Testbericht: Kia Rio GT-Line

Neue Dienstfahrzeuge für die Post? Vorerst leider nein, doch gerade dieser Kia Rio wäre für den Fuhrparkmanager eine Überlegung wert. Weshalb? Lesen Sie weiter.

Die Assoziation mit der Post drängt sich bereits beim ersten Blickkontakt auf. "Most yellow" heißt die Lackierung, die überdies laut der neuen Vorabpreisliste auch ohne Aufpreis verfügbar ist. Und sie ist auch wirklich most yellow, denn gelber und auffälliger geht es wirklich nicht. Aber wer sich für den Kia Rio in der GT-Line-Variante entscheidet, der will auch gern gesehen werden. In Abstimmung mit den schwarzen Klavierlackakzenten schaut unser Kia wirklich richtig speedig aus.

Bevor wir im Fahrzeug Platz nehmen, verweilen wir noch kurz beim Außendesign, denn gerade der GT-Line zeigt sich noch eine Spur aggressiver als seine Brüder. Dies ist zum Großteil der speziell für ihn entworfenen Front- und Heckschürze geschuldet. Besonders die Frontansicht entlockt uns beim Öffnen des Garagentors immer wieder ein anerkennendes Nicken, denn das Gesamtbild von Kühlergrill, Schürze und LED-Nebelscheinwerfern wirkt perfekt. Von hinten erkennt man den GT-Line nicht nur am Schriftzug, sondern auch an der Doppelrohrauspuffanlage. Schwarze Designelemente, Seitenschweller sowie 17-Zoll-Felgen runden das sportliche Gesamtbild des Koreaners ab.

Wie von Kia gewohnt, verschaffen wir uns beim GT Zutritt mit dem Schlüssel in der Hosentasche. Der Vorteil bei diesem Rio liegt darin, alle gebotenen Features im Preis inkludiert zu haben. Das heißt, in der aktuellen Preisliste wird unser Testfahrzeug mit 23.090 Euro angeboten, und dabei bleibt es auch.

Puncto Platzangebot zeigt sich der Kia Rio angenehm geräumig. Subjektiv merkt man eigentlich vorne mit Schulter- und Kopffreiheit kaum einen Unterschied zum größeren Bruder Ceed, und auch wenn man ihn in eine Garage parkt, die für Autos der 70er-Jahre ausgelegt ist, muss man die Spiegel anklappen. 172,5 cm bietet der Rio Platz in der Breite. Auch auf der Rückbank sitzt man komfortabel und hat keine Schwierigkeiten mit Kopf- und Schulterfreiheit. Für die Beine gibt es ebenfalls einigermaßen Platz, dies ist aber wie in allen Fällen bei den Kompakten persönlich für die eigenen Bedürfnisse auszutesten. Eine Dreierbelegung hinten ohne Kindersitze klappt dank der wenig konturierten Sitzbank gut, mit Kindersitz(en) dient der Mittelsitz eher als Ablage. Auch die Ladekapazität des Rio ist für einen Stadtflitzer recht gut. 325 Liter schluckt er problemlos, wer mehr benötigt, klappt einfach die Sitze um.

Sehr wertig erscheint uns die Innenraumausstattung in Schwarz. Teilledersitze im speziellen GT-Design lassen uns komfortabel reisen und bieten für unsere Lieblingsausfahrten in den Wienerwald auch den nötigen Seitenhalt. Die Sitze passt man manuell an die eigenen Bedürfnisse an, und auch das Lenkrad kann längs- und höhenverstellt werden. Für Frischluft sorgt das Glashub/Schiebedach. Sportlichkeit im Innenraum zeigt der Kia durch verschiedene Applikationen in Carbonoptik und Chrom. Das sportliche Lederlenkrad darf natürlich nicht fehlen. Eine geteilte Ablage mit rutschfester Unterlage ermöglicht die Ablage des Smartphones, das dann auch gleich per USB-Anschluss verbunden werden kann.

