Der neue Nissan Tiida im Test

Konservativ, problemlos zu bedienenden und geräumig

Liebe Lehrer und Professoren! Sie können den Rotstift getrost stecken lassen. Der neue Nissan schreibt sich tatsächlich mit einem Doppel-I , dass allerdings wie zwei einzelne I gesprochen wird. Bevor Sie den Nissan deswegen verdammen, würde ich ihn mir aber erst einmal ansehen. Der Name ist nämlich der einzige Stressfaktor bei diesem Kompakten. Im Übrigen erhält der Tiida nach unserer ersten Bekanntschaft nur gute Kopfnoten.

Der Tiida ersetzt in der Nissan-Palette die Typen Almera, Almera Tino und Primera und soll Käufer gewinnen, die eher ein konservatives, problemlos zu bedienendes und für sein Klasse geräumiges Fahrzeug suchen . Auch an die Liebhaber großen Kofferraum haben die Japaner gedacht. Denn es gibt den Tiida als Viertürer mit großer Heckklappe im Fließheck oder mit vier Türen und einem großen Kofferraum im kurzen Stufenheck .

Bei der Beurteilung des "Arbeitsverhaltens" geht es um Leistungs-bereitschaft und Zuverlässigkeit. Der Tiida kann sich im Verkehr sicher und rasch bewegen. Der bereits bekannte Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum leistet 81 kW / 110 PS und wird wohl auch für den Tiida der Standardmotor werden. Er bringt den Wagen in 11,1 Sekunden über die 100 km/h-Marke und sorgt für eine Höchstgeschwindigkeit von 186 km/h. Der Gesamtverbrauch soll nach EU-Norm bei im Schnitt 6,9 Liter liegen, was 165 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht. Die Werte gelten für die Handschaltung. Mit der Automatik wird es bei allen Werten etwas mehr.

Der zweite Benziner kommt neu ins Nissan-Angebot. Mit 1,8 Liter Hubraum leistet 93 kW / 126 PS . Der 1,5-Liter-Diesel stellt 78 kW / 106 PS und liegt im Durchschnittsverbrauch bei 5,23 Liter . Die Fahrleistungen mit dem Dieselmotor entsprechen in etwa denen mit dem kleineren Benziners. Es geht mit dem Tiida also weniger um Höchstleistung als um eine angemessen rasche Teilnahme am Verkehr.

Die Beurteilung des "Sozialverhaltens" zeigt die wahren Werte des Tiida. Er ist kein Blender. Seine harmonisch gestaltete Karosserie mit breit und freundlich lächelndem Gesicht löst keine Gefühlstürme aus, sondern fügt sich dem Zeitgeist, wie es sich für ein Auto gehört, das von Nissan in Mexico für alle Märkte gleich gebaut wird. Da kann man sich Polarisierendes nicht leisten.

Das weltweite Harmoniebedürfnis setzt sich im Innenraum fort. Ein klar gestalteter Instrumententräger samt seiner Mittelkonsole trägt nur wenige Instrumente , gibt keine Rätsel auf und verlangt daher vom Fahrer keine Eingewöhnung und wenig Aufmerksamkeit. Armaturenbrett wie die gesamte Innenausstattung verbreiten nicht den Eindruck von Luxus , wohl aber den von Gediegenheit.

Besonders dankbar werden die Insassen die Platzverhältnisse im Tiida annehmen. Schon in der normalen Konfiguration bleibt im Vergleich zu anderen Kompakten viel Raum . Auch Sitzriesen finden unter dem Dach genug Kopffreiheit und können die Vorteile der hohen Sitzposition genießen . Den Hinterbänklern bietet der Nissan zusätzlich Platz, weil die Rücksitzbank um insgesamt 26 Zentimeter verschoben werden kann. Das schafft Platz - entweder für die Insassen oder für das Gepäck.

Der Kofferraum unter dem Fließheck misst daher zwischen 300 Litern und 425 Litern . Unter den Kofferraumdeckel der Stufenheck-Variante passen sogar 500 Liter . Mit Umlegen der Rücksitzbank kann der Kofferraum zum Laderaum werden. Ein wenig knapp fällt allerdings die Zuladung aus. Bei einer guten Ausstattung dürften nicht viel mehr als 350 Kilogramm für Passagiere und Gepäck übrigbleiben.

Das angenehme Sozialverhalten des Tiida erweist sich auch während der Fahrt. Die Lenkung ist ausreichend direkt , ohne zum Kurvenkünstler zu werden. Sie erlaubt mit gutem Geradeauslauf angenehme Autobahnfahrten. Zum Komfortanspruch passen allerdings zwei Eigenschaften nicht: Kurze Stöße werden ebenso kurz und hölzern an die Insassen weitergegeben, und trotz des für eine Gesamtlänge von 4,30 Metern verhältnismäßig langen Radstands von 2,60 Metern, neigt der Tiida zum Nicken. Japaner sind eben freundliche Leute.

Nissan rechnet damit, dass der 1,6-Liter Benziner mit Sechs-Gang-Handschalter in der mittleren Ausstattung "Acenta" mit rund 70 Prozent Anteil am Verkauf das Bild bestimmen wird. Der einfachste Tiida ("Visia") kostet 16.990 Euro . Die Spanne reicht bis 22.940 Euro für den Diesel in der besten, der "Tekna"-Version.

Wissbegierige konnten bei der Präsentation des neuen Kompakten in und um Düsseldorf lernen, dass der Name Tiida aus dem Japanischen kommt und so viel heißt wie Wechsel der Gezeiten . Nissan darf man angesichts der Ebbe im vergangenen Jahr mit rund einem Viertel weniger Verkäufe als 2006 wünschen, dass nun die nächste Flut kommt.

Auto Reporter

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