Testbericht: Mazda MX-5 Takumi mit 130 PS

Mazda bringt mit seinem Sondermodell des MX-5 einen besonderen Hingucker auf Österreichs Straßen. Womit der Roadster bei uns punktet, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Fast dem modernen Märchen von Rotkäppchen könnte er entsprungen sein, der Takumi. Nur hat der böse, graue Wolf das rote Käppchen nicht mitverspeist, sondern einfach aus ästhetischen Gründen aufbehalten. Und die junge Dame sitzt ebenfalls gesund und munter im Inneren, oder in unserem Fall auch gelegentlich ein Herr. Nur Großmutter gibt es keine, und die Rolle des Jägers wäre straßenverkehrstechnisch durch die Exekutive gut vertreten, aber die braucht man ebenfalls nicht in unserer Version des Märchens.

Das Sondermodell des Klassikers aus Japan hat nämlich die schwächere der beiden möglichen MX-5 Motorisierungen ausgefasst. Wobei die 130 PS für das Leichtgewicht schon sehr gut dimensioniert sind. Die 184 PS machen aus dem Roadster dann einen echten Sportler. Wir hatten dieses Jahr einen großartigen Cabriosommer und einen noch großartigeren Altweibersommer, doch in unserer Testzeit kam es, wie es kommen musste: Unsere Testfahrten waren, sagen wir es einmal so, mehr als wettermäßig "durchzogen". Aber für echte Roadsterfans gibt es keine schlechte Witterung (abgesehen von Regen), sondern nur das falsche Outfit. Außerdem konnten wir so gleich die Allwettertauglichkeit des Mazda MX-5 Takumi prüfen.

Sehr wahrscheinlich werden nur die Wenigsten, die sich für den MX-5 mit Stoffhäubchen entscheiden, diesen das ganze Jahr hindurch fahren. Doch aufgrund unserer Erfahrungen würden wir sagen, man könnte, wenn man es wollte. Das Sondermodell Takumi basiert grundsätzlich auf der Revolution-Ausstattung, die für den Japaner erhältlich ist. Der große Unterschied ist aber sein optischer Auftritt. Das weinrote Verdeck und die hellbeige Lederausstattung im Innenraum setzen zu der Machine-Grey-Lackierung ganz deutliche Kontraste. Nichts für Mauerblümchen.

Ansonsten teilt sich der MX-5 Takumi die Optik mit seinen anderen Brüdern. Das aggressive Design der Frontpartie wird durch die scharfen Kanten und den wuchtigen Kühlergrill stark betont. Fast senkrecht angeordnete LED-Tagfahrlichter sowie die spitz zulaufenden adaptiven LED-Scheinwerfer zeichnen eine markante Leuchtsignatur auch bei Nacht. Das kurze Heck wird nun durch eine Einparkhilfe deutlich übersichtlicher, denn ohne dieses Helferlein wird das Rangieren rückwärts mit geschlossenem Verdeck und dem kleinen Heckfenster zu einer echten Herausforderung.

Ein schlüsselloser Zutritt mit Startknopf gehört ebenfalls zur serienmäßigen Ausrüstung des Takumi. Dabei befindet sich auf dem Schlüssel eine Taste zur Kofferraumentriegelung. Dies ist dann recht praktisch, wenn man sich nicht bücken möchte, um den kleinen, versteckten Knopf oberhalb der Kennzeichenhalterung zu betätigen. Überdies ist der Kofferraum gar nicht so klein, wie man es erwarten würde. 130 Liter kann man in den Roadster einladen. Da der Deckel den Laderaum, wie der Name sagt, oben abschließt und kein Verdeck den Raum einengt, hat man darunter gut Platz, sogar für einen Trolley für den Wochenendausflug oder eine kleine Shoppingtour.