Der USB-Anschluss ist nötig, um Android Auto und damit die Spracheingabe zu nutzen. Ansonsten kann auch das Handy per Blueetooth an die Freisprecheinrichtung gekoppelt werden. Apple Car Play ist ebenfalls mit an Bord. Alle Informationen werden über das 7-Zoll-Farbdisplay des TomTom Navigationssystem angezeigt. Becherhalter, Ablagen in den Türblättern, unter der Mittelarmlehne vorne und das Handschuhfach lassen schon einige Utensilien gut verstauen. Für die Mitreisenden im Fond gibt es ebenfalls einen USB-Anschluss zum Laden mobiler Geräte. Gerade für jugendliche Mitreisende ein wichtiges Kriterium.

Gegenüber seinen Mitbewerbern punktet Kia meist mit einer umfangreichen Sicherheitsausstattung, die zum größten Teil bereits ab der Basisversion inklusive ist, wie unter anderem Stabilitätsmanagement, Hüftairbags oder Berganfahrassistent. Der GT-Line besitzt darüber hinaus Aufmerksamkeits-, Fernlichts-, Querverkehrs-, Totwinkel- und Spurhalteassistent, ein autonomes Notbremssystem inkl. Fußgängererkennung und statisches Kurvenlicht. Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer gehören ebenfalls zur Ausstattung dazu, sind aber nicht adaptiv regelbar.

Den Kia Rio GT-Line gibt es ausschließlich in einer Motorisierung, nämlich als 1-Liter-Turbo mit 120 PS. Der 998 Kubik-Motor besitzt bereits einen Ottopartikelfilter, der den Schadstoffausstoß reduziert. Nach den neuen CO2-Bemessungsgrundlagen stößt der 1.0 TGDI 116 g/km aus. Zwar bleibt dem Rio der kernig raue Klang des Dreizylinders erhalten, trotzdem kommt der Fahrspaß nicht zu kurz. Die 120 PS auf dem Papier nimmt man ihm ohne zu zögern ab. Er zeigt sich antrittsstark, und es gibt auch kein wirklich lästiges Turboloch. Das Drehmoment des GT-Line liegt bei 172 Nm in einer Bandbreite von 1.500 bis 4.000 Umdrehungen, und schaut man auf die Stoppuhr, steht seine Tachonadel nach 10,2 Sekunden auf 100 km/h. Gerade richtig für einen sportlichen Stadtflitzer: Kraft bei Kreuzungen und Ampeln, aber auch um Überholmanöver zügig abschließen zu können.

Hier passt das Paket mit dem 6-Gang-Schaltgetriebe gut zusammen. Den GT-Line gäbe es auch mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, hier die Unterschiede auszutesten wäre ebenfalls interessant. Doch im Alltag lässt der 6-Gang-Schalter keine Wünsche offen. Auf den Autobahnen fährt man locker flockig dahin, ohne dass man Angst haben muss, den Motor und das Gehör überzustrapazieren. Bei Tempo 190 erreicht unser Rio die Höchstgeschwindigkeit, was aufgrund seiner Bauart und seines vorwiegenden Einsatzbereiches unserer Ansicht nach mehr als ausreichend ist.

Unser Fahrspaß mit dem gelben Flitzer zeigte dann an der Zapfsäule seine Auswirkungen. Trotz sämtlicher Spritsparprogramme wie Start-Stop und Co. über die der Rio verfügt, überwog unsere Freude, dass Gasbefehle einfach mit einem Zecherlzucken angenommen werden. Daher zeigte unser Bordcomputer nach ausgiebigen Testfahrten einen Wert von 6,5 Litern im Durchschnitt an. Wobei bei bewusst ökonomischem Fahrstil sicherlich weniger zu erreichen wäre.

Man muss nicht bei der Post arbeiten, um von diesem Kia Rio begeistert zu sein. Uns hat der GT-Line erneut durch seinen dynamisch-sportlichen Auftritt beeindruckt, der eben nicht nur im Prospekt steht, sondern auch in der Realität im Gesamten umgesetzt wird. Und gerade in dieser Farbe zieht er jeden Blick auf sich.

Was uns gefällt:

Außendesign in Kombination mit der Farbe, Motorperformance, zahlreiche Stauraumlösungen

Was uns nicht gefällt:

Sprachsteuerung nur mit Kabel verbundenem Smartphone möglich

  Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1

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