeug zum Einsatz, doch dazu später mehr.

Ist die Akzentfarbe des GT rot, so entschied man sich als Kontrast bei der X-Line-Ausführung für limettengrün. Dieses findet sich überall am und im Fahrzeug dieser Ausstattung in Form von kleinen Details. In unserem Fall hat man gleich das ganze Auto in diese Farbe "getunkt", was es bereits von Weitem erkennbar machte. Ein großer Vorteil in riesigen Parkgaragen, falls man nicht mehr weiß, wo man ihn abgestellt hat. Sollte man sich damit tatsächlich einmal auf Wald- und Feldwege begeben, muss man sich bewusst sein, dass der Picanto in dieser Lackierung sogar durch das Dickicht leuchtet. Wir sind jedoch der Ansicht, dass gerade knallige Farben den Cityflitzern einen gewissen Charme geben, den der X-Line mit seinem besonderen Styling auf jeden Fall hat.

Im Unterschied zum GT-Line, auf dessen Ausstattung der X-Line Picanto basiert, hat Kia dem Mini-Crossover noch spezielle Elemente verpasst. Von außen erkennt man ihn sofort an den etwas anders gestalteten Front- und Heckschürzen im X-Line-Design. Grüne Designelemente finden sich auch im Kühlergrill. Bei der Seitenansicht kommen die klassischen Elemente der "Offroader" zum Tragen, und so ziehen sich die Seitenschweller aus schwarzem Kunststoff über beide Radkästen. Selbst wenn man mit dem Picanto im Alltag maximal eine Gehsteigkante erklimmen wird, so dürfen stylingtechnisch ein Unterfahrschutz vorne und hinten als optisches Markenzeichen dieser Linie nicht fehlen.

Preislich startet Kia bei diesem Modell bei 17.390 Euro, eine durchaus stattliche Summe in Anbetracht der Fahrzeuggröße. Dafür geizt der Hersteller aber nicht mit serienmäßigen Goodies, wofür man anderorts alles extra ankreuzen muss. Kenner der Marke wissen, dass Sicherheit groß geschrieben wird, selbst beim Kleinsten, und so besitzt auch der Picanto unter anderem Berganfahrhilfe, autonomes Notbremssystem, Insassensicherheitspaket, Fahrzeugstabilitätsmanagement sowie einen Bremsassistent mit elektronischer Bremskraftverteilung.

Im Innenraum des Picanto versuchte man viel Raum aus wenig Platz herauszuholen. Das heißt, auch wenn man zu zweit, zu dritt oder zu vier fährt, kommt man sich eigentlich nicht in die Quere. Im Fond ist die Beinfreiheit bei langbeinigen Fahrern zwar eingeschränkt, aber für Kurzstrecken ok. Kinder und Jugendliche tun sich hier noch leichter. Im Winter wärmen Sitz- und Lenkradheizung. Neben dem Handschuhfach gibt es auch Ablagen in den Türblättern auch eine Mittelarmlehne mit Staufach. Auch der Kofferraum lässt sich durch den verstellbaren Boden wirklich gut nutzen. 255 Liter sind vorhanden, bei Bedarf lassen sich die Sitze 60:40 umklappen und erweitern den Laderaum bis zu 1.010 Litern.

Unser Testauto wurde komplett in grauem Leder ausgestattet, und seine limettenfarbigen Ziernähte verleihen dem ganzen eine gewisse Wertigkeit. Bei den Kunststoffoberflächen merkt man beim Picanto den Unterschied zu den größeren Brüdern, sie sind eher pflegeleicht und alltagstauglich gehalten. Wenn man aber sieht, wie oft der kleine Kia gerade auch als Flottenfahrzeug für soziale Dienstleister in der Stadt herumfährt, ist das durchaus legitim. Dafür gibt es schöne Klavierlackelemente in der Mittelkonsole und limettengrünes, jugendlich-frisches Design bei den Türblättern innen.

Als Extra kommt bei unserem Testfahrzeug neben der Lackierung und dem Glasschiebedach das Technikpaket dazu. Dieses versorgt den kleinen Tester unter anderem mit Keyless-Entry samt Startknopf, Bluetooth - sogar mit Spracherkennung wenn das Smartphone mit USB verbunden ist, 7-Zoll Navi mit Farbdisplay und Rückfahrkamera zusätzlich zu den Parksensoren, DAB-Radio mit Lenkradfernbedienung, Shark-Fin-Antenne, sowie Smartphone-Schnittstelle für Apple und Android. Praktisch für entsprechende Handys ist die Ablage vorne, die das Gerät induktiv lädt. So beläuft sich der Gesamtpreis unseres Testfahrzeugs mit der kompletten Rundumausstattung auf 19.590 Euro.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist der GT-Line- und der X-Line-Ausstattung die Turbomotorisierung vorbehalten. Der Benziner besitzt einen Hubraum von 986 Kubik und leistet 100 PS. Damit kann der Picanto nicht nur bequem durch die Stadt cruisen, sondern erlaubt es auch, flott mit dem Autobahnverkehr mitzuhalten. Obwohl er nach dem Kaltstart akustisch den Dreizylinder nicht leugnen kann, tritt dieser Nebeneffekt mit zunehmender Fahrtdauer in den Hintergrund. Eigentlich so stark, dass wir beim Autobahnfahren hohe Geschwindigkeiten gar nicht bemerkten, denn ist der Picanto einmal in Fahrt, ist er nicht zu stoppen.

Die Bezeichnung "Cityflitzer" trägt er zurecht, da der Turbo dem Aggregat die nötige Unterstützung zu einem kräftigen Antritt liefert. In 10,1 Sekunden erreicht unser Picanto X-Line die 100 km/h-Marke. Den Beitrag zum fahrerischen Wohlbefinden liefert auch das Drehmoment, das sein Maximum von 172 Nm bereits ab 1.500 Umdrehungen bereit hält. Fünf Gänge reichen dem Kia durchaus, sogar auf der Autobahn haben wir keinen 6. Gang vermisst. Die maximale Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Wirklich stadttauglich sind nicht nur seine Abmessungen und die elektronischen Helferlein, die uns in jede Schuhschachtel von Parklücke exakt hineinmanövrieren lassen, sondern auch seine angenehm leichtgängige Lenkung.

Selbst sein Durst an der Zapfsäule ist vorbildlich niedrig für koreanische Verhältnisse, und so zeigte unser Bordcomputer knappe 6 Liter im vorwiegenden Stadtverkehr an.

Der Kia Picanto X-Line weiß durch seinen Auftritt der besonderen Art als Mini-City-Crossover nicht nur Frauenherzen zu begeistern. Das Kiwigrün bleibt dabei Geschmackssache. Uns überzeugt der Kia durch seine großzügige Ausstattung und die praktische Lösung, mit kleinen Abmessungen maximalen Raum zu nutzen. Dank der 100 PS-Motorisierung kann man mit dem Kia auch getrost Ausflüge ins urbane Umland unternehmen. Allein schon von der Optik her ist der X-Line für herbstliche Wanderungen über Waldwege und Schotterstraßen gut gerüstet.

Was uns gefällt:

Crossover-Look, Innenraumausstattung, passende Motorisierung

Was uns nicht gefällt:

rauer Dreizylinderklang, Sprachsteuerung nur per Kabel möglich, Preis

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1-
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 2
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 1

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