Land Rover Freelander 2.2 mit Start-Stop-Automatik im Test

Mit einer Start-Stop-Automatik will Land Rover seinen kleinsten Premium-Allradler auf Sparkurs bringen - wir wollten wissen, wie sich's fährt.

Beim handgeschalteten Freelander TD4 ist jetzt eine Start-Stop-Automatik serienmäßig. Dazu zeigt im neu benamten TD4_e eine Gangwechsel-anzeige an, wann aus Sparsamkeitsgründen bitte in die höhere Fahrstufe zu wechseln sei. Im Stadtverkehr verspricht das Werk Verbrauchsreduktionen von bis zu 20 Prozent. Unter 7 Liter auf 100 Kilometer, wie vom Hersteller angekündigt, waren die Verbrauchswerte von uns jedoch nicht einmal ansatzweise zu drücken. Mit durchschnittlich 8,5 Litern Dieseltreibstoff (und das teilweise bei schlechten Wetter- und Straßenbedingungen, über etwas Stock & ein wenig Stein) ist eine Verbesserung aber messbar.

Start, Stop, Start, etc.

Zunächst zum neuesten Feature: Das Start-Stop-System funktioniert alles in allem tadellos. Der Startvorgang geht nicht ganz so flink und unauffällig vonstatten wie bei Benzinmotoren, was aber auch von anderen Selbstzündern mit solchen Systemen gesagt werden kann.

Eine gewisse inhärente Trägheit beim Start ist trotz aller Bemühungen der Techniker (zum Beispiel ein verstärkter Startermotor oder Feinheiten wie eine neue Reibungsschwungscheibe aus - Achtung! - Polyetheteretherketon) einem Diesel wahrscheinlich nicht vollends abzugewöhnen. Gemessen daran stimmt die Performance des Systems. Der Zentralrechner achtet darauf, dass der Motor bei höherer Beanspruchung gleich erst gar nicht mit Start-Stop-Ansinnen belästigt wird. Wenn also die Klimaanlage aus vollem Halse klimatisiert oder es dem Motor schlichtweg noch zu kalt ist, rennt er beim Ampelstop munter weiter. Man bringe also das Fahrzeug im Leerlauf, und ohne die Kupplung zu betätigen, zum Stillstand; der Common-Rail-Dieselmotor verstummt. Ein Druck aufs Kupplungspedal weckt ihn mit geringer Vibration wieder auf, und weiter geht's.

Urban vs. rustikal

Wenn sich die Ereignisse überschlagen, z.B. im dichten City-Verkehr mit Stop & Go, kann es schon vorkommen, dass der Motor just dann verstummt, wenn man gerade Schwung bräuchte.

Einmal ist es uns passiert, dass die Maschine sich im Stop & Go-Verkehr "verschluckt" hat und wir einen kompletten Neustart machen mussten. Abschalten lässt sich das System auch, was auch beim ernsteren Offroad-Betrieb sinnvoll ist. Denn im Gelände fühlt sich der Freelander, im Gegensatz zu manch anderem Fahrzeug dieser Kategorie, ebenfalls recht wohl. Das sogenannte Terrain-Response-System bietet per Drehknopf vier Settings für "normale" Straßenverhältnisse (Asphalt oder leichtes Gelände, iaW: fast immer), rutschigen Untergrund, Schlamm oder Sand. Dazu gibt es eine Bergabfahrhilfe. Wen man bei einem Ausflug in die Vegetation ebenfalls abschalten sollte: Die akustische Einparkhilfe warnt panisch vor jedem Zweiglein, das auch nur ansatzweise in ihren Messbereich kommt. Beim Anblick von Gebüsch wird sie hysterisch. Ein echtes Stadtkind! Die berühmten 99 % aller Anforderungen deckt der Freelander mit seinem Können ab; für echte Hardcore-Applikationen gibt es knorrige Urtypen wie z.B. - wiewohl dem Vernehmen nach nicht mehr lange - den Defender. Die sind dafür "on road" längst nicht so bequem.

Reisen erster Klasse

Range Rover für Anfänger: Der Freelander gibt einen bequemen Reisewagen ab, mit dem sich entspannt auch lange Autobahnetappen absolvieren lassen. Durch kurviges Geschlängel rollt er nicht mehr als konzeptbedingt zulässig, und stets beherrschbar. In Verlegenheit war das Auto jedenfalls nicht zu bringen. Die Motorisierung stellt ausreichende Kraft zur Verfügung, einen kleinen Turbo-Delay spürt man im Drehzahlkeller allerdings schon. Die Gangwechsel geschehen auf ausreichend kurzem Wege und unangestrengt. Unser Testwagen gab in der, allerdings nicht pflegeleichten, schwarzen Mica-Lackierung (nennen wir es "Innenstadt-Metallic") ein zeitlos-elegantes Bild ab. Nicht ganz so würdevoll gealtert ist der Innenraum. Einige der verwendeten Materialien sind für den Kaufpreis vielleicht doch nicht mehr ganz "premium" genug. Die Mittelkonsole strotzt vor Knöpfen, die auf die ersten zwei Blicke alle gleich ausschauen; die mattgrüne Beleuchtung hilft nicht. Und ergonomische Rätsel wie z.B. die Position der Schalter für die Nebellichter (gerade bei schlechter Sicht sollte man nicht in Kniehöhe nach winzigen Druckknopferln suchen müssen) lassen Spielraum für Verbesserung in der nächsten Generation.

Die Kosten

Die Preisliste für den Land Rover Freelander 2,2 TD4_e beginnt bei 29.900 Euro; unser Testmodell Experience S wird mit 33.900 Euro aufgelistet. Dazu kommt eine recht umfangreiche Liste von Extras:

Da hätten wir das Winterpaket (Heizung für Vordersitze, Windschutzscheibe und Scheibenwaschdüsen, 857 Euro), Bi-Xenon-Scheinwerfer (836 Euro), Einparkhilfe hinten (429 Euro), abgedunkelte Scheiben ab der B-Säule (484 Euro), die Mittelarmlehne hinten (230 Euro), die Mica-Lackierung "Santorini Black" (791 Euro) sowie - haben wir was vergessen? Ah ja: das Lederlenkrad um 165 Euro. Das macht in Summe einen Neupreis von 37.692 Euro für den Testwagen.

Testurteil

Plus:

  • Echter Allrounder
  • Start-Stop-System bewährt sich im Alltag
  • Guter Kompromiss: SUV-Appeal und halbwegs handliche Größe

Minus:

  • Interieur etwas angegraut
  • Kein Sonderangebot

Unser Eindruck:

  • Verarbeitung: 1
  • Ausstattung: 2
  • Bedienung: 2-3
  • Komfort: 1-2
  • Verbrauch: 1-2
  • Fahrleistung: 1-2
  • Sicherheitsausstattung: 1-2

Resümee: Die Start-Stop-Automatik macht aus dem Land Rover Freelander keinen Diesel-Abstinenzler, aber eine spürbare Auswirkung hat das System immerhin. Sie passt zum Charakter des Autos als Meister der Vielseitigkeit. Der praktischen Nutzbarkeit abträglich ist sie auch nicht. Wenn man also Sprit und Emissionen einsparen kann - warum nicht? Darüber hinaus gibt sich der Freelander abseits echter Extreme keine Blöße.

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