Peugeot 308 CC 1.6 THP im Test

Ja, dies ist ein Cabrio-Test, nur einige Wochen zu früh: Wir haben mit dem französischen Stahldach-Cabrio der kalten Jahreszeit getrotzt.

Waren Sie schon einmal komplett sprachlos? Nicht wegen Husten oder Heiserkeit, sondern vor Verblüffung? - So geht es uns allen irgendwann einmal. Unsereins von der schreibenden Zunft drückt diese Sprachlosigkeit dann in etlichen Zeilen aus; als Beispiel hierfür soll der nun folgende Text dienen.

Nicht viele Worte fielen dem Verfasser zur Idee der Redaktion ein, im tiefen Winter ein Cabrio als Testwagen auszufassen und es einer gründlichen Bewertung zu unterziehen. Denn sehen Sie, zu einer gründlichen Bewertung eines Cabriolets gehört auch eine gewisse Wegstrecke mit geöffnetem Dach. Das lässt sich zwischen Frühling und Herbst unvergleichlich besser einrichten als in der Jahreszeit mit Eis, Schnee und Minusgraden. Aber es war ein Job, der gemacht werden musste - also hinein in die winterliche Landpartie mit dem Peugeot 308 CC , dem großen Stahldach-Cabrio der Marke mit dem Löwen.

Etwas unschlüssig stand das geschmeidige Coupé da auf der winterlich-weißen bzw. alsbald gatschfarbenen Fahrbahn und empfand beim Gedanken an die Außentemperatur augenscheinlich ähnliche Skepsis wie sein Fahrer. Dass wir dann doch eine kurze gemeinsame Ausfahrt "open air" riskiert haben, liegt nicht zuletzt an einem neuen System der Sitzheizung namens "Airwave".

Aus Düsen in der Rücksitzlehne haucht das Auto seinen Insassen kühle oder auf Wunsch auch warme Luft in den Nacken. Als virtueller Winterschal genügt das, wie wir vorausschicken wollen, nicht; aber es sorgt für zusätzliches Wohlbefinden bei kühler Witterung. Es empfiehlt sich, zunächst die Heizung vorwärmen zu lassen und die Airwave-Düsen vor dem Verdeck zu öffnen. Am Anfang ist der Hauch aus den Sitzen nämlich genauso kühl wie aus allen anderen Belüftungsdüsen, bis der Motor halt entsprechende Abwärme liefern kann. Nur hat man die anderen Belüftungsdüsen eben nicht im Genick. Aber dann wird das Empfinden zunehmend wohliger. Eine Verlängerung der Freiluftsaison bis weit in den Herbst hinein erscheint damit realistisch. Die gilt nicht nur für die vordere Sitzreihe; auch im - von Haus aus etwas zugigeren - Fond des 308 CC warten zwei Airwave-Düsen auf wärmebedürftige Nackenpartien. Der Zustieg in Reihe 2 erfolgt bei geschlossenem Dach auf eigene Gefahr (Achtung auf die Türkante!), und dass der Fußraum in dieser ledertapezierten Sitzhöhle knapp ausfällt, wird nicht nur Coupé-Experten von Haus aus klar sein. Einmal dort installiert, profitieren zugluftunempfindliche Mitreisende von bequemen Einzelsitzen.

Meistens wird die Passagierauslastung 25 bis 50 Prozent betragen, in diesem Fall lässt sich hinter den Vordersitzen ein Windschott installieren. Apropos bequem: Das Airwave-System hat seine Auswirkungen auf das Sitzgefühl. Die Sitze lassen optisch einiges erwarten, halten dies dann aber nicht ganz, was wahrscheinlich mit den Luftkanälen in den Sitzlehnen zu tun hat. Die Lordosenstütze lässt sich nicht einstellen, außerdem ist die obere Partie der Lehne unangenehm hart ausgefallen. Also genau die Kombination, die man bei längeren Reisen als unangenehm empfindet. Das Cockpit ist in geradezu verschwenderischer Manier mit Leder tapeziert, dafür denkt Peugeot an den Regenwald und erspart sich hölzerne Zierblenden. Die durchgehende helle Farbgebung lässt den Armaturenträger recht voluminös wirken. Außerdem stechen die dunklen Elemente (Lenkrad, Mittelkonsole etc.) umso deutlicher heraus - ein anfangs gewöhnungsbedürftiger Anblick. Das Fehlen nutzbarer Ablageflächen in dieser Architektur empfindet man auf die Dauer als störend, obwohl man im Cabrio ohnehin nichts herumliegen lassen sollte. In einem Sommerauto par excellence ist die Abwesenheit von Getränkehaltern ein "Downer".

Unser Testwagen war mit dem 1,6 Liter großen Turbo-Vierzylindermotor und seinen 156 PS stattlich motorisiert. Der aufgeladene Vierzylinder mit Direkteinspritzung spricht mit uns höflich und per "Sie". Die Auslieferung des Drehmomentes von 240 Newtonmetern erfolgt schon ab 1.400 Touren, und das gleichmäßig und unauffällig im besten Sinn - ohne Tritt in den Allerwertesten, ohne Durchzugsloch.

