Nissan X-Trail 1,7 dCi Allrad - Testbericht

Sind SUVs familientauglich? Diese Frage hat Nissan eindeutig mit dem X-Trail beantwortet. Unsere Meinung dazu lesen Sie hier.

SUVs sehen zwar oftmals gut aus, sind aber aufgrund ihrer Gesamtkonzeption nur eingeschränkt familientauglich, wenn die Familie zwei Kinder und mehr hat. Hier mangelt es dann entweder an der Ladekapazität oder an der Möglichkeit, ohne erfahrener Knopflochchirurg zu sein, drei Kindersitze nebeneinander zu montieren.

Hat man nur zwei Kinder mit an Bord, so gehört der mittlere (Not)sitz meist der Oma, ist also unserer Ansicht nach der neue Schwiegermuttersitz. Daher greifen größere Familien lieber zu einem Van. In Sachen Ästhetik macht man damit jedoch große Abstriche – immerhin bewegen wir uns dann schon eher in der Nutzfahrzeugkategorie.

Nissan beschreitet mit dem X-Trail einen anderen Weg. Optisch definitiv als Crossover zu erkennen, zeigt er dynamische Linien, ohne den Kopfraum zu dezimieren, und der wuchtige Auftritt allein der Frontpartie sowie die Chromakzente um den Kühlergrill und rund um das Fahrzeug machen den X-Trail richtig salonfähig. Kurz gesagt, die Familienfreundlichkeit zeigt er nicht von außen.

Aber wie so oft liegen die wahren Werte im Inneren. Darum haben wir uns für die optionale siebensitzige Allrad Tekna-Variante mit der Dieselmotorisierung und Schaltgetriebe entschieden. Die 3. Sitzreihe erhöht den Fahrzeuggrundwert, abgesehen von der Metalliclackierung, von 47.732,- Euro auf 48.757,82 Euro.

Dafür bietet die Tekna-Ausstattung im Innenraum alles, was das Herz begehrt. Nimmt man im X-Trail Platz, fühlt man sich fast wie zu Hause im Wohnzimmer. Die schwarze Lederausstattung wirkt sehr hochwertig. Die Vordersitze wurden äußerst komfortabel gepolstert und besitzen neben zahlreichen elektrischen Verstellmöglichkeiten auch eine Sitzheizung.

Diese wird per Kippschalter in der Konsole bei der Mittelarmlehne aktiviert. Dabei gibt es zwei Einstellmöglichkeiten, die aber selbst im „High“-Betrieb den Sitz nur angenehm erwärmen. Man braucht sich also nicht fürchten, wie bei anderen Herstellern gegrillt zu werden.

Ebenfalls serienmäßig gibt es für den Fond die Möglichkeit, die Sitze zu beheizen. Der dazugehörige Schalter befindet sich ebenfalls vorne und ist nur für die komplette Rückbank auswählbar.

Für den Winterbetrieb gibt es darüber hinaus eine Lenkradheizung. Auch diese wärmt das Lenkrad nur auf Normaltemperatur. Eingefrorene Finger nach dem Eiskratzen aufzuwärmen, sieht sie weniger als ihre Aufgabe.

Dass alltags- und familientauglich durchaus elegant gestaltet sein kann, zeigt das Armaturenbrett des X-Trail sehr deutlich. Das Design des lederbezogenen bzw. mit Softtouch-Oberfläche ausgestalteten Bretts ist geschwungen und fließt in die Gestaltung der Türblätter weiter, sodass ein äußerst stimmiges Gesamtbild entsteht.

Hervorhebenswert ist die Flexibilität des X-Trail besonders, was das Platzangebot betrifft. So gibt es im 5-sitzigen Modus hinten großzügige Beinfreiheit.

Wird mehr Platz im Kofferraum benötigt, kann man die Sitzbank 60:30 verschieben und auf diese Weise die Beinfreiheit nochmals anpassen, um mehr Laderaum zu gewinnen.

