Mercedes A 170 Blue Efficiency im Test

100 km/h schafft das Testmodell nach 10,9 Sekunden

Bei der Elektroauto-Euphorie in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mussten die Amerikaner einsehen, dass sie einer Illusion verfallen waren, als sie von der Autoindustrie forderten, sie solle ab 1998 fünf Prozent aller Autos komplett ohne Abgas verkaufen. Das ging damals wie heute nur batterieelektrisch. Es gab aber keine passenden Batterien. Also legten die Amerikaner eine Vollbremsung hin, die Industrie atmete auf und die Welt hatte ein neues revolutionäres Design: die Mercedes-Benz A-Klasse .

Als Mercedes-Benz bei der IAA 1997 der Öffentlichkeit erstmals seine A-Klasse Studie für das Elektroauto der Zukunft präsentierte, zeigte die sich überrascht, denn das Konzept war so überzeugend wie das Design. Um Platz für die große Menge an klassischen Blei-Säure-Batterien unterbringen zu können, hatten die Techniker sich einen Batteriekeller einfallen lassen und für die Passagiere somit eine Belle Etage geschaffen, einen höher liegenden Innenraum. Im "Keller" liegen bei der A-Klasse heute der Motor und eine Menge herkömmliche Antriebstechnik für den ersten Großserien-Fronttriebler in der Mercedes-Benz-Geschichte.

Mit der Form ihres E-Mobils hatten die Designer damals einen Quantensprung hingelegt. Sie schufen den ersten Kompaktvan . Alle Fahrzeuge, bei denen die Motorhaube und die A-Säule im gleichen Winkel flach ansteigen und in ein hohes Dach übergehen, sind Nachfahren der E-Mobil-Studie und letztlich der A-Klasse .

Weil das Design so revolutionär war, lag der Schluss nahe, dass die A-Klasse zum Einstiegs-Mercedes für die junge qualitätsbewusste Familie werden könne. Und so begann es auch. Doch dann übernahm die A-Klasse ein zweites Mal eine Vorreiterrolle, als sie beim Elchtest kippte, was ihr sicher mit einer halben Tonne Batterien im "Keller" erspart geblieben wäre. So sorgte sie - ungewollt aber verdienstvoll - für den Siegeszug des Elektronischen Stabilitäts-Programms (ESP).

Inzwischen entwickelte sich die A-Klasse eher zum Ausstiegs- als zum Einstiegs-Mercedes , zum kleinsten Mercedes für die Grauen Panther. Die gute Übersicht, der bequeme Einstieg in die Belle Etage, die steile Sitzposition , der große Innenraum, der Stern auf der Haube und inzwischen auch passende Innenraumausstattungen haben der A-Klasse zum Erfolg bei den Senioren verholfen.

Wir fuhren einen der seit Mai 2008 überarbeiteten Mercedes-Benz A 170 mit einem zweifarbigen Innenraum, der von beigen Stoffen bei Sitzen und Verkleidung dominiert wurde. Dabei handelte es sich um einen Benziner der Baureihe Blue Efficiency , also um ein Modell mit optimiertem Verbrauch. Dessen Start-Stopp-Automatik und die Anzeige im zentralen Instrument , die zum frühzeitigen Hochschalten auffordert, senken den Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm) um rund einen halben Liter auf Werte knapp über sechs Liter.

In der Praxis verlangte der Vierzylinder-Benziner mit zwei Litern Hubraum , 85 kW / 115 PS und einem maximalen Drehmoment von 155 Newtonmetern zwischen 3.500 und 4.000 Umdrehungen pro Minute rund neun Liter auf 100 Kilometer . Die 100 km/h schafft er nach 10,9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 190 km/h, jeweils mit dem Fünf-Gang-Handschalter aus der Serie.

Auch als Blue Efficiency-Modell zählt die A-Klasse also nicht zu den Sparweltmeistern. Dafür bietet sie viel Innenraum, erstaunlich viel sogar für ein Fahrzeug mit einer Länge von 3,84 Metern . Da auch die Innenraumhöhe bei 1,59 Metern - trotz Keller-Konzept - ausreichend Kopffreiheit lässt, wirkt die A-Klasse innen großzügig. Die gediegene, etwas betagt wirkende und bestimmt nicht überladene Gestaltung von Armaturentafel und Innenraum sowie die steile Sitzposition werden niemanden zu emotionalen Jubelarien hinreißen. Aber die Dinge sind in Ordnung, sowohl bei den Materialien und bei der Verarbeitung als auch beim Sitzkomfort.

Rund 500 Kilogramm Zuladung verträgt die A-Klasse in dieser Version. Der Kofferraum bietet in Normalposition 435 Liter, was zur Kompaktklasse passt. Er lässt sich bis auf knapp 2.000 Liter vergrößern, wenn man auch die Lehne des Beifahrersitzes noch umklappt. Der Laderaumboden , der durch das Umlegen der Sitze in der zweiten Reihe entsteht, ist eben . Neben den großen Verlademöglichkeiten finden sich rundum auch noch viele Staufächer. Es lässt sich also gut leben in der A-Klasse.

Gut fahren lässt es sich ebenfalls. Der Vierzylinder wird in den ersten drei Gängen mit dem Leergewicht von rund 1.250 Kilogramm zwar knurrig, aber gut fertig. Bei einem Wendekreis von fast elf Metern kann man ihn gerade noch den Stadtflitzern zurechnen. In den Gängen vier und fünf lässt das Temperament allerdings nach, was auch mit der großen Stirnfläche zusammenhängen dürfte. Bei Reisen mit Geschwindigkeiten bei 160 km/h fühlen sich die A-Klasse und ihre Insassen ebenfalls wohl. Wird es schneller, wird es laut.

Nach gut einem Jahrzehnt hat man sich an die A-Klasse im Straßenbild gewöhnt. Sie ist ein problemloses Kompaktmobil, dessen Design heute kein Kopfschütteln mehr auslöst, denn viele Mercedes-Benz-Mitbewerber sind ihrem Beispiel inzwischen gefolgt. Jetzt darf man gespannt sein, wie ihr Nachfolger aussehen wird. Wie man hört, wird der nicht mehr unterkellert sein, aber hoffentlich immer noch die Belle Etage anbieten.

auto-reporter

Kommentare

Die neuesten Meldungen

Markenwelt