Range Rover Sport - Fahrbericht

Feine britische Auto-Welt

Vor rund zwei Jahren trat der Range Rover Sport auf den Plan. Flacher, runder, dynamischer wirkend als die europäische Luxus-Allrad-Ikone Range Rover und dennoch auf den ersten Blick als Mitglied des edlen Zweig der Land Rover-Familie erkennbar. Seitdem hat sich der "Sport" bei den Verkäufen der Marke an die Spitze vorgearbeitet. Was reizt an diesem europäischen Sport Utility Vehicle (SUV), für das man immerhin wenigstens 60.000 Euro auf den Tisch legen muss? Wir gingen dieser Frage an Bord des Modells Range Rover Sport 2.7 HSE (73.260 Euro) mit Sechs-Zylinder-Diesel (TDV6) nach.

Der 2,7 Liter-Diesel des Range Rover Sport entwickelt 140 kW / 190 PS und bietet bei 1500 Umdrehungen pro Minute 440 Newtonmeter Drehmoment an - genug, um den leer fast 2,8 Tonnen Allradler flott zu bewegen, aber nicht genug, um den Typennamen "Sport" zu rechtfertigen. Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 12,7 Sekunden und einer Spitzengeschwindigkeit von gut 190 km/h zählt er aber auch nicht zu den Lahmen im Lande, dafür aber zu den Sparsamen seiner Klasse. Der Verbrauch nach der europäischen Norm liegt bei zehn Litern auf 100 km ; wir ermittelten in der Praxis einen Durchschnitt von gut zwölf Litern.

Bessere sportliche Qualitäten zeigt dieser Range Rover abseits der reinen Messwerte. Sein " Dynamic Response-System " vermeidet Wanken auch bei Kurvengeschwindigkeiten, die man einem Range Rover früher nicht zugemutet hätte. Und seine elektromechanische Lenkung führt den Sport in Regionen der Präzision, die seine Vorfahren ebenfalls noch nicht kannten. Doch am sportlichsten benimmt sich der Range Rover - der Tradition folgend - im Gelände. Mit seinem Terrain Reponse-System meistert er aber nicht nur schwierige Off-Road-Herausforderungen. Auch mit den unterschiedlichen Fahrbahnverhältnissen auf der Straße kommt er erstaunlich gut zurecht, wenn man die Einstellmöglichkeiten des Systems nutzt.

Trotz der erstklassigen Gelände-eigenschaften stellt man sich doch die Fragen, ob der Sport nicht eher auf die Straße gehört. Sein aufpoliertes Äußeres mit 20-Zoll-Alurädern in ausgestellten Radhäuser, die seitlichen Lüftungsöffnungen und der Kühlergrill à la Maschendrahtzaun - kurz sein ganzes, durchaus ebenso elegant wie dynamisch und gewaltig wirkendes Äußeres gebieten Zurückhaltung. Vielen seiner Fahrer würde es respektlos vorkommen, dieses Auto mit ordinärem Kiesgrubenschmutz zu belasten.

Schon beim ersten Öffnen der Tür, wenn einem der Geruch nach feinem Leder entgegenschlägt, wird auch im Sport das Klischee vom britischen Landedelmann lebendig, der für die Fahrt über die Ländereien den Defender besteigt und seinen Range Rover nur für die Touren zwischen Landsitz und Stadt einsetzt. Hat man den Fahrersitz des fast 1,80 Meter hohen Wagens erklommen und die mächtig dicke Tür ins Schloss gewuchtet, darf man sich getrost Zeit nehmen, den Duft der feinen britischen Auto-Welt , die Optik von rustikalem Charme mit vielen Geraden, Senkrechten, rechten Winkeln, großen Holzapplikationen und Chromteilen zu genießen. Dies ist die edelste Erscheinungsform von Innenraum, die Land Rover bisher einem seiner Fahrzeuge zugestanden hat.

Der Range Rover Sport gibt sich rasch als bequemes Fahrerauto zu erkennen. Die wesentlichen Instrumente hat man gut im Blick und die Bedienelemente gut im Griff. Nur der Bildschirm des Infotainment- und Navigationssystems bietet Anlass zur Kritik. Er liegt so flach oben im Armaturenträger, dass die Sonne seine Anzeige häufig überstrahlt.

Im Sport fällt es dem Fahrer nicht schwer, sittsam Distanz zum Nebenmann zu wahren; denn die große Breite von 1,93 Metern lässt Raum für einen massiven Mitteltunnel aber nur wenig Raum für die Beine. Auf den hinteren Sitzen, die noch einmal ein wenig höher angebracht sind als die Vordersitze, geht es dafür großzügiger zu. Der Sport ist ein echter Fünfsitzer .

Natürlich lässt sich die geteilte Rücksitzbank umklappen, so dass aus den knapp 960 Litern Kofferraum maximal ein Laderaum von mehr als 2000 Litern werden kann. Diese Zahlen passen leider nicht ganz zur maximalen Zuladung des Sport. Knapp 500 Kilogramm können durch die vier Türen und die große Heckklappe mit extra zu öffnender Scheibe zugeladen werden. Pferdefreunden zum Trost sei gesagt, sie dürfen einen Anhänger mit maximal 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ziehen. Das reicht auf jeden Fall für zwei ausgewachsene Pferde samt deren Gepäck.

Beim Fahren erweist sich der Sport mit diesem Motor als wahrer Gentleman. Der Diesel arbeitet leise, die Windgeräusche sind überraschend niedrig. Und die lernende Sechs-Gang-Automatik von ZF arbeitet fast ohne Schaltruck. Die sanfte Kraftentfaltung beim Anfahren und Beschleunigen darf man getrost bewundern. Ihretwegen sieht man dem Sport gerne nach, dass er länger braucht, als die Leistungs- und Drehmomentzahlen es vermuten lassen, um auf hohe Geschwindigkeiten zu kommen. Ein Gentleman bleibt eben gelassen, genießt den Überblick und die gute Übersichtlichkeit der Karosse, nimmt den mit 11,6 Metern recht großen Wendekreis gern in Kauf und genießt seinen Range Rover.

Der Acht-Zylinder-Diesel würde das Gefühl entspannender Selbstverständlichkeit sicher noch verstärken. Dieser braucht weniger als zehn Sekunden bis Tempo 100 und durchbricht die 200-km/h-Marke deutlich, kostet aber auch gleich gut 10.000 Euro mehr. Für noch einmal rund 10.000 Euro drauf gibt es auch den V8 Supercharged , der in 7,6 Sekunden Tempo 100 erreicht, 225 km/h Spitze fährt und im Schnitt 16 Liter verbraucht.

auto-reporter
 

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