Mercedes SL-Klasse - Testbericht

Preis-Bandbreite zwischen 92.000 und 260.000 Euro

Der Besitzer eines Mercedes SL 300 Flügeltürers hätte den Fahrer eines SL 300 Roadster von 1957 einen Warmduscher genannt, wenn das Schmähwort damals schon geläufig gewesen wäre. Denn mit seinem Flügeltürer konnte er Rennen gewinnen. Roadster-Fahrer dagegen wollten auch Komfort und Luxus genießen. Heute muss man sich nicht mehr für oder gegen Sportlichkeit oder Komfort entscheiden. Wie gut sich heute beides verbinden kann, beweist die Neuauflage des Mercedes-Benz SL .

Die Automobiltechnik vergrößert heute sogar den einstmals unüberwindlich scheinenden Spagat zwischen rauer Sportlichkeit und luxuriösem Gleiten. Das zeigt schon das weit gespreizte Motorenprogramm beim neuen großen Mercedes-Benz Roadster. Im SL 280 bietet Mercedes einen neuen Einstiegs-Sechszylinder mit 170 kW / 231 PS an. Im SL 350 arbeitet ein ebenfalls neuer "Sportmotor", ein Hochdrehzahl-Sechszylinder mit 232 kW / 316 PS. Der Achtzylinder im SL 500 leistet 285 kW / 388 PS und der Zwölfzylinder im SL 600 380 kW / 517 PS. Wem das noch nicht reicht, der kann sich bei AMG mit einem Achtzylinder von 386 kW / 525 PS und einem Zwölfzylinder von 450 kW / 612 PS bedienen. Es ist also für jeden SL-Freund und jede Geldbörse etwas dabei.

Eines der Erfolgsrezepte des SL stellt die Verbindung von zeitgemäßem Design mit klassischen Elementen dar. Den Vätern des SL liegt offenbar sehr daran, den Kontakt zur Vergangenheit - in diesem Falle Tradition genannt - zu betonen. Der Kühlergrill mit dem großen Stern in der Mitte, getragen von einer einigen, breiten Querspanne, stammt ebenso von den beiden ersten SL wie die beiden oft kopierten Kiemen am hinteren Ende des vorderen Kotflügels und die typischen langen, "Powerdome" genannten Ausbuchtungen auf der Motorhaube. Die Haube selbst trägt ebenfalls Züge des Ur-SL. Bei der Präsentation des neues SL in Los Angeles war die Rede davon, dessen Stil sei Vorbild für die kommenden Mercedes-Benz Modelle, dort vermutlich ohne Powerdomes.

Mit dem Bug und dem Heck signalisiert der aktuelle SL Bodenhaftung im sportlichen Sinne . Die Gestaltung betont die Breite. Der Blick des neuen Gesichts mit den weit in die Seite hineingezogenen Scheinwerfern wirkt energischer als beim Vorgänger. Hinten wird die ganze Wuchtigkeit des Auftritts deutlich: breit und hoch auf breiten Reifen spricht dieses Heck mit Diffusor-Optik und den beiden rautenförmigen Auspuffendrohren eine deutliche Sprache. Der Vorausfahrende lernt beim Blick in den Rückspiegel, dass er besser die Bahn räumt. Das Heck signalisiert ihm zum Trost: Ärgere dich nicht! Hier kannst Du leider nicht mithalten.

Die Seitenansicht spricht eher die Fußgänger am Straßenrand an. Auch hier steht der Blechanzug zwar für Sportlichkeit und Geschwindigkeit. Doch die Designer paarten die ausgestellten Radhäuser, die ansteigende Keillinie und den Schweller mit einer großen Portion Eleganz. Selbst bei geschlossenem Blechdach wirkt er gleichzeitig schnell, stark, hochwertig und chic - ganz der neuen Philosophie der Marke entsprechend.

Genau passend zu diesem Äußeren geriet auch das Interieur. Weiche, elegante Linien und gute Materialien bestimmen das Bild. Dank der umfangreichen Einstellmöglichkeiten der bequemen und doch guten Seitenhalt vermittelnden Sitze und des Dreispeichen-Lenkrads finden selbst Sitzriesen eine gute Position hinter der flachen Windschutzscheibe . Man sitzt tief im SL, so tief wie in einem Sportwagen üblich.

Das Fahren bei offenem Dach gerät bei diesem Roadster zu einem unerwartet großen Vergnügen. Denn erstens halten Aerodynamik und Windschott den Fahrtwind fast ganz draußen und zweitens sorgt die Nackenheizung namens "Airscarf" in der Kopfstütze für wohlige Wärme. Bei der Präsentation des SL in Kalifornien pendelten wir zwischen sechs Grad Celsius in 2.000 Metern Höhe und 31 Grad Celsius in der Wüste - immer mit offenem Dach. Uns war es nie zu kalt.

Wir hatten viel Spaß an der neuen mechanischen Direktlenkung, die dem Zweitonner eine unerwartete Agilität verschafft, an dem serienmäßigen Sieben-Gang-Automaten , der vom SL 350 an sogar mit Zwischengas schaltet und an der neuen Generation des Aktiven Fahrwerks.

Schon der SL 280 schafft die 100 km/h-Marke nach 7,8 Sekunden und wird bei 250 km/h abgeregelt. Doch das Gefühl der sportwagentypischen Leichtfüßigkeit stellt sich erst beim SL 350 ein, der 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h benötigt. Beim SL 500 sind es 5,4 Sekunden und beim SL 600 4,5 Sekunden .

Mercedes zeigt sich wieder stolz darauf, dass die neuen Motoren mehr leisten und weniger verbrauchen. Beim SL 280 laufen nach der Euronorm durchschnittlich 9,4 Liter Super pro 100 km durch (entsprechend 224 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ), beim SL 350 9,9 Liter (326 g/km), beim SL 500 11,9 Liter (284 g/km) und beim SL 600 13,9 Liter Super Plus (330 g/km) . Den Zwölfzylinder bezeichnet Mercedes-Benz als den sparsamsten seiner Klasse.

630.000 SL-Roadster hat Mercedes-Benz seit den Anfängen 1957 weltweit absetzen können. Es sieht ganz danach aus, als werde sich diese Erfolgsgeschichte mit dem neuen SL noch steigern lassen. Denn immer mehr Menschen können und wollen sich Fahrzeuge wie dieses leisten, die sich voller Kraft, Komfort und Sportlichkeit sowohl für die Langstrecke als auch für den sportlichen Spurt eignen.

auto-reporter

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