Mercedes-Benz B 200 CDI - Fahrbericht

Kleine R-Klasse für Junge und jung Gebliebene

Mit dem in Stuttgart für die B-Klasse hausgemachten Begriff " Sports-Tourer " erweckt das Marketing von Mercedes-Benz Erwartungen, die das Auto leider nicht erfüllen kann. Denn dieser Kompakte ist keineswegs ein Sportwagen, sondern eher die kleine R-Klasse für Junge und jung Gebliebene , also ein hohes Reise-Mobil im Stil der noch kleineren A-Klasse.

Bei 4,27 Meter Gesamtlänge entsteht beim Konzept der B-Klasse mit dem Van-artigen Aufbau immerhin ein Radstand von fast 2,80 Meter und damit genug Länge für einen großen Innenraum unter einem hohen Dach . Vier Insassen finden hier bequem Platz, und ein fünfter wird sich nicht allzu beengt fühlen. Auch für das Gepäck bleibt mit 544 Litern viel Raum, der sich durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 2245 Liter vergrößern lässt. Das sind Maße, wie man sie aus der gehobenen Mittelklasse und von Kombis kennt, die wesentlich mehr Straßenraum beanspruchen.

Zum Fahrzeugkonzept gehört auch die hohe Anordnung der Sitze , die nicht nur ein bequemes Einsteigen erlaubt, sondern auch den Überblick über die Verkehrssituation erleichtert. Die Sitze in unserem Fahrzeug ließen sich nicht nur in der üblichen Weise elektrisch verstellen. Wir konnten auch die Seitenwangen an Sitzfläche und Rückenlehne des Fahrersitzes elektrisch anpassen.

Das erhöht zwar den Seitenhalt, lässt aber aus unserem Mercedes-Benz B 200 CDI noch keinen Sportwagen werden. Die Fahrleistungen des Zwei-Liter-Commonrail-Diesels mit 103 kW /140 PS passen durchaus in die Welt der kompakten Mittelklasse, sind aber eben nicht herausragend. Der B 200 CDI beschleunigt in knapp unter zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h und knackt bei der Höchstgeschwindigkeit so gerade eben die 200-km/h-Marke.

Seine 300 Newtonmeter maximales Drehmoment und das bei Mercedes-Benz Autotronic genannte stufenlos arbeitende Automatikgetriebe verschaffen dem rund 1500 Kilogramm schweren Fahrzeug also angemessenen Vortrieb, der jederzeit souverän wirkt. Das als Sonderausstattung erhältliche Getriebe sorgt für ruckfreie Beschleunigung im Automatikmodus, lässt sich aber auch mit Schalthebel oder per Knopfdruck am Multi-Funktionslenkrad per Hand schalten. Auf den Verbrauch übt diese Automatik offenbar kaum negativen Einfluss aus. Der liegt zwischen sechs und acht Litern Diesel auf 100 km.

Das Fahrwerk des B 200 CDI präsentiert sich auch in der Komfort-Einstellung straff und zeigt das besonders bei kurzen Stößen. Die Lenkung dürfte ein wenig präziser und der Wendekreis (rund zwölf Meter) kleiner ausfallen. Aber der B 200 ist eben kein Cityflitzer, sondern ein flotter Reisewagen, den auch große Sporttaschen oder das große Gepäck nicht überfordern.

Der Innenraum erfüllt fast die Erwartungen, ihm fehlt nur das teilweise opulente Design, das bei Mercedes-Benz ab der C-Klasse üblich ist. Die Armaturentafel gibt sich eher rustikal eckig und verbreitet einen Hauch von Nutzfahrzeug. Insgesamt aber gibt er sich in sympathischer Zurückhaltung edel, in unserem Testwagen mit einer zweifarbigen Gestaltung mit grauem Leder. Außen zeigt der B 200 den Anspruch seiner Schöpfer, dem Kompakten die Dynamik ins Blech zu formen mit Hilfe des aktuellen Familiengesichts aller Mercedes-Benz PKW, der gegliederten Seitenflächen und der ausgestellten Radhäuser.

Natürlich fehlt auch bei diesem zweitkleinsten in der Reihe der Mercedes-Benz-Personenfahrzeuge nichts bei Komfort, Umweltverträglichkeit und Sicherheit. Hier ist die Basisausstattung schon umfangreich , zum Beispiel mit aktiven Kopfstützen vorn, dem Elektronischen Stabilitäts-Programm, Gurtkraftbegrenzer und Gurtstraffer sowie Seitenairbags und Diesel-Partikelfilter. Auf Wunsch gibt es Fensterairbags an beiden Seiten und viele weitere Details aus der Aufpreisliste für die Anpassung an die eigenen Erwartungen. Der Preis für die Basisversion des B 200 CDI liegt bei 32.189 Euro, die Autotronic kostet rund 2.000 Euro zusätzlich. Ein Schnäppchen ist der Mercedes-Benz B 200 CDI also nicht, aber ein echtes Multitalent, veredelt mit dem Mercedes-Stern.
 
auto-reporter