Nissan Leaf - Elektroauto im Praxistest

Um die Elektroautos ist es wieder sehr ruhig geworden. Wir prüfen, wie es sich mit dem Nissan Leaf im Alltag leben lässt und welche Vor- und Nachteile ein Elektroauto bringt.

Der Hype um Elektroautos ist stark zurück gegangen, und immer mehr Hersteller verabschieden sich von ihren E-Auto-Plänen. Nissan war mit dem Leaf einer der ersten Hersteller, die ein vollwertiges Elektroauto ins Sortiment genommen haben. Bereits vor einem Jahr haben wir den Leaf zum Test gebeten (siehe: Nissan Leaf Testbericht ), jetzt hatten wir nochmals die Gelegenheit, das japanische Elektroauto in einem Praxistest mit einem konventionell betriebenen Fahrzeug zu vergleichen.

Ein Elektroauto hat zum Start einmal mit gleich zwei negativen Eigenschaften zu kämpfen: Dem Preis und der Reichweite. Auch wenn die 37.490 Euro für den Leaf kein Schnäppchen sind, bietet er um diesen Preis aber schon eine komplette Komfort- und Sicherheitsausstattung inkl. Navi, vorprogrammierbarer Standkühlung/heizung, Keyless-Entry und -Start und noch einer Menge weitere Goodies.

Zudem ist der Fahrkomfort mit Fahrzeugen der Luxusklasse zu vergleichen, da der Elektromotor fast geräuschlos seine Arbeit verrichtet und man so selbst bei Autobahntempo leiser unterwegs ist als mit einer Luxuslimousine.

Ausstattungsbereinigt kostet der Nissan Leaf dann nur noch gleich viel wie der Basis-Diesel der Mercedes A-Klasse, bietet aber die wesentlich dynamischeren Fahrleistungen. Beide Fahrzeuge haben eine Leistung von 109 PS (80 kW).

Mit einem maximalen Drehmoment von 280 Nm, die bereits vom Start weg und bis zu 2.750 U/Min zur Verfügung stehen, sticht der Leaf den kompakten Mercedes aus. Dabei ist die Leistungsentfaltung des Nissan besonders beachtlich, da man vor allem im Stadtbetrieb und beim Beschleunigen enorme Kräfte zur Verfügung hat.

Auf der Autobahn hängt die A-Klasse dann den Leaf wieder ab, da der Elektro-Nissan auf 145 km/h Höchstgeschwindigkeit limitiert ist - dies sollte auf den Straßen in Österreich aber kein Problem sein.

Ärgerlicher ist dann eher die Reichweite, denn schon nach rund 100 bis 120 Kilometern verlangt der Nissan wieder nach einer Steckdose. Auch wenn sich der Innenraum so geräumig präsentiert, dass man auch eine Urlaubsreise mit dem Leaf unternehmen könnte, so ist maximal ein Wochenendausflug ins Umland möglich.

Doch wie oft braucht man das Auto wirklich für längere Etappen? Wir haben den Leaf also in der Praxis getestet und festgestellt, dass man recht gut mit der Reichweite zurecht kommt, selbst wenn man nicht in einer Großstadt wohnt, sondern etwas außerhalb.

Da ist dann zwar der nächste Baumarkt nicht ums Eck, aber mit der Reichweite von rund 120 Kilometern kann man sein Tagespensum an Erledigungen locker unterbringen. Selbst der Weg zum Flughafen und wieder nach Hause ist kein Problem, und auch ein Ausflug am Wochenende ist machbar.

Mittlerweile gibt es nämlich mehr Ladestationen, als man denken sollte. Der Leaf zeigt einem diese auch via Navi an und lotst einen bei Bedarf auch gleich zur gewünschten Steckdose. Etwas Planung setzt das aber natürlich voraus.

Zudem muss man sich auch erst einmal daran gewöhnen, dass bei einem Elektroauto die Gesamtreichweite nicht viel größer ist, als bei einem Diesel die Reichweite der Reserve vom Aufleuchten der Warnlampe bis zum Stillstand.

Die Anzeige im Leaf arbeitet aber sehr genau und stellt sich sofort auf die jeweilige Fahrweise um. Fährt man zum Beispiel auf die Autobahn, reduziert sich die Reichweite gleich mal um einige Kilometer, da hier mehr Strom benötigt wird. Fährt man dann wieder ab, kommen wieder einige Kilometer Restreichweite hinzu. Hat man sich daran erst einmal gewöhnt, kommt man bestens zurecht und kann die Reichweite immer voll ausreizen.

So gefällt der Leaf dann in der Praxis auch sehr schnell, denn zur absolut leisen Fortbewegung kommt auch jede Menge Fahrspaß hinzu, ohne dass der Komfort leidet.

Der Leaf ist bei der Federung ganz auf den US-Geschmack abgestimmt und bügelt selbst große Schlaglöcher gekonnt weg, bietet dabei dank dem sehr niedrigen Schwerpunkt aber eine Straßenlage, die man oft nicht einmal bei Sportcoupés findet.

Die Kombination aus tief positionierten Batterien und dem ebenfalls weit unten eingebauten Elektromotor lässt den Leaf wie ein Brett liegen und ermöglicht Kurvengeschwindigkeiten, bei denen man den Großteil der anderen Autos hinter sich lässt.

Sind die Batterien dann leer, kann der Leaf entweder an einer Schnellladestation oder einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose geladen werden. Via Schnellladestation ist man in rund zwei Stunden wieder mit vollen Batterien auf der Straße, zu Hause genehmigt sich der Leaf dann rund acht Stunden bis zur vollständigen Aufladung. Ein Garagenplatz mit Stromanschluss sollte also vorhanden sein, somit eine weitere Hürde für das Elektroauto.

Die Handhabung ist dabei sehr einfach, und man kann die Ladung auch vorprogrammieren, falls man zum Beispiel zu bestimmten Tageszeiten einen günstigeren Strom hat. Ausgehend von einem Normalpreis von rund 18 Cent pro kWH, kostet die vollständige Aufladung der 24 kWh großen Batterien rund 4,50 Euro, da immer ein bisschen mehr Strom nötig ist, als die Batterie Kapazität hat.

Geht man davon aus, dass man 100 Kilometer weit kommt (oft ist es auch um 20% mehr, weniger war es in unserem Test aber nie), dann sind die 4,50 Euro ein sehr guter Preis. Der Mercedes A180 CDI, mit dem wir den Leaf schon vorhin verglichen haben, hat in unserem Test rund 5,6 Liter Diesel konsumiert, womit wir bei einem Dieselpreis von rund 1,35 Euro bei Kosten von 7,56 Euro pro 100 Kilometer wären. Bei einer Fahrstrecke von 10.000 Kilometer im Jahr kommt somit das Elektroauto rund 300 Euro günstiger beim Verbrauch.

Der Nissan Leaf hat in unsrem Praxistest sehr schön gezeigt, dass jene, die täglich nicht mehr als 100 Kilometer zurück legen, eine umweltfreundliche Alternative haben, die preislich nicht mehr kostet als ein vergleichbarer Premium-Kompaktwagen, aber wesentlich mehr Fahrspaß bietet.

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