Nissan X-Trail 2,0 dCi Allrad - Testbericht

X-Trail, der Name allein schreit schon nach Offroaderlebnissen und Fahrten abseits befestigter Wege. Doch man muss kein Naturbursche sein, um seine Vorzüge zu lieben.

Endlich hält der Frühsommer Einzug, und es zieht uns nach draußen. Ein Wochenendtrip nach Kärnten steht an. Die Gegend erkunden, ein bisschen Bergluft in unsere Stadtstaublungen lassen. Da rollt der X-Trail gerade rechtzeitig in unsere Redaktionsgarage.

In der Version des 2,0 Liter-Selbstzünders mit dem Komfort des Xtronic-Automatikgetriebes, aber auch der Geländetauglichkeit durch den Allradantrieb steht er als N-VISION vor uns. Optisch ganz wie man sich einen Abenteurer vorstellt. Tarnfarbe, keine verspielten Details oder sportlich- dynamische Linien. Die dazugehörenden 19 Zoll-Leichtmetallfelgen mit dem 225er Schuhwerk sind für echtes Offroad dann doch wieder zu elegant. Ab 43.912 Euro kann man den X-Trail so gerüstet sein Eigen nennen. Dafür hält Nissan einige sehr komfortable Features bereit, die den Ausflug ins Grüne zu einem höchst angenehmen Erlebnis machen.

Um ein wenig von den Schlammspritzern abzulenken, gibt es serienmäßig ein Style-Paket dazu, das die oben erwähnte Bereifung, die silberne Dachreling und eine elektrische Heckklappe inkludiert. Das Suchspiel nach dem Fahrzeugschlüssel entfällt ebenfalls. Gestartet wird per Knopfdruck. Lädt der X-Trail schon äußerlich zu einer Spritztour in die Natur ein, sorgt die Komfortausstattung im Innenraum dafür, dass man nicht aussteigen möchte. Als Highlight der N-Vision-Ausstattung ist das riesengroße Panorama-Glasschiebedach zu nennen. Dieses lüftet nicht nur rasch das Auto, sondern lässt den Innenraum noch größer wirken. Vor allem Mitreisende im Fond genießen hier den Ausblick.

Ein Wochenendtrip mit drei Generationen und vor allem kleineren Kindern hat andere Anforderungen an das Fahrzeug bzw. dessen Ausstattung als eine einfache Zweierbelegung. Besonders der Nachwuchs jubelte über die zusätzlich verbaute 3. Sitzreihe, die mit 562 Euro gerade für Familien eine Überlegung wert ist. Leider fällt dadurch die serienmäßige Divide-N-Hide-Möglichkeit im Kofferraum weg, wo mittels geteilter Abdeckungen 18 verschiedene Verstaumöglichkeiten in Frage kommen. Als 5-Sitzer hält der X-Trail Platz für 550 Liter Ladegut parat. Insgesamt sind bis zu 1.982 Liter möglich.

In unserem Fall entschieden wir uns für zwei Personen in der 2. Reihe, so wird der mittlere Sitzplatz zu einer Armlehne mit Getränkehaltern umfunktioniert, und einem Sitz in der 3. Reihe. Durch die individuell verschiebbaren Sitze der 2. Reihe gibt es mehr Fußraum hinten. Raum für das Gepäck bleibt immer noch genügend.

Nachdem alles seinen Platz gefunden hat, kann es losgehen. Die Sitzqualität vorne lässt keinen Komfort missen. Die beiden stoffbezogenen Vordersitze sind manuell vielfältig einstell- und beheizbar. Sie bieten vor allem einen guten Langstreckenkomfort. Lederbezüge gibt es nur bei der Tekna-Ausstattung. Gerade bei langen Autofahrten will man den Getränkehalter vorne nicht missen, der einen eigenen Klimaanlagenausströmer besitzt und daher die Getränke ebenfalls schön kühl hält.

Gar nicht abenteuerlich, ja geradezu elegant wirkt der Innenraum. Hochglanzeinlagen in Carbonoptik, silber umrahmte Luftausströmer sowie doppelgesteppte Ziernähte geben dem schwarzen Interieur das gewisse Etwas. Die Ablagen wurden gut aufgeteilt und sind entsprechend groß. Zentraler Blickfang in der Mittelkonsole ist das 7-Zoll-Multimediadisplay mit Navi, worauf sich unter anderem die Kamerabilder des 360° Around-View-Monitor anzeigen lassen. Alle Bedienelemente sind leicht und einfach zugänglich. Spracherkennungsverwöhnte werden diese hier vielleicht vermissen. Ansonsten lässt sich alles klar ablesen.

