Mitsubishi Outlander 2.0 DI-D SST im Test

Das SUV von Mitsubishi, der Euro-Japaner aus den Niederlanden, zeigt sich stilistisch rundum erfrischt und kuppelt seit Neuestem auch doppelt.

Der Outlander ist das japanische Kind der Ménage à Trois zwischen Mitsubishi, Peugeot und Citroen; die französischen Halbgeschwister heißen 4007 bzw. C-Crosser. Das Kooperations-Modell ist seit 2006 auf dem Markt, gebaut wird es bei NedCar im niederländischen Born. Diese Basis hat sich auch in unseren Tests als gelungen erwiesen; alle drei Modelle haben jetzt ihre jeweiligen Facelifts und technischen Upgrades erhalten. Die aktuelle Stylinglinie der Marke widerspiegelt sich vor allem im Jet-Fighter-Gesicht, das deutlich aggressiver wirkt als die frühere Gestaltung.

Im Farbton "Orient Red" unseres Testwagens kommt die Neue Grimmigkeit unserer Meinung nach besonders gut zur Geltung. Ansonsten finden sich an Outlanders Äußerem nur kleine Detailretuschen: zum Beispiel blieben die insektenhaften Rückleuchten ebenso erhalten wie die horizontal geteilte Heckklappe. Antriebsseitig beginnt das Outlander-Spektrum mit einem 2,0 Liter-Benzin-Saugmotor mit 147 PS samt Fünfgang-Schaltgetriebe, er ist nur mit Vorderradantrieb und nur in der Basisausstattung "Invite" zu haben, zum Preis von 21.990 Euro. Inbegriffen sind um diesen Preis beispielsweise ABS, aktive Stabilitäts- und Traktionskontrolle, sechs Airbags, CD/MP3-Radio, Klimaanlage, etc. Am anderen Ende der Skala rangiert der zweite Benziner, er hat 400 Kubikzentimeter mehr Hubraum und offeriert eine Leistung von 170 PS in Kombination mit Allradantrieb und CVT-Getriebe. An auf unserem Markt wohl wichtigeren Dieselaggregaten gibt es zwei Stück, nämlich einen Zweiliter-Turbo mit 140 PS und den von uns getesteten 2,2 Liter-Motor mit 156 Pferden und einem Drehmoment von 380 Newtonmetern. Der wird mit einem Sechsgang-Schalter oder, als weiterer Neuheit, mit einem Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Fahren wir gleich los, denn dem neuen Getriebe namens SST mit seinen sechs Fahrstufen gilt unsere größte Aufmerksamkeit.

Es gibt den vollautomatischen Modus sowie eine manuelle Schaltebene, entweder via den überaus griffigen kleinen Schaltknauf oder mittels der großen Metall-Paddles hinterm Lenkrad, die verlockend in Reichweite der Finger liegen. Das neue Getriebe muss sich klarerweise Vergleiche mit der Konkurrenz gefallen lassen, und in puncto Reaktionsschnelligkeit setzt es keine neuen Maßstäbe. Die Reaktionszeiten sind um ein Augenzwinkern länger als bei Konkurrenzprodukten aus deutschen Landen. Die Schaltvorgänge sind nicht rabiat, aber deutlich spürbar. Alles in allem erinnert die Charakteristik eher an eine konventionelle Automatik, dessen Rolle es innerhalb der Modellpalette ja erfüllen soll. Der manuelle Eingriff ins Procedere lohnt sich beispielsweise beim Anfahren aus dem Stand, weil der Motor eine leichte Anfahrschwäche aufweist, die man mit längerem Verweilen im ersten Gang kaschieren kann.

Wer sich manuell durch die untersten Gänge durchzappt (was wohl ein oder zwei zusätzliche Schluck Diesel braucht), kommt rascher von der Ampel weg als im automatischen Betrieb. Es gibt einen Sportmodus, der die Gänge höher ausdreht, was bei einem Dieselmotor allerdings eigentlich nicht nötig ist. Das 4x4-System hat sich auch z.B. im Peugeot 4007 bereits im Testbetrieb bewährt; es gibt sich als anpassungsfähiger Allround-Könner von Autobahn bis Feldweg. Echte Offroad-Eskapaden scheitern an der Bodenfreiheit und der nicht vorhandenen Untersetzung. Eine Straße, egal welchen Zustandes, sollte es also geben, und dort ist der Outlander in seinem Element. "On-road" bietet er kultivierten, reisetauglichen Komfort. Wer den Antrieb auf 2WD stellt, spart Sprit, merkt aber beispielsweise auf regennasser Fahrbahn schon einen Unterschied in der Trittsicherheit. Im Zweifel lässt man hier den Computer über die Traktionsverteilung entscheiden. Die Fahrleistungen sind souverän, mit einer angegebenen Vmax von 198 km/h und einem Sprint von Null auf 100 in 11,7 Sekunden. Wer hier nicht die erforderlichen Kraftreserven findet, ist in der Schwerlast-Branche oder macht etwas falsch.

Der Durchschnittsverbrauch wird vom Werk für beide Spielarten, handgeschaltet und doppelgekuppelt, mit 7,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer angegeben. Wir verzeichneten Werte von knapp über 8 Litern, durchaus adäquat. Im Innenraum hat sich primär rund um den Fahrerplatz etwas getan. Man freut sich über neu gezeichnete, hübsche Instrumente in neuem Armaturenkasten; außerdem wurden einige Oberflächen in neuen Materialien ausgeführt. Flächen wie der Armaturenträger und die Oberseite der Türen präsentieren sich - allerdings nicht in der Basisvariante mit Vorderradantrieb - mit Kunstlederüberzug und weicher Polsterung. Sie passen somit viel stimmiger zu den komfortablen, lederbezogenen Sitzmöbeln und zum griffigen Lenkrad. Es wohnt sich subjektiv angenehmer als früher. Das Lenkrad ist, typisch für die Marke, immer noch nur höhenverstellbar; für die Zukunft geben wir die Hoffnung nicht auf. Im Zusammenspiel mit dem höhenverstellbaren Fahrersitz lässt sich dennoch eine reisetaugliche Position finden. Die Topvariante "Instyle" wartet mit allen erdenklichen Goodies auf wie z.B. Sitzheizung, 18-Zoll-Leichtmetallräder, Bi-Xenon Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Audiosystem mit sechsfach-CD-Wechsler samt Navi mit 40 GB-Festplatte, Lederausstattung,und Bluetooth-Freisprecher, oder auch einem elektrischen Hub-/Schiebedach. Letzteres hat seine Tücken, weil es den Kopfraum im Fond einschränkt, was den ansonsten untadeligen Komfort (die Hecksitze sind längs und in der Lehnenneigung verstellbar) für Menschen über 1,80 etwas trübt. Zu guter Letzt zum Preis: In der getesteten Version als "Instyle" mit 2,2 Liter-Diesel und SST-Getriebe steht der Mitsubishi Outlander mit 39.920 Euro in der Liste.

Fazit:

Plus: verbessertes Interieur; souverän motorisiert

Minus: leichte Anfahrtsschwäche

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 1
Bedienung: 3
Komfort: 2-3
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 2
Sicherheitsausstattung: 2

Resümee: Das SST-Getriebe soll beim Outlander die Funktion einer Automatik übernehmen, und die erfüllt es auch tadellos. Der Sportmodus ist in Kombination mit dem Dieselmotor nett gemeint, aber nicht notwendig. Alles in allem ist die SST-Variante eine Bereicherung der Outlander-Palette in einem Markt, der an der Kombination "Diesel & Automatik" immer mehr Geschmack findet.

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