Nissan Juke Nismo RS im Test

Nissans Power-Juke ist seit dem letzten Jahr in seiner optimierten Version der Herausforderer in der Crossover-Kategorie. Wir stellen uns dieser Aufgabe und kreuzen mit ihm die Schwerter.

Gleich eines vorweg: Wenn Ihnen jemand beim Nennen der konkreten Fahrzeugtype nach dem "Nismo" Gesundheit wünscht, wäre es an der Zeit, entweder das Gesprächsthema zu wechseln, oder das Vis-á-vis darüber aufzuklären, dass damit des Herstellers eigene Motorsportabteilung gemeint ist. Das Kürzel RS (Racing Sport) steht kurz für eine Rennsemmel, die eben nicht nur auf ebensolchen Strecken, sondern auch im Alltag Fahrspaß liefern soll. Keine Frage, dass wir daher noch ein wenig genauer hinschauen mussten.

Nismo RS bezeichnet das Topmodell des Crossovers, welches ohne Extras 31.240 Euro kostet. Dafür gibt es viel Sportliches besonders für das Auge: eine Metalliclackierung, 18 Zoll-"Nismo"-Leichtmetallfelgen mit 225/45-er Reifen, carbon-schwarzes Interieur, Nismo RS Bodykit und Fußmatten, Sportauspuff, rote Nähte bei Lenkrad, Schaltknauf sowie Sitzen - und natürlich, wie es sich für eine Rennmaschine gehört: ein Start-Stopp-Knopf.

Damit ist schon ein sehr starkes Paket geschnürt, welches nur mehr um wenige Optionen erweitert werden kann. In diesem Fall sind es zum einen das RS Technology-Paket mit 360° Around View Monitor, der im Navigationsdisplay wiedergegeben wird sowie Safety Shield für 360° Sicherheit mit Totwinkelassistent und Xenon Hauptscheinwerfer. Zum anderen, für dieses Fahrzeug unserer Ansicht nach unverzichtbar, die Recaro-Sportschalensitze, die eben nicht nur sportlich ausschauen, sondern auch Entsprechendes leisten. Doch mehr dazu später. Insgesamt kommt unser Testfahrzeug damit auf 34.100 Euro. Für einen japanischen Kraftlackl wie den Nismo RS durchaus in einem akzeptablen Bereich.

Bereits von außen unterscheidet sich der Nismo RS von den anderen Juke-Gefährten und zeigt deutlich, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Er ist eben ein Juke, kein Joke. Größerer Dachspoiler, rote Akzentleisten im Stoßfänger, wuchtige Schweller - nicht zu vergessen der Nismo RS-Schriftzug. Im Innenraum fanden die Designer genau die richtige Mischung aus sportlich-aufgeräumt und dennoch komfortabel. Becherhalter sowie Ablagen sind ausreichend vorhanden. Die Verarbeitung wirkt edel. Der Mix aus Klavierlack bzw. Carboneinlagen zusammen mit den Alcantara-Lederapplikationen in der Türverkleidung oder über den Armaturen wirkt sehr ansprechend.

Trotz seiner kompakten Maße von 4,17 Metern Länge findet sich im Nissan ausreichend Platz im Fond. Sofern man sich mit der Beinfreiheit zum Vordermann arrangieren kann, haben zwei Erwachsene hinten entsprechende Kniefreiheit. Sparsamkeit hat beim Juke besonders beim Beladen Vorrang. Aufgrund der zweistufig an Höhe verstellbaren, fast ebenen Ladefläche ist man mit der Gesamthöhe zur Hutablage sehr eingeschränkt. Das Kofferraumvolumen beginnt bei 354 Litern, mit umgeklappter Rückbank fasst der Japaner 797 Liter.

Den Nissan Juke Nismo RS gibt es motorisch in zwei Versionen. Zum einen als Fronttriebler, wie wir ihn hier getestet haben, dieser hat einen 1,6 Liter Turbo-Benzinmotor und stemmt 218 PS auf die Kurbelwelle. Die zweite Version wäre der allradgetriebene Juke Nismo RS mit einem Xtronic-M8-Getriebe, der jedoch mit dem gleichen Motor 4 PS weniger liefert. Eine Kombination von Allradantrieb mit Schaltgetriebe ist im Augenblick nicht möglich.

