Der neue Porsche Carrera 4 und 4S im Test

Test des neuen Sportwagen mit Allradantrieb auf einem aufgelassenen russischen Militärflughafen

Wie zeigt man, dass ein Allradantrieb gegenüber dem Heckantrieb große Vorteile bei Beschleunigung und Fahrsicherheit bringt und deswegen sein Geld wert ist? Am besten auf Schnee und Eis. Das erweist sich im Hochsommer allerdings in unseren Breiten als schwierig. Porsche fand für die Präsentation des Carrera 4 mit Allradantrieb nördlich von Berlin ein geeignetes Gelände - das Fahrsicherheitszentrum Michelin-Driving-Center in Groß Dölln, einem aufgelassenen russischen Militärflughafen.

Neben der vier Kilometer langen und 91 Meter breiten Startbahn stehen dort genügend Flächen für Fahrten auf gewässertem Asphalt und Kunststoffbelag zur Verfügung, um bei "winterlichen" Straßenverhältnissen die Leistungsfähigkeit eines Allradsystems zu erfahren und darüber hinaus auch auf trockenen Handlingkursen zwischen den gut getarnten Bunkern für Jagdflugzeuge ganz friedlich seinen Spaß zu haben.

Was die heutigen Fahrerassistenz-Systeme mit Geschwindigkeit und Sicherheit zu tun haben, weiß man am besten nach der dritten Station auf dem nassen Slalomkurs, wenn alle Helferlein ausgeschaltet werden, man also ohne das Porsche-ESP "Porsche Stability Management (PSM)" durchkommen musste. Dann ist der Dreher kaum noch zu vermeiden, wenn man sich nicht als Meister im Einfangen eines ausbrechenden Hecks qualifiziert hat.

Vorher - mit allen Systemen - schien die Aufgabe, so schnell wie möglich durch die Pylonen zu wedeln gar nicht so schwierig zu sein. Spaß kam sogar auf, wenn man die Sporttaste gedrückt hatte. Dann erlaubt das System kleine Ausflüge nach außen, bevor das Auto wieder eingefangen wird. So gesehen, war es von den Instruktoren pädagogisch geschickt, die Übung ohne Helferlein ans Ende zu setzen. So verhinderten sie Übermut vor den folgenden Runden auf Kunststoffbelag, der eine glatte Schneedecke darstellt . Jeder wusste nun, was er seinen persönlichen Leistungen am Volant und was er dem Auto zu verdanken hatte.

Wir fuhren einen Porsche Carrera 4S mit dem Porsche Doppelkupplungsgetriebe (PDK) und hatten bei diesen schnellen Runden nie das Gefühl, den Knüppel des serienmäßig eingebauten Sechs-Gang-Getriebes zu vermissen. Die Schaltzeitpunkte lagen so, dass wir es nicht hätten besser entscheiden können. Am Kurvenscheitel stand genau der richtige Gang für die volle Beschleunigung zur Verfügung.

Besonders nach dem Kurvenscheitel spielt der Allradantrieb "Porsche Traction Management (PTM)" eine seiner besonderen Stärken aus: Vortrieb auf allen vier Rädern. Da können sich die 283 kW / 385 PS so richtig ins Zeug legen. Weil der Allradantrieb elektronisch geregelt ist und von null bis 100 Prozent die jeweils richtige Leistung an die richtige Achse bringt und sich dabei vom serienmäßigen Sperrdifferenzial unterstützen lässt, kann man trotz des gewaltigen Vortriebs das bremsende Schieben über die Vorderräder vermeiden.

Unser Fahrzeug war auch mit der "Sport plus"-Funktion ausgestattet, die nur