Nissan Qashqai 115 PS Benziner - Testbericht

Gerade den 10. Geburtstag gefeiert, schon steht ein Lifting ins Haus. Ob dies nur kosmetischer Art war oder eine wirkliche Verjüngung, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Seit 2006 fährt der Nissan Qashqai auf Österreichs Straßen. Der gefällige Kompakt-SUV ist ein alltagstauglicher Allrounder. Trotzdem war man bei Nissan der Ansicht, man sollte nach dem 10. Geburtstag doch noch etwas nachpolieren. Besser geht ja bekanntlich immer. Die Vivid-Blue Metalliclackierung steht dem neuen Qashqai dabei besonders gut. Für unseren Test haben wir den 1,2 DIG-T Benziner mit 115 PS in der Tekna+ Ausstattung geholt, welche uns auch mit entsprechendem Komfort verwöhnen soll.

Auf den ersten Blick erkennt man das Facelift wirklich nur von vorne: Hier sind Voll-LED-Scheinwerfer mit im Tagfahrlicht integrierten Blinkern und der überarbeitete Stoßfänger die augenscheinlichsten Merkmale. Die Haifischflossenantenne gehört ab der N-Connecta Ausstattung dazu. Preislich startet der neue Nissan Qashqai in dieser Kombination bei 33.907 Euro. Als Extra schlägt bei unserem Testfahrzeug lediglich die Metalliclackierung zu Buche, die den Preis auf 34.483 Euro erhöht.

Vergleicht man die neue Ausstattungsliste mit der alten, zeigt sich das Facelift erst in den Topausstattungen: Statt N-Vision folgt nun gleich die Tekna-Variante, die seit jeher bei Nissan die Speerspitze des Komforts dargestellt hat. Somit setzt die Tekna+ dem Ganzen noch eines drauf, quasi der Maßanzug für unseren City-Crossover. Dieser bestimmt in erster Linie das Interieur. Zu der blitzblauen Lackierung außen stellt das schwarze Innenleben des Qashqai einen schönen Kontrast dar. Die verwendeten Materialien sind wie gewohnt wertig, und auch die Verarbeitungsqualität passt.

Optischer Blickfang sind die neuen Monoform-Designsitze, die durch das Nappa-Leder und die 3D-Struktur darüber hinaus auch einen wirklich angenehmen Sitzkomfort bieten. Die elektrischen Verstellmöglichkeiten einschließlich Lordosestütze lassen uns bequem ermüdungsfrei reisen. Nutzt man den Qashqai als Familienauto, gehört die Memory-Funktion von Fahrersitz und Spiegel sicherlich zu den beliebtesten Features. Vorbei die Zeit, wo man sich über die falschen Einstellungen geärgert hat.

Zwar führen wir sicherheitshalber einen Eiskratzer mit, aber auch für den Winter hat Nissan seinen Crossover gut gerüstet. So gibt es bei der Tekna+ eine beheizbare Frontscheibe für eine schnelle optimale Sicht. Die Schalter für die zweistufigen Sitzheizungen bleiben wie gehabt in der Mittelkonsole. Auch wenn der Dachhimmel normalerweise schwarz ist, gehört das riesige Panoramaglasdach sicherlich zu den Highlights des Qashqai. Gut, dass man dabei nicht vergessen hat, die Leseleuchten für hinten seitlich zu montieren. Das erleichtert Suchaktionen im Fond bei Dunkelheit ungemein.

War das Nissan SafetyShield für 360° Sicherheit vor dem Facelift noch ein Punkt der Optionsliste, gehören diese Assistenten nun zum Standardrepertoire der Tekna+ Ausstattung. Gemeint sind hier die intelligente Bewegungs- und Müdigkeitserkennung, Totwinkelassistent sowie der Querverkehrswarner. Überraschend gut funktioniert der intelligente Einparkassistent, der nun wirklich Sinn macht. Musste man bei anderen Herstellern oft langsam fahren oder ewig lange blinken, reagiert der Nissan auf ein kleines Blinkzeichen. Selbst das Vermessen der Parklücken geht zügig, sodass sich im Stadtverkehr keine genervte Schlange hinter dem Wagen bildet. Dabei wählt der SUV durchaus auch Lücken aus, die keine "Kilometerabstände" vorne und hinten lassen. Außerdem lässt er einen ebenfalls stadttauglichen Randsteinabstand von maximal 10 cm. Die Kamerasicht im Display ist klar und schaltet je nach Gang zwischen vorne und hinten um.