Aber kehren wir zu unserem Modell zurück und schauen auf die knallharten Fakten: Bei einem Eigengewicht vom 1.342 Kilo sorgen die 218 PS für enormen Schub. 280 Nm lassen den Japaner beim Ampelsprint durchaus überzeugen. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Juke so in exakt sieben Sekunden. Die Tachonadel bleibt laut Werksangabe bei 220 km/h stehen. Bis dahin bereitet der Nissan - egal bei welcher Geschwindigkeit - Fahrspaß pur. Das beginnt schon beim Anlassen des Aggregates. Per Startknopf wird der Nismo RS aktiviert.

Sein sonorer Klang lässt zwar nicht die Fensterscheiben vibrieren, zeigt jedoch, dass hier rassige Rennpferde unter der Motorhaube darauf warten, Auslauf zu bekommen. Genial - fast giftig - finden wir seinen Antritt durch den Turboschub. Besonders begeistert uns sein Sechsgang-Schaltgetriebe, das sich wirklich sehr sportlich schalten lässt. Knackig präzise rasten die Gänge ein, deren Übersetzung hervorragend zu Motorperformance und Geschwindigkeit passt. Lediglich bei einer Geschwindigkeit über 140 km/h vermisst man aufgrund der Geräuschkulisse einen 7. Gang. Generell sind die Wind- und Rollgeräusche im Innenraum des Juke trotz seiner SUV-Bauweise erstaunlich gering.

In Sachen Fahrwerk leisteten die Ingenieure bei diesem Juke Großartiges. Obwohl wegen des Vorderradantriebs bei eingeschlagener Lenkung und starker Beschleunigung wie es beim Wegfahren auf einer Kreuzung oft notwendig ist, einige Pferde in Rauch aufgehen, kann man im Allgemeinen über die Performance beim Kurvenräubern nicht meckern. Hier leistet das mechanische Sperrdifferential gute Dienste.

Im D-Mode (einstellbar per Tastendruck) kann man zwischen drei Performance-Einstellungen wählen: Normal, Eco, Sport. Diese beeinflussen die Motorcharakteristik, die Lenkung und die Klimatisierung. Ein farbiges Zusatzdisplay gibt weitere Infos. Grundsätzlich liegt das Velourledersportlenkrad gut in der Hand und vermittelt gleich das Gefühl, noch die Rennhandschuhe dazu anzulegen. Eine sehr direkte, straffe Lenkung gibt das nötige Feedback, das so eine Sportskanone auch benötigt.

Deutlich merkt man die Racinggene bei den Bodenwellen, da jede Fahrbahnunebenheit direkt an die Wirbelsäule weitergegeben wird. Die optional erhältlichen Recaro Sportsitze leisten hier einen wertvollen Beitrag zum Fahrgefühl. Phänomenaler Seitenhalt und eine in der Neigung verstellbare Rückenlehne lassen uns eine ideale Sitzposition finden. Wer jedoch mit diesem Nissan längere Strecken unterwegs ist, muss sich der festen Polsterung bewusst sein, die Schalensitze mit sich bringen.

Den Spagat zwischen Rennauto und sparsamem Ökofutzi schafft kaum ein Hersteller. So ist es nicht verwunderlich, dass die Werksangaben von 9,6 Liter im Stadtverkehr, 5,7 Liter Überland und 7,2 im Drittelmix während unserer Testzeit nicht erreicht wurden. Zugegeben, das Fahren mit dem Nissan Juke Nismo RS macht derart viel Spaß, dass man lieber das G-Meter am Display betrachtet als die ECO-Anzeige. Somit haben wir weniger Sternchen beim Verbrauch gesammelt, als wir gekonnt hätten. Deshalb mahnte uns der Bordcomputer bei etwa 11 Litern mit beherztem Gasfuß zu zivileren Gangarten, welche die Anzeige wieder auf knapp unter 10 Liter schraubten.

Nissan schafft mit dem Juke Nismo RS einen kompakten Kampf-SUV, der nicht nur mit seiner Gesamt-Performance überzeugen kann, sondern sich auch optisch als Motorsportler outet. Sucht man gezielt Schwächen, so jammert man auf hohem Niveau, denn wer ein Rennauto für den Alltag möchte, verzichtet gerne auf Kofferraum und niedrigen Verbrauch. Einzig die Tatsache, dass dem Schaltgetriebe ein Allradantrieb ebenso gut stehen würde, wäre unserer Ansicht ein Punkt für Verbesserungsmöglichkeiten. Ansonsten ist der Japaner ein echtes Rennauto für den Alltag.

Was uns gefällt:

Motorperformance, außergewöhnliches Styling, Recaro-Sportsitze

Was uns nicht gefällt:

keine Kombination mit Allrad möglich, Kofferraumvolumen

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 2
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 2-
Ablagen: 2
Übersichtlichkeit: 2

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