Erst einmal im MX-5 Platz genommen, nimmt uns das Roadsterfeeling sofort gefangen. Wie ein schützender Kokon baut sich die Karosserie um die beiden Plätze herum. Man sitzt gefühlt am Asphalt, und man darf ruhig ein bisschen üben, bis vor allem das Aussteigen auch optisch zum ästhetischen Auftritt des Fahrzeuges passt und man sich nicht "herauswurschtelt". Purismus mit einem Hauch Luxus möchten wir es nennen. Das Design des Interieurs ist schlicht und schön verarbeitet. Das Handschuhfach ist MX-5-üblich zwischen den beiden Sitzen in der Rückwand verbaut und versperrbar. Dort befindet sich zusätzlich die Möglichkeit, Getränke in Halterungen unterzubringen. Jeder noch so kleine Platz muss genutzt werden. Der Mittelsteg zwischen den Vordersitzen fungiert quasi als Armlehne. Ein klitzekleines Staufach findet sich hier ebenfalls.

So erreicht man nur mit kleinen Handbewegungen das Ablagefach, die Steuerung für die 7-Zoll-Multimediaanlage mit Sprachsteuerung und Navi, die bei unserem Testfahrzeug von einem BOSE Soundsystem mit in die Kopfstützen integrierten Lautsprechern unterstützt wird. So kann man sogar Open Air per Freisprecheinrichtung telefonieren und versteht alles sehr deutlich, ohne gleich die ganze Umgebung zu unterhalten.

Dass der Takumi durchaus auch ein Fahrzeug für kühlere Tage ist, beweist er durch eine dreistufige Sitzheizung, die uns bei offenen Fahrten und Außentemperaturen von 12 Grad nebst Wind angenehm wärmt. Außerdem kann man die Klimaanlage bis 29 Grad hochdrehen. So holt man sich definitiv den Sommer ins Fahrzeug. Die Öffnungszeit des Stoffverdecks ist abhängig von der Geschicklichkeit des Fahrers. Mittels Hebel vorne wird es geöffnet, und wer dann mit Schwung und Kraft das Häubchen nach hinten schlagen kann, ist in der Lage, es vom Fahrersitz aus in die Verankerung zu drücken (Gelenkigkeit vorausgesetzt). Oder man macht es einfach mit zwei Handgriffen von außen. Die Fenster senken sich zwar leicht beim Öffnen, verschließen muss man sie aber leider immer noch händisch. Durch die tiefe Sitzposition im Roadster machen sich kaum Verwirbelungen unangenehm bemerkbar.

Wie bereits eingangs erwähnt, greift Mazda beim Takumi auf den 1,5 Liter-Benzinmotor zurück, der 130 PS leistet. In Kombination mit knapp über 1 Tonne Eigengewicht und der perfekten gleichmäßigen Gewichtsverteilung genießt man mit ihm richtiges Kart-Feeling. Sportlich feste, nicht übertrieben konturierte Sitze und das doch sehr straffe Fahrwerk sowie eine sehr direkte Lenkung heben den Fahrspaß noch mehr. Während unserer Testzeit genossen wir eigentlich das Cruisen mit ihm, wobei kurvenlastigere Streckenabschnitte ganz zu seinem Element gehören. Hier zeigt der Roadster, was er kann. Der joystickartige Schalthebel mit den kurzen Schaltwegen verleitet zu flotten Gangwechseln, um stets das Optimum herauszuholen. 152 Nm Drehmoment bei 4.500 Umdrehungen und 8,3 Sekunden beim Sprint auf 100 km/h unterstreichen das subjektive Gefühl von Spritzigkeit und agilem Antrittsverhalten. Bei 204 km/h setzt der Hersteller die Topspeed-Grenze.

Positiv überrascht waren wir vom Durst des Roadsters. Mazda gibt den Durchschnittsverbrauch bei 6,3 Litern an, und diesen haben wir nur um 0,2 Liter übertroffen. Eine super Leistung! Und der Preis von 32.590 Euro für unser Testfahrzeug (inkl. Lackierung) braucht sich ebenfalls nicht zu verstecken.

Der Mazda MX-5 Takumi ist etwas für Roadster-Fans, die sich ein wenig von der MX-5 Riege abheben wollen. Die "kleine" Motorisierung tut dem Spaß am Fahrzeug keinerlei Abbruch, im Gegenteil. Im Zusammenspiel mit Fahrwerk, Getriebe und Lenkung wird das Rotkäppchen wirklich zum bösen Wolf.

Was uns gefällt:

Takumi-Optik, Roadsterfeeling, direkte Lenkung

Was uns nicht gefällt:

Fenster schließen nicht mit dem Dach mit

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1-
Kofferraum: 2-
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 1-

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