Neu gestaltet wurde ebenso das Multifunktionslenkrad, das jedoch gut in der Hand liegt und uns nach kurzer Umstellungsphase doch rasch alles wiederfinden lässt. Das BOSE-Soundsystem beschallt den Innenraum aus acht Lautsprechern. Selbstverständlich findet sich hier auch das NissanConnect Multimediasystem mit 7-Zoll Display und Navi.

Der City-Crossover bietet Platz für Fünf, wobei es auf der Rückbank doch schon mal enger werden kann, falls eine Dreierbelegung mit zwei Kindersitzen gewünscht wird. Für Kurzstrecken grundsätzlich kein Problem, bei Langstrecken wird es halt kuschelig. Dafür gibt es angemessene Kopf- und Kniefreiheit. Die Ladekapazität blieb ebenfalls beim neuen Qashqai unangetastet und beginnt bei 430 Litern, die sich auf 1.585 Liter erweitern lassen. Praktisch sind hierbei die Flaschenhalterungen hinter den Radkästen und der doppelte Boden.

Bei den Motorisierungen ist für den Qashqai alles beim Alten geblieben. Zwei Diesel und zwei Benziner stehen zur Wahl. Unser Testfahrzeug wurde wie eingangs erwähnt mit dem 1,2 Liter-Turbobenziner ausgerüstet, der 115 PS bei 4.500 Touren leistet. Mit diesem Motor ist nur die Vorderradversion kombinierbar. Wer lieber einen Allrad fahren möchte, muss zum starken Diesel mit 130 PS greifen.

Im Stadtverkehr zeigt sich der Japaner so wie man es erwartet. Kultiviert und laufruhig, agil im Ansprechverhalten. Auf den ersten Blick perfekt. Zwingt man ihn jedoch Überland zu einer spontanen Beschleunigung von beispielsweise 80 km/h weg, dann fällt der Sprint dem Turboloch zum Opfer. Kennt man die Charakteristik des Motors, so lässt sich dies durch Zurückschalten rasch beheben, hier könnten die Ingenieure aber noch Potenzial herausholen. Vielleicht dann beim nächsten Facelift. Das maximale Drehmoment von 190 Nm erreicht der Qashqai bei 2.000 Umdrehungen. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in 10,8 Sekunden, wobei sich seine Schwäche wie bereits erwähnt bei höheren Geschwindigkeiten zeigt. Das Ende des urbanen Fahrspaßes liegt weit über den Grenzen des in Österreich Erlaubten, nämlich bei 185 km/h.

Das Sechsganggetriebe wurde hervorragend abgestimmt und lässt den Nissan in akustisch angenehmen Drehzahlbereichen bei den Schlüsselgeschwindigkeiten 50, 80, 100 und 130 schnurren. Überhaupt finden wir die Geräuschdämmung des Crossovers trotz selbiger Bauweise hervorragend. Ebenso konnte er uns beim Verbrauch überzeugen. Hier lagen wir mit einem Testwert von 6,7 Litern laut Bordcomputer nur einen Liter über den Drittelmix-Werksangaben. Für einen Benziner durchaus zufriedenstellende Werte, zumal wir diesmal öfters in der Stadt unterwegs waren.

Lenkung und Fahrwerk entsprechen unseren Anforderungen an ein Fahrzeug, dessen Einsatzgebiet vorwiegend der städtische Ballungsraum sein soll. Zum Rangieren und Einparken eignet sich die leichtgängige Lenkung hervorragend, das komfortable Fahrwerk schluckt Straßenunebenheiten mühelos. Mehr braucht es nicht.

Mit dem Facelift hat Nissan dem Qashqai kleine kosmetische Korrekturen angedeihen lassen, die ihm nicht nur besser stehen, sondern ihn noch hochwertiger und alltagstauglicher machen. Der geringe Durst lässt uns das Turboloch verschmerzen, er ist halt nichts für Schaltfaule. Insgesamt haben die Ingenieure ein gutes Preis-Leistungspaket mit super Design und Ausstattung geschnürt.

Was uns gefällt:

Design, Ausstattung, Verbrauch

Was uns nicht gefällt:

Turboloch

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 2
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1-
Kofferraum: 1-
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1

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