Die sechs Gänge des Schaltgetriebes sind in lockerer Streusiedlung um den gemeinsamen Mittelpunkt platziert; die Wege von einem zum anderen sind recht weit. Unangenehmer Nebeneffekt des Alu-Knopfes am Schaltknüppel: Im Winter ist er zunächst eisig kalt. Das wird beim Testbetrieb in Südfrankreich niemandem aufgefallen sein! Auch das Fahrwerk ist, wie das gesamte Auto, mehr der Bequemlichkeit und dem eleganten Cruising verpflichtet als der Jagd nach Hundertstelsekunden.

Der Peugeot 308 CC will gar kein Rennauto sein. Höheres Tempo kann er zwar auf Wunsch liefern, aber er tut es ohne rechten Enthusiasmus: Boulevard statt Quartermile. Die Vmax des 1,5-Tonnen-Autos liegt bei 215 km/h; aus dem Stand ist Tempo 100 in 10,4 Sekunden erreicht. Am Weg dorthin halten sich bei geschlossenem Verdeck die Innenraumgeräusche in angenehmen Grenzen. Bei sanftem Umgang mit dem Gaspedal konnten wir im Durchschnittsverbrauch die 8-Liter-Marke knapp unterbieten; viel tiefer wird man unserer Einschätzung nach nicht kommen. Bei etwas sorgloserem Betrieb pendelten wir uns im Umkreis von 8,5 Litern auf 100 km ein. Die CO2-Emission gibt das Werk mit 167g/km an.

Das Dach öffnet sich vollautomatisch ohne jede manuelle Entriegelung. Bei geschlossenem Verdeck ist der verbleibende Stauraum erwartungsgemäß mager; die 266 Liter freier Raum wollen durch den üblichen schmalen Einwurfschlitz beschickt werden. Im Coupé-Modus bleibt ein Gepäckraum von beachtlichen, wenngleich recht zerklüfteten 465 Litern. Die Kofferraumklappe (von einem "-deckel" traut man sich bei dieser massiven Metallskulptur kaum zu sprechen) will mit Nachdruck geschlossen werden, es gibt allerdings keinen vernünftigen Griff. Dreckige Finger sind praktisch garantiert. Und beim Einparken ist der 308 CC aufgrund der ausladenden Hinterhand und schlechter Übersichtlichkeit der Karosserie ein schwieriger Patient. Die akustische Einparkhilfe kostet extra; unser Testwagen war ein "Active Pro", bei dem es vorne und hinten piepsen darf - zum Preis von 448 Euro.

Weil wir gerade vom Geld sprechen: Die Peisliste für den Peugeot 308 CC beginnt bei 26.990 Euro für die Version mit 120-PS-Benzinmotor in der Basisausstattung "Active". Unsere getestete Motorisierung gibt es nur für die Version "Active Pro", der Basispreis beträgt hier 30.660 Euro inklusive aller Taxen. Serienmäßig sind neben ABS und ESP mit Antischlupfregler sechs Airbags (Front-, Seiten-, Kopf-, jeweils vorne) sowie Isofix-Halterungen im Fond. Hinter den Rücksitzen lauern Überrollbügel auf den Fall des Falles. Die "Active“-Ausstattung umfasst unter anderem fernbediente Zentralverriegelung, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber samt Generalschalter für alle vier Scheiben, Klimaanlage, elektrisch justier- und beheizbare Außenspiegel sowie 16-Zoll-Aluräder. Die Version "Active Pro" rollt auf 17-Zöllern, an Bord sind zusätzlich Licht- und Regensensor, ein recht groß ausgefallenes Sportlenkrad, Alu-Pedalerie etc. Neben der Airwave-Nackenheizung um 3.328 Euro (inkl. Lederausstattung und Windschott) und dem Einparkwarner war die Metalliclackierung um 192 Euro als Extra mit dabei. Das macht in Summe 34.628 Euro. Kein allzu "grand prix" für ein ganzjahrestaugliches, mit gutem Willen viersitziges Cabrio der eleganten Art.

Testurteil:

Plus: elegantes Äußeres; ebenso elegantes Inneres; Airwave-Heizung funktioniert tadellos...

Minus: …kostet aber saftigen Aufpreis, da nur in Verbindung mit Leder & Windschott; Sitze nicht perfekt; unpraktische Details: Wenig Ablagen im Innenraum, Kofferraum mühsam zu schließen

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1
Ausstattung: 2
Bedienung: 2
Komfort: 1-2
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1-2
Sicherheitsausstattung: 1-2

Resümee: Sinn für Eleganz, Mut zu Extravaganz, und dabei noch immer leistbar - der Peugeot 308 CC bringt französisches Savoir Vivre und einen nicht unattraktiven Preis mit an den Verhandlungstisch. Das Airwave-System verlängert die Cabriosaison, kleine Misstöne gibt es in Sachen Sitzkomfort und Bedienung.

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