Testbericht: Der neue Nissan Leaf

Die zweite Generation des Nissan Leaf zeigt sich technisch ausgereifter und bietet mehr Reichweite. Wie er sich im täglichen Leben bewährt, verraten wir im folgenden Testbericht.

Nissan hat mit der ersten Generation des Leaf große Erfolge gefeiert, der Leaf ist das bislang weltweit meistverkaufte Elektroauto. Die zweite Generation soll den Erfolg jetzt fortführen. Das Design zeigt sich dabei nicht mehr so mutig wie bei der ersten Generation, der neue Leaf wirkt zwar sehr modern, hat aber sein optisches Alleinstellungsmerkmal verloren. In der Masse der Fahrzeuge sticht er keinesfalls mehr so hervor, wie noch die erste Generation. Dennoch gefällt er mit einer klaren Linienführung und geschärften Kanten, die ihn auch dynamisch wirken lassen.

Für unseren Test haben wir den Leaf in der Top-Ausstattungslinie Tekna gewählt, in der er auf einen Listenpreis von 39.850 Euro kommt. Im Preis enthalten ist schon eine sehr gute Basisausstattung inkl. ProPILOT, LED-Scheinwerfern, Velours-Ledersitzen, einem BOSE Premium Soundsystem, NissanConnect EV Multimediasystem mit 7"-Touchscreen und Navi, Klimaautomatik und noch vieles mehr.

Der Innenraum wirkt jetzt auch hochwertiger und ist geräumiger als bei der ersten Generation. Das digitale Cockpit bietet verschiedene Darstellungs-möglichkeiten, und man findet sich trotz vieler Funktionen schnell zurecht. Die verbliebenen Knöpfe sind logisch angeordnet und leicht verständlich. Auch der 7"-Touchscreen kann mit einer schönen Darstellung und einfachen Bedienung aufwarten. Viele Ablagen sind ebenfalls an Bord, und so gibt es auf den ersten Blick nichts am Innenraum auszusetzen.

Der erste Kritikpunkt kommt jedoch, wenn man sich seine Fahrposition einrichten möchte. Dann stellt man nämlich fest, dass auch bei der neuen Generation das Lenkrad nur in der Höhe, nicht aber in der Länge verstellbar ist, was nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Die Sitze selbst sind sehr bequem, und auch das Platzangebot ist wie eingangs erwähnt deutlich großzügiger als bisher. Das Kofferraumvolumen liegt bei 385 Litern und ist damit im Schnitt der Kompaktklasse angesiedelt. Für die Kabel gibt es zudem rechts und links Netze, wo man sie sicher unterbringen kann.

Bei einem Elektroauto geht es aber vor allem um den Antrieb, und auch hier hat sich in der neuen Generation einiges getan. Die Leistung des Elektromotors liegt jetzt bei 150 PS (110 kW) und schon vom Start weg hat man ein Drehmoment von 320 Nm. Wer die volle Leistung abruft, sprintet in nur 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 144 km/h. Der Fahrer kann dabei zwischen einem normalen Fahrmodus und einem Eco-Modus wählen.

Im Eco-Modus ist die Leistungsausbeute nicht ganz so hoch, was man deutlich spürt. Hier wirkt der Leaf etwas schaumgebremst und vermittelt nicht mehr so viel Fahrspaß wie im Normal-Modus. Dafür kann man die Reichweite ordentlich steigern, wenn man im Eco-Modus unterwegs ist. Wer den Eco-Modus wählt, kann die vom Werk versprochenen 270 Kilometer Reichweite nach WLTP-Standard durchaus erreichen, wir sind im Eco-Modus auf 250 Kilometer gekommen. Wer im Normal-Modus unterwegs ist, sollte mit rund 200 Kilometern Reichweite kalkulieren, was auch noch deutlich besser ist als bisher. Immerhin verfügt der neue Leaf aber auch über eine 40 kWh große Batterie.

Beeindruckt hat uns das "One-Pedal-Driving", welches man via Knopfdruck in der Mittelkonsole aktivieren kann. In diesem Modus kann man den Leaf nur mit dem Gaspedal bewegen. Nimmt man den Fuß vom Gas, setzt sofort eine ordentliche Bremswirkung ein, so dass man außer in Notsituationen niemals das Bremspedal betätigen muss. Der zusätzliche Nutzen ist natürlich, dass man so wieder viel Energie zurück gewinnen kann. Ist die Batterie leer, kann man sie via CHAdeMO-Schnellladung mit bis zu 50 kW aufladen. An einer solchen Ladestation hat man rund 80% der Batteriekapazität innerhalb einer Stunde aufgetankt.

Womit wir auch schon beim nach wie vor größten Problem der Elektromobilität sind: Wer seinen Strom zu Hause bezieht oder in der Firma die Möglichkeit hat, sein Elektroauto womöglich gratis zu laden, der ist mit einem Elektroauto bestens bedient. Ist man auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen, wird die Sache schon komplizierter und vor allem auch kostspieliger.

Unser Testfahrzeug war mit einer Smatrics-Karte ausgerüstet, was schon mal von Haus aus die Auswahlmöglichkeit einschränkt. Sucht man nach Ladestationen, stellt man schnell fest, dass es viele verschiedene Anbieter gibt, die alle eine eigene Ladekarte erfordern. Damit wird das Ganze unübersichtlich und auch sehr mühsam. Eine Art "Roaming" wäre hier sicher von Vorteil, vor allem wenn man bedenkt, dass die Ladestationen ohnedies alle mit öffentlichen Fördermitteln unterstützt werden. Aber so kocht jeder Anbieter sein eigenes Süppchen, das zudem recht teuer werden kann, wie wir bei Smatrics heraus gefunden haben.

Wer zum Beispiel den mittleren Tarif mit monatlicher Grundgebühr von 14,90 Euro wählt, zahlt pro Minute Highspeed-Ladung 0,20 Euro. Für eine Stunde Ladung ergibt das einen Preis von 12 Euro, damit man 80 % der Batteriekapazität hat und im Normal-Modus rund 160 Kilometer weit kommt. Wer vergleichsweise ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor fährt, kann bei einem Benzinpreis von 1,30 Euro bis zu 5,7 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen und ist immer noch günstiger unterwegs.

Zudem ist es reine Glücksache, ob eine Ladestation frei ist oder auch in Betrieb. So kann man zusätzlich viel Zeit verlieren, oder erst gar nicht mehr weiterkommen, wenn die angepeilte Station defekt ist. Das alles ist sehr schade, denn der Leaf selbst ist wirklich sehr gut gelungen. Man hat viel Fahrspaß, und die Straßenlage ist durch den niedrigen Schwerpunkt sensationell.

Auch beim Thema Sicherheit kann der Leaf begeistern, der ProPILOT verfügt über einen Stauassistenten und hält auch brav die Fahrspur. Die 360-Grad-Kamera erleichtert die Rundumsicht und der Leaf ist durchaus sehr wendig.

Die neue Generation des Leaf ist auf jeden Fall ein gelungener Wurf, der mit viel Sicherheit und Fahrspaß begeistern kann. Zudem ist der Preis mittlerweile in einer Region angelangt, wo man unter Einberechnung von Förderungen für den Leaf ausstattungsbereinigt nicht mehr zahlt, als für einen vergleichbaren Diesel.

Was uns gefällt:

die Ausstattung, die Sicherheitsfeatures, der Fahrspaß, das "One-Pedal-Driving", die Straßenlage

Was uns nicht gefällt:

das nicht in der Länge verstellbare Lenkrad, dass die Ladeinfrastruktur nach wie vor nicht optimal ist

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 2
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 3
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 2