In der Tekna-Variante besitzt der Nissan eine elektrische Heckklappe, die sich auch vom Fahrersitz aus bedienen lässt. Sind bis auf die Vordersitze alle Sitze umgeklappt, bietet der X-Trail die Möglichkeit, bis zu 1.996 Liter Ladegut zu transportieren. Bei normaler 5-sitziger Nutzung an vorderster Position bleiben noch 565 Liter.

Erst wenn die dritte Sitzreihe, deren Sitze einzeln flott und unkompliziert aufgeklappt werden können, zum Einsatz kommt, reichen die 135 Liter für Jacken oder kleine Taschen, dafür können aber bis zu sieben Personen mitfahren. Beim Fußraum müssen aber in der dritten Reihe Kompromisse mit der zweiten Reihe geschlossen werden.

Außerdem sind diese Plätze in der Regel am besten für zarte Figürchen geeignet. Selbst wenn Nissan alles getan hat, dass Einsteigen und Platznehmen ganz hinten einfach sind, muss man sich schon geschickt einfädeln können. Dafür können alle auf den Ausflug mit. Das große Panoramaglasdach gibt den Blick nach oben frei und macht den Innenraum so noch luftiger.

Blickfang in der Mitte ist das Touchscreendisplay der Multimediaanlage. Zentrale Befehle wie Audio, Telefon, Navi und die Kameras können zusätzlich mit Hilfe von kleinen Tasten seitlich davon direkt ausgewählt werden. In der Praxis zeigt sich jedoch das 7-Zoll Farbdisplay zu klein für die Fülle an Darstellungsmöglichkeiten, deren wichtigste der intelligente Around-View Monitor mit 360-Grad-Rundumsicht ist. Legt man den Retourgang ein, so splittet der Nissan das Bild auf zwei Sichtweisen.

Jene von oben und jene von der Kamera hinten oder vorne. In der Regel äußerst hilfreich – außer man überlässt dem Fahrzeug das Einparken, was ebenfalls möglich ist – dennoch werden die Bilder sehr klein und ungenau. Glücklicherweise gibt es für den X-Trail Parksensoren, die uns zusätzlich akustisch informieren.

Motorisch gibt es beim X-Trail nur die grundsätzliche Wahl zwischen Benzin oder Diesel, denn für beide gibt es jeweils nur einen Motor. In unserem Fall ist es der 1,7 Liter-Diesel, der im Gegensatz zum Vorgänger nur mehr 150 PS statt 177 PS leistet.

Für den Alltag und nachdem der X-Trail mit 1.879 kg in unserer Testversion einiges an Gewicht mit sich herumschleppt, gerade noch genug. Ein paar Pferdchen mehr dürften es gerne noch werden.

Aufgrund seines maximalen Drehmoments von 340 Nm bei 1.750 Umdrehungen, hat unser Nissan genug Kraftreserven, und mit einem feinfühligen Händchen beim Gangwechsel kann man diese richtig nutzen.

Der Hersteller gibt für den Sprint auf 100 km/h 10,7 Sekunden an, subjektiv würden wir ihn da etwas gemütlicher einschätzen. Dennoch machen dem X-Trail Überholmanöver selbst bei höheren Geschwindigkeiten keine Mühe.

Dank des intelligenten Allradantriebs, der zusätzlich auch per Drehknopf in der Mittelkonsole umgestellt werden kann, verteilt unser Familien-SUV seine Kraft immer auf jene Achse, die sie gerade benötigt.

Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung und Tot-Winkel-Assistent sind ebenfalls mit an Bord. Mit einem Durchschnittsverbrauch um die acht Liter Diesel überschritten wir die Werksangabe jedoch um einiges.

Trotzdem bleibt für uns der Nissan X-Trail einer der ersten SUVs, denen man Familientauglichkeit abnimmt. Mit Platz für bis zu sieben Personen und einer ansprechenden Optik hat man mit ihm auch abseits asphaltierter Straßen richtig Spaß.

Was uns gefällt:

Raumkonzept, ansprechendes Interieur, Sitzkomfort

Was uns nicht gefällt:

7-Zoll-Display könnte größer sein, Verbrauch

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1 mit Kameras und Sensoren