Testbericht: Kia e-Soul Long Range

In Zeiten, wo gegen den Klimawandel protestiert wird, schaut die ganze Welt gespannt auf die Fahrzeugindustrie. Und wir werfen einen genaueren Blick auf den Kia e-Soul 2020.

Zugegeben, als der allererste Soul 2008 Österreichs Straßen eroberte, gehörte er zu jenen Modellen, die allein aufgrund ihrer Optik das Klientel spalteten. Kia wagte den Schritt zum Extravaganten, der sogar mit dem Red-Dot-Award honoriert wurde. Sein eher "würfeliges" Design ist bis heute in Erinnerung geblieben, aber auch etwas anderes: Die Ambientebeleuchtung an den verhältnismäßig riesigen Lautsprechern, die rhythmisch zur Musik mitblinkten.

Mittlerweile hat Kia den Soul zu einem exklusiven Vertreter der Elektromobilität gemacht, denn er ist nur mehr mit zwei unterschiedlichen Batterieausstattungen, jedoch nicht mit Verbrennungsmotoren erhältlich. Im Laufe der Jahre hat man den Koreaner karosseriemäßig ein wenig sanfter gestaltet, ohne ihm die optische Eigenständigkeit auf der Straße zu nehmen. Dennoch steht ihm die deutlich stärker geneigte A-Säule besser.

Einige futuristische Details wie die Voll-LED-Scheinwerfer, der Zwei-Farben-Look (in unserem Fall in Neptune-Blue und Cherry Black) sowie die LED-Heckleuchten, Chromakzente und der geniale 17-Zoll-Felgen-Look wissen moderne Menschen anzusprechen. Lediglich die relativ gerade Motorhaube ist ihm geblieben und damit seine Unübersichtlichkeit vorne beim Einparken, gäbe es hier nicht unterstützende Sensoren, die akustisch und optisch warnen. In unserem e-Soul sogar über die Ambientebeleuchtung in den Türblättern und beiden Lautsprechern. Beim Einparken in enge Garagen kommt so richtig Disco-Feeling im Fahrzeug auf.

Wie bereits erwähnt lässt Kia seine Kunden zwischen einer 136 und einer 204 PS (Long Range)- Motorisierung wählen. Auch die vier bekannten Ausstattungslinien sind für den e-Soul verfügbar. Der günstigste Stromer in der Basisausstattung Titan beginnt bei knapp 35.000 Euro. Hier sind unter anderem schon die Voll-Led-Scheinwerfer, adaptiver Tempomat mit Stop &Go-Funktion, Drive Mode Select, automatische Klimaanlage, LED-Nebelscheinwerfer oder das autonome Notbremssystem inkl. Fußgängererkennung inkludiert.

Bis zur Speerspitze "Platin" wird unser e-Soul noch mit zahlreichen weiteren Goodies ausgestattet: So kommt für die perfekte Beschallung ein Harman-Kardon-Soundsystem mit 10 Lautsprechern und ein 10,25 Zoll Navi dazu. Außerdem spart Kia nicht bei Komfortdetails, die so manchen Premiumhersteller in Verlegenheit bringen. Dazu gehören unter anderem ein Armaturenbrett mit Lederabdeckung, eine induktive Ladeschale und die Sitzheizung vorne und hinten.

Die Highlights aus unserer Platin-Ausstattung machen den Koreaner zum Langstreckenfreund. Die Echtledersitze sind nun sowohl für den Fahrer als auch für den Beifahrer achtfach elektrisch verstellbar. Sie können beheizt und belüftet werden. Headup-Display und Regensensor gehören ebenfalls zur Topausstattung dazu. Damit erhöht sich der Kaufpreis schon um einige weitere tausend Euro und erreicht sein Maximum in unserem Fall bei 46.590 Euro. Hinzu kommen 500 Euro für die Metalliclackierung. Damit ist der Soul grundsätzlich kein Schnäppchen, aber in der Liga der Elektroautos befindet er sich im guten Mittelfeld. In Anbetracht der großzügigen Ausstattung und des Gesamtpakets jedoch unserer Ansicht nach gerechtfertigt.

Womit der e-Soul ebenfalls punkten konnte, ist das Platzangebot im Fond. Kopf- und Beinfreiheit sind absolut reisetauglich, und auch mit der ersten Reihe müssen nur groß gewachsene Menschen Kompromisse eingehen. Seine 315 Liter Laderaumvolumen sind für den täglichen Transport von Kleinigkeiten ausreichend, für Wocheneinkäufe einer vierköpfigen Familie aber eng bemessen. Nach dem Umklappen der Sitze kann die Kapazität zusätzlich auf 1.339 Liter erweitert werden.

Der Long-Range-Elektromotor des e-Soul ist auch jener, der den e-Niro antreibt. Er leistet stattliche 204 PS, die in der Stadt echtes Sportwagenfeeling aufkommen lassen, da ja der Elektromotor vom Start weg über 395 Nm Drehmoment verfügt. Während unseres Tests kreuzte ein Lamborghini unseren Weg, der uns auf längere Distanz natürlich in die Schranken weisen konnte. Wir nehmen an, dass aber auch dessen Fahrer überrascht war, wie lange der blaue Stromer hinter ihm mithalten konnte. In 7,9 Sekunden beschleunigt der Koreaner auf 100 km/h, und erst bei 167 km/h setzt der Hersteller dem Fahrspaß ein Ende.

Praktisch im e-Soul sind auch die Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Sie sind nicht so wie in herkömmlichen Fahrzeugen für Gangwechsel zuständig, sondern für die Stärke der Rekuperation. Der Drive-Mode-Schalter hilft beim Energiesparen, genauso wie eine Wärmepumpe oder die Klimaanlage, die zum Beispiel nur auf den Fahrerbereich beschränkt werden kann.

Während unserer Testzeit erreichten wir einen Durchschnittsverbrauch von 15,2 kWh auf 100 km. Umgerechnet auf einen Strompreis von etwa 20 Cent pro kWh sind das etwa 3 Euro auf 100 km. Die von Kia angegebene Reichweite von 452 km ist von verschiedenen Umständen abhängig, mit 400 km kann man aber grundsätzlich rechnen. Geht man davon aus, dass der e-Soul an einer Schnellladestation in 75 min auf 80% Reichweite aufgeladen wird, so ist auch für alle ohne Ladestation zu Hause oder im Büro die Nutzung dieses Elektroautos interessant. Für die kalte Jahreszeit wurde unser Testfahrzeug mit einer Batterieheizung ausgestattet, die über das Touch-Display programmiert werden kann und somit die Batterie für den Einsatz vorbereitet. So hält sich auch der Verlust an Reichweite bei widrigen Wetterbedingungen in Grenzen.

In der Stadt spielt der Kia seine Trümpfe vor allem mit den Assistenzsystemen aus. Der aktive Totwinkelassistent und ein aktiver Querverkehrsassistent überwachen zusätzlich zu den anderen Systemen die Umgebung links und rechts hinter dem Fahrzeug, was besonders beim Ausparken hilfreich sein kann, zumal notfalls auch aktiv gebremst wird.

Man kann generell zur Elektromobilität stehen, wie man will, aber Kia weiß wie es geht. Wenn nun auch die allgemeine Netzversorgung mitzieht, wäre es ideal.

Was uns gefällt:

Laufleistung, Ausstattung, Assistenzsysteme

Was uns nicht gefällt:

Kofferraumgröße

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 2-
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 3 (Bewertung ohne Assistenten)