Mazda BT-50 Rap Cab TE - Testbericht

Der 2,5-Dieselmotor leistet 143 PS.

Klassische Pick-ups gelten als Spritschlucker - und dennoch ziehen sie immer wieder die bewundernden Blicke anderer Verkehrsteilnehmer auf sich. Die Zweckfahrzeuge haben auch in der heutigen umweltbewussten Zeit nichts von ihrer Faszination verloren. Mit dem Mazda BT-50 haben die Japaner beinahe schon einen Klassiker dieser Fahrzeuggattung im Programm, der im Herbst 2008 nochmals optimiert wurde. Hauptziel der Überarbeitung war neben einem etwas modischeren Auftritt vor allem eine weitere Komfortsteigerung, damit der fast 5,10 Meter lange Pritschenwagen nicht nur im harten Arbeitseinsatz, sondern auch bei privater Nutzung noch mehr überzeugen kann.

Dennoch ist der modifizierte Mazda BT-50 keine Familienkutsche geworden, sondern vor allem ein Arbeitsauto geblieben. Dafür stehen neben der 1,75 Meter langen Ladefläche der zuschaltbare Allradantrieb mit Untersetzungsgetriebe und die klassische Starrachsenkonstruktion mit Blattfedern hinten. Im unbeladenen Zustand schmälert die holprige Hinterachse den Fahrkomfort deutlich, aber irgendwie müssen die beinahe 1,2 Tonnen Zuladung und bis zu drei Tonnen Anhängelast bei Bedarf ja aufgefangen werden. Nach der Modellpflege im Herbst 2008 liegt das Heck dank größerer Dämpfer nun aber deutlich ruhiger auf der Straße und die Achse beginnt in forsch angegangenen Kurven nur noch selten zu stempeln. Äußerlich ist der neue Modelljahrgang vor allem an der etwas weicher und moderner gezeichneten Front erkennbar.

Im Inneren dürfen sich Fahrer und Beifahrer wohl fühlen. Zwar dominiert Hartplastik , aber das ist dreifarbig und die Mittelkonsole mit dem serienmäßigen 6-fach-CD-Wechsler (Basisversion: einfacher CD-Player) ist silberfarben abgesetzt. Dass der Kunststoff etwas kratzempfindlich ist, passt allerdings nicht so ganz zum robusten Erscheinungsbild. Lenkrad und die beiden Schaltknaufe für Getriebe und Allraduntersetzung sowie der Handbremshebel sind auf Wunsch mit Leder bezogen. Der Handbremshebel befindet sich übrigens nach altväterlicher Sitte mit krückstockähnlichem Griff neben der Lenkradsäule. Neue Stoffe und eine warme, bernsteinfarbene Beleuchtung der Instrumente sowie des großen offenen Fachs sorgen für ein angenehmes Ambiente, das wenig nüchternen Nutzfahrzeugcharakter aufweist. Die beheizbaren Vordersitze sind nicht nur bequem , sondern bieten auch erfreulich viel Seitenhalt. Zu den weiteren Annehmlichkeiten des BT-50 zählen die leistungsstarke Heizung , eine Mittelarmlehne mit zwei Ablagefächern, fünf Cupholder und ein AUX-Anschluss sowie Klimaanlage und beheizbare Außenspiegel.

Die auch als Freestyle-Kabine benannte Karosserieversion Rap Cab zeichnet sich gegenüber dem viertürigen Fünfsitzer mit 20 Zentimeter kürzerer Ladefläche durch eine ungewöhnliche Konstruktion aus. Hinter Fahrer- und Beifahrersitz findet sich je ein kleines Sitzbankkissen mit Rückenpolster an der Kabinenwand, auf denen zur Not zwei weitere Mitfahrer Platz finden können. Der Einstieg erfolgt über zwei halbe und gegenläufig öffnende Türen , die bis zu 90 Grad nach hinten schwingen. So clever diese Idee ist, die zweite Reihe sollte man Erwachsenen nicht länger als nötig zumuten, denn weder die Kniefreiheit noch die Sitzhöhe können auch nur ansatzweise überzeugen. Der Nachwuchs ist dort in seinem Kindersitz allerdings recht gut aufgehoben. Und auch als Kofferraumersatz taugt der Platz hinter den Vordersitzen gut. Die beiden Sitzpolster lassen sich für den Gepäcktransport einfach nach oben klappen.

Der 2,5-Dieselmotor leistet 105 kW / 143 PS und kommt mit dem fast 1,9 Tonnen schweren Pick-up erfreulich gut zurecht. Ab 1.600 Umdrehungen liegt spürbarer Vortrieb an. 12,5 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h können sich sehen lassen. Der Schalthebel benötigt relativ lange Wege, ist aber angenehm platziert und arbeitet präzise. Der 5. Gang arbeitet zwar erst ab 75 km/h ruckfrei, dann liegen allerdings auch gerade einmal 1.500 Umdrehungen an. Im weiteren Drehzahlverlauf überzeugt die letzte Getriebestufe dann mit viel Durchzugskraft. Gerade im für die Autobahn relevanten Bereich zwischen 100 und 150 km/h ist der BT-50 beeindruckend kraftvoll unterwegs und bietet unerwartet viel Fahrfreude . Hubraum ist allem Downsizing zum Trotz eben immer noch durch nichts zu ersetzen.

Die (weit voreilende) Tachonadel hat bei Vollgas selten Mühe, sogar noch ein wenig über die letzte Markierung von 180 km/h hinauszugehen. Dabei zeigt sich der im Leerlauf rau klingende Selbstzünder erstaunlich leise und auch das Fahrwerk bei Höchstgeschwindigkeit relativ gelassen. Tatsächlich vergisst der Fahrer schnell, dass er eigentlich mit einem automobilen Lastesel unterwegs ist. Der Testverbrauch von 10,8 Liter je 100 Kilometer darf da angesichts der Fahrzeugdimensionen und -gattung als durchaus akzeptabel gelten. Der Normwert verspricht eine einstellige Ziffer vor dem Komma.

auto-reporter

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