Peugeot 807 2.2 HDI Exclusive - Testbericht

Gute Fahrleistungen, niedriger Verbrauch aber nicht gerade billig.

Einen Nachteil der dritten Sitzreihe lernt man rasch und brutal: Jetzt sitzen noch mehr Menschen im Auto, die wissen, wo und wie man fahren muss. Selbst die Dreijährige ruft auf der Landstraße: "Opa, gib Gas!" Aber daran kann man sich gewöhnen. Es ist schließlich die eigene Familie, die einen nervt und nicht der französische Van Peugeot 807 2.2 HDI in der Top-Ausstattung namens Exclusive.

Wir hatten uns entschieden, für einen Kurzurlaub mit fünf Erwachsenen und der besagten dreijährigen Hannah einen europäischen Van zu wählen, der aus gutem Hause kommt, in Österreich aber nicht zu den Rennern dieser Klasse zählt. Das trifft für den 807 zu, der schon lange auf dem Markt ist und das Jahr 2009 mit einer Modellpflege sowie dem 2.2 HDI-Motor begann.

Auch nach seiner Auffrischung darf der 807 als Beispiel dafür dienen, dass es nicht unbedingt schlecht sein muss, wenn ein Auto bei einer Design-überarbeitung übersprungen wurde. So blieb diesem Van wie sonst bei den anderen aktuellen PKW aus dem Hause Peugeot das Haifischmaul erspart. Nur die Peugeot-Logos vorn und hinten wurden größer. Erhalten blieb die niedrige Gürtellinie, was Hannah ermöglicht, aus ihrem Isofix-Kindersitz die Landschaft zu sehen und die Geschwindigkeit zu beurteilen.

Der 807 gibt sich unauffällig als Van mit der für diese Klasse typischen, flach ansteigenden Front, aber von europäischem Format. Mit 4,73 Meter zählt er zur Van-Mittelklasse. Innen gibt er sich mit seinen komfortabel aussehenden Ledersesseln vorn, der Sitzbank in der Mitte und den beiden Einzelsitzen hinten als rollendes Wohnzimmer . Die Sitze lassen sich recht leicht zu einem Tisch umklappen oder ausbauen . Wir haben einen der hinteren Sitze ausgebaut, um die 324 Liter Kofferraum hinter einer großen Heckklappe fürs Gepäck und für Hannahs Karre zu erweitern. Maximal sind fast 3000 Liter Laderaumvolumen möglich, und die Zuladung liegt beim 2.2 HDI bei mehr als 700 Kilogramm.

Auch das reicht für die Urlaubsfahrt der Familie. Und die muss auch voll beladen nicht zur Schleichfahrt werden. Denn der Bi-Turbo-Vierzylinder-Diesel mit 2,2 Liter Hubraum stellt immerhin 125 kW / 170 PS und ein maximales Drehmoment von 370 Newtonmeter zur Verfügung. Nur mit Fahrer fährt der 807 immerhin rund 200 km/h schnell und beschleunigt in zehn Sekunden von null auf 100 km/h. Der Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm) liegt bei 7,2 Liter Super . Unser Praxisverbrauch lag in der Nähe dieses Werts und nie über acht Liter . Die Reichweite liegt mit dem 80-Liter-Tank also bei mehr als 1000 Kilometer.

Der 807 fährt sich mit diesem Motor und der Sechs-Gang-Handschaltung sehr angenehm, auch auf weiten Strecken. Die Lenkung arbeitet recht direkt und genau. Die Federung bügelt in allen Geschwindigkeiten auch schlechte Wegstrecken erstaunlich glatt.

Was uns nicht gefällt, ist rasch zusammengefasst: Im langen Vorbau bis zur Windschutzscheibe gibt es eine untere und eine obere Etage. Dazwischen sitzt ein Instrumententräger in der Mitte, der zwei Rundinstrumente und den Bildschirm trägt. Das Ganze wird auch noch vom Tageslicht hinterleuchtet. Manchmal muss man Designer auch mal einbremsen. Die Mittelkonsole unter dieser merkwürdigen Armaturentafel engt den Fußraum auf der Fahrer- und der Beifahrerseite zu sehr ein . Die Türöffnungen vorne geben zwischen Sitzoberkante und dem oberen Rahmen der Tür so wenig Raum frei, dass Sitzriesen sich einfädeln müssen. Die Abstandssensoren vorne und hinten reagieren spät , hoffentlich nie zu spät. Die Bremsen greifen zu giftig zu, so dass beim Anbremsen Fußspitzengefühl gefordert ist, wenn man Hannah und die anderen zufriedenstellen möchte. Die haben spätestens dann wieder ihre Freude, wenn der Wagen steht. Grund: Die motorisch bewegten Schiebetüren an beiden Seiten des 807.

Der Peugeot 807 2.2 HDI Exclusive präsentiert sich als problemloser und komfortabler Reisewagen , der mit guten Fahrleistungen und niedrigem Verbrauch gefällt. Er zählt aber mit einem Preis um die 40.000 Euro nicht gerade zu den Billigtransportern. Hannah weiß noch nicht viel vom Geld. Ihr hat der große Peugeot gefallen, weil sie alles im Blick hat, auch bei der Suche nach einem Platz fürs Auto: "Opa, warum parkst Du nicht?"

auto-reporter

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