Nissan GTR im Test

Mit seinen 485 PS spielt der Nissan GT-R in der Liga der Supersportwagen. Wie er sich fährt und was er kann, zeigt er im Auto-Motor.at Test.

Die Geschichte des GT-R startet schon 1964, als die erste Skyline Limousine in Japan präsentiert wurde, bei der die Zusatz-bezeichnung "GT-R" für die schnellste Variante stand. Im Laufe der Jahre wurde die Coupe-Variante des Skyline immer sportlicher, und der GT-R wurde zur japanischen Sportwagenikone.
Schon bei kleinen Kindern wurde der GT-R dank Playstation zum Geheimtipp, wenn es darum ging, alle anderen Autos auf der Spielkonsole zu schlagen. Und das bereits vor Jahren, als man den Wagen in Europa und Amerika noch gar nicht kaufen konnte. Denn erst mit dem 2008 eingeführten neuesten GT-R ist der Supersportwagen auch linksgesteuert erhältlich, was nicht nur die Playstation-Generation freudestrahlend zur Kenntnis genommen hat.

Man muss noch gar nicht vor dem Auto stehen, schon beim Durchlesen der technischen Daten und Gimmicks, die der GT-R bietet, läuft jedem Auto-Fan das Wasser im Munde zusammen - und der Pulsschlag steigt automatisch. Der 3,8 Liter V6 Twin-Turbo leistet 485 PS (357 kW) und hat ein maximales Drehmoment von 588 Nm, welches zwischen 3.200 und 5.200 U/min zur Verfügung steht. Die Schaltung erfolgt über ein neu entwickeltes Doppelkupplungsgetriebe, welches schon im Normalmodus blitzschnell die Gänge wechselt. Wer es noch sportlicher möchte, kann mittels Kippschalter in den "R-Modus" gehen, wo die Schaltzeiten nochmals beschleunigt werden. Hier ahnt der Computer durch Kontrolle der Drosselklappenstellung, der Fahrgeschwindigkeit und einiger weiterer Parameter den nächsten Gang voraus. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der 465 cm lange und 1.815 kg schwere Sportwagen in rasanten 3,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h.

Nach der nackten Theorie nähern wir uns voller Spannung dem Testauto, um herauszufinden, wie man die geballte Leistung auch tatsächliche auf die Straße bringt und ob es möglich ist, mit einem solchen Auto die geltenden Tempolimits einzuhalten. Wir lassen uns also in die sportlichen Schalensitze fallen und erwecken die 485 PS per Knopfdruck zum Leben. Schon nach wenigen Millisekunden zaubert uns der herrliche Sound des Twin-Turbo-Motors ein Lächeln auf die Lippen, und wir fragen uns, ob wir das serienmäßige Bose Sound System mit 11 Lautsprechern wirklich jemals verwenden werden... Gleich nach dem Start führt der Bordcomputer einen kurzen Check durch, erst dann kann der edle Schalthebel in die gewünschte Position geführt werden und die Fahrt kann beginnen.

Überraschend ruhig und angenehm lässt sich der GT-R durch die Stadt bewegen. Natürlich erfordert es einen zarten Gasfuß, um nicht über die 50 km/h-Marke zu kommen, die schneller erreicht ist, als man "Uschi" sagen kann. Egal wo man unterwegs ist, der Nissan zieht die Blicke der Passanten und anderen Verkehrsteilnehmer magisch an. Porsche & Co. ist man hierzulande ja schon gewohnt aber einen GT-R sieht man nicht alle Tage und dementsprechend groß ist das Interesse. Die Reaktionen reichen dabei von "Daumen nach oben" über neidische Blicke bis zu Foto-Sessions mit der Handy-Kamera. Unbeeindruckt lässt dieses Auto niemanden.

Aber zurück zum Test: Richtig wohl fühlt sich der Nissan erst dann, wenn er außerhalb der Stadt seine Leistung zeigen darf und man über kurvige Landstraßen dahin gleitet. Der GT-R kann dann entweder im Automatik-Modus bewegt werden, oder die Gänge können auch über die sehr gut positionierten Schaltwippen am Lenkrad gewählt werden. Dank der unzähligen elektronischen Helfer lässt sich der Sportwagen auch im Grenzbereich beeindruckend lässig bewegen und sollte auch ungeübte Fahrer vor nicht allzu große Schwierigkeiten stellen. Je nach Fahrbahnuntergrund, Grip und Gaspedalstellung wird die Kraft auf alle vier Räder verteilt. Sollte man doch etwas zu flott unterwegs sein, mischt sich das ESP ein und stabilisiert das Fahrzeug. So sind auch auf Rennstrecken beeindruckende Rundenzeiten möglich, wobei auch teilweise stärkere Autos der Konkurrenz mit dem GT-R nicht mithalten können.