Zwischen den beiden Rundinstrumenten von Tachometer und Drehzahlmesser gibt der Nissan via Lenkradsteuerung zusätzliche Informationen wie z.B. Reifendruck, Benzinverbrauch, aber auch über die derzeit erlaubte Höchstgeschwindigkeit an. Diese Assistenten, zu denen auch ein Totwinkel- und Müdigkeitswarner sowie ein Einparkhelferlein zählen, gehören zur Sonderausstattung Nissan SafetyShield für 360° Sicherheit.

Insgesamt beläuft sich unser Testfahrzeugspreis inklusive der beiden Extras (3. Sitzreihe, SafetyShield) und der Lackierung auf 45.908 Euro. Dafür gibt es aber nicht nur diese hervorragende Ausstattung, sondern eine ebensolche Motorisierung. Der Zwei-Liter-Dieselmotor besitzt vier Zylinder und leistet 177 PS. Dies ist unserer Ansicht nach das ideale Kraftaggregat für den X-Trail, wenn Langstreckenfahrten auch noch Spaß machen sollen. Immerhin tragt der Nissan insgesamt 1.804 kg Hüftgold mit sich herum. Dazu benötigt es entsprechend viele Pferde, um dem SUV den nötigen Vortrieb zu verschaffen. Hinzu kommt ein Drehmoment von 380 Nm bei 2000 Umdrehungen.

Damit fährt sich der X-Trail einfach traumhaft. Beschleunigungsrekorde bricht unser Testfahrzeug mit 10 Sekunden auf 100 km/h zwar keine. Seine Höchstgeschwindigkeit reicht mit 196 km/h für diese Bauart aber durchaus aus. Jedoch scheinen diese Werte zu einem Teil dem Xtronic Automatikgetriebe geschuldet, denn der manuelle Schalter beschleunigt um 0,6 s schneller und erreicht 204 km/h Spitze. Jedoch kann man über das stufenlose Xtronic-Getriebe mit der Allradkombination sonst nicht meckern. Beim plötzlichen starken Beschleunigen scheint man es ein wenig zu überraschen, da es sich eine kurze Gedankenpause genehmigt. Läuft der Nissan jedoch locker vorwärts, werden die Gänge unmerklich gewechselt. Das macht vor allem auf Autobahnen viel Spaß, denn Überholmanöver gehen zügig von statten.

Bei der Antriebsart hat man drei Möglichkeiten, entweder den reinen Vorderradantrieb oder den intuitiven Allrad, wo das System die Fahrbedingungen überwacht und selbstständig die Kräfte verteilt. Plant man tatsächlich, ein unwegiges Gelände aufzusuchen, gibt es noch den permanenten 4x4.

Im Großen und Ganzen hält sich der Durst des X-Trail schön im Zaum. Wir bewegten uns mit voller Beladung auf der Autobahn unter acht Liter, was uns in Anbetracht der Masse nicht erschreckt. Kleines Manko sind die Bremsen, die zwar aufgrund der technischen Assistenten präzise funktionieren, uns aber gerade bei hohen Geschwindigkeiten in Verbindung mit einem starken Herunterbremsen ein wenig zu unterdimensioniert vorkommen. Fahrwerk wie Lenkung des Japaners wurden auf Komfort ausgelegt. Lastwechsel schluckt der SUV recht gutmütig, die Chassis-Control-Technologie sorgt dabei für die nötige Sicherheit. Beim Rangieren unterstützen die Rundum-Kamera und die Parksensoren, die auch die Unübersichtlichkeit ausgleichen.

Der X-Trail gehört nicht zu den City-Lifestyle-SUVs, dafür hat Nissan den Qashqai. Er ist jedoch ein echter Allrounder. Egal, ob man damit einen Anhänger ziehen möchte, die nächste Mountainbiketour oder schlicht einen Familienausflug plant, auf ihn kann man zählen. Der kraftvolle Motor und die sehr gute Ausstattung legitimieren den Preis. Auf geht´s ins nächste Abenteuer!

Was uns gefällt:

Innenraumkomfort, Panorama-Glasschiebedach, Motorisierung

Was uns nicht gefällt:

Bremsen könnten noch kraftvoller sein

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 3 (ohne Kamera)

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