Porsche 911 Turbo PDK - Testbericht

Man kann es drehen wie man will: Der Porsche 911 Turbo ist schlicht der beste Supersportwagen, den man für Geld kaufen kann. Punkt.

Ob es einen Fachbegriff für die innige Liebe zu Maschinen gibt, konnten wir leider nicht herausfinden. Fakt ist, dass dieses Phänomen tatsächlich existiert. Und zwar in einer durchaus pathologischen Ausprägung, was sämtliche Insassen des aktuellen Porsche 911 Turbo per ärztlichem Befund nachweisen können. Heilung ist auf zwei Arten möglich: Als erste Lösung kommt lebenslanger Führerscheinentzug in Frage. Und als zweite, äußerst wirksame Medizin fungiert ein Blick auf den Preiszettel: 196.069 Euro für das Testmodell steht da geschrieben. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Ehefrau oder den geneigten Bankberater.

Polizei hin, schnöder Mammon her, konzentrieren wir uns auf das Wesentliche - die pure Geilheit am Fahren. Diese setzt sich dann aus 500 PS, einem Biturbo-Sechszylinder-Boxer, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad, 3,4 Sekunden auf 100 km/h sowie 312 km/h Spitze bei absoluter Alltagstauglichkeit zusammen. Und aus einem unglaublich niedrigen Testverbrauch - mehr dazu im Kapitel "Fahren & Tanken". Verpackt ist diese überirdische Droge im zeitlos eleganten Kleid des Porsche 911, in seiner Ur-Form bereits seit 1963 auf den heimischen Straßen. Dass sich mittlerweile etliche Zentimeter in Länge und Breite sowie Spoiler und andere ausgefeilte aerodynamische Tricksereien in Form von Schlitzen, Löchern und Kanten dazugeschummelt haben, tut dem Mythos 911 keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Der neue Turbo besitzt bei aller Eleganz auch eine unglaubliche Präsenz. Linke Spuren räumt er frei wie eine Tomahawk-Cruise Missile von Präsident Obama höchstpersönlich - ohne dabei jedoch auf sozialer Ebene komplett inkompatibel zu sein, wie zum Beispiel Lamborghini oder Ferrari.

Natürlich, wir sind Österreicher, da gehört Neid zur guten Erziehung. Selten jedoch haben wir während unserer Testfahrten mehr Verkehrsteilnehmer in freudige Erregung versetzen können als mit dem Turbo. Besonders der Trick mit dem Beamen kassierte Top-Ergebnisse in der Thumbs-Up-Wertung: Einfach den Sport-Plus-Schalter drücken (schlägt übrigens mit 5.402 Euro zu Buche, inklusive Stoppuhr und dynamischen Motorlagern), auf Bremse und Gas gleichzeitig treten, warten bis am Lenkrad "Launch Control" aufleuchtet und dann den Fuß von der Bremse nehmen. Was dann geschieht, ist in einem Atemzug mit dem Urknall und Atomfusion zu nennen: Begleitet von infernalischem Fauchen und Brüllen, bei dem selbst das Fernheizwerk in der Wiener Spittelau vor Neid erblasst, scheint der 911 mit allen vier Rädern ein Loch ins Raum-Zeit-Kontinuum zu reißen. Knappe drei Sekunden später durchschlägt er die 100er-Marke und zerrt seinen Insassen weiter unbeirrt die Falten aus dem Gesicht. Wenn es sein muss, bis Mach 0,3. Wer es etwas ruhiger angehen lässt, hat mehr Zeit, sich mit dem unaufdringlichen Luxus und dem hohen Komfort zu befassen, den der Porsche 911 zu bieten hat.

Mehr im nächsten Kapitel:

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