Damit der Fahrer jederzeit mit allen gewünschten Informationen versorgt wird, hat man dem Nissan in Zusammenarbeit mit SonyPolyphony Digital und Xanavi Infomatics Corp. einen Infomonitor mit elf verschiedenen Bildschirmdarstellungen spendiert. Hier kann der Fahrer auf jeder Seite die gewünschten Informationen einblenden lassen. Von der Schaltanzeige über den momentanen Verbrauch, die Öltemperatur, die Gaspedalstellung, die Beschleunigungskräfte, die Bremskraft bis hin zu Rundenzeiten kann man sich alle wichtigen und auch weniger wichtigen Informationen anzeigen lassen - Rennsportfeeling pur. Über den gleichen Monitor werden auch Radio, Klimatisierung und Navigation gesteuert. Das Navigationssystem mit 30 GB Festplatte, auf der auch noch bis zu 3.000 Musiktitel Platz finden, hat der Nissan GT-R schon serienmäßig an Bord.

Das Fahrwerk ist natürlich ganz auf Sport getrimmt, kann jedoch mittels Kippschalter auf "Comfort" gestellt werden, wo dann nicht jeder Kanaldeckel ans Kreuz der Passagiere gemeldet wird. Wer auf der Rennstrecke unterwegs ist, kann den Schalter aber auch auf "R" legen, dann spürt man aber jeden Kieselstein. Die Sportsitze sind auch auf langen Strecken sehr angenehm, zumindest für nicht allzu beleibte Passagiere, da die Sitzbreite durch die besonders stark ausgeformten Seitenteile recht schmal ist. Der Seitenhalt für schlanke Personen ist dafür ausgezeichnet. Auf den Rücksitzen können zur Not auch Erwachsene für kurze Strecken Platz nehmen, auf eine längere Reise würden wir uns hinten aber nicht einlassen. Für den Urlaub zu zweit, einen ausgiebigen Einkaufsbummel oder Besuch am Golfplatz ist der sportlichste Nissan aber absolut geeignet. Er beeindruckt mit einem in seiner Klasse herausragenden Kofferraumvolumen von 315 Liter, in dem z.B. zwei Golfbags Platz finden.

Bei soviel Kraft ist aber nicht nur Luxus gefragt, sondern auch die Sicherheit, und die wird beim GT-R ebenfalls groß geschrieben. Neben den elektronischen Hilfen stehen auch sechs Airbags und eine neue "Carbon Crashbox", die bei Frontkollisionen die Passagiere noch besser schützen soll, zur Verfügung. Der GT-R ist also ein Sportwagen mit hohen Sicherheitsreserven, der auch abseits der Rennstrecke viel Spaß macht. Weniger Spaß machen vermutlich die vielen Tankstopps, die man zwangsweise einlegen muss, wenn man flotter unterwegs ist. Wer ständig die Leistung abruft, wird mit 20 Liter auf 100 Kilometer leben müssen, wer dagegen den Gasfuß ganz zart einsetzt, der wird mit unter 15 Liter das Auslangen finden. Wir haben im Schnitt 15,8 Liter verbraucht. Jedoch wird das die wenigsten Kunden stören, denn im Vergleich zu anderen Sportautos dieser Klasse ist man durchaus sparsam unterwegs, und schon beim Kauf spart man vergleichsweise viel Geld: Der GT-R in der von uns getesteten "Premium Edition" schlägt mit 101.479 Euro zu Buche - inkl. aller im Test erwähnten Komfort- und Sicherheitsfeatures. Wer noch 1.000 Euro drauflegt, bekommt die "Black Edition" mit schwarzem Fahrzeughimmel und der Sonderfarbe "Superblack". Für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse wahrlich ein Sonderangebot.

Was uns gefällt:
Top-Leistung, Fahrverhalten, Ausstattung, der Sound!

Was uns nicht gefällt:
Dass sich der GT-R abseits unsers finanziellen Rahmens bewegt…

Testzeugnis:

  • Ausstattung Sicherheit: 1
  • Ausstattung Komfort: 1
  • Verbrauch: 3
  • Fahrleistung: 1+
  • Fahrverhalten: 1+
  • Verarbeitung: 1
  • Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 2-
  • Platzangebot Rückbank: 4
  • Kofferraum: 3
  • Ablagen: 2-
  • Übersichtlichkeit: 2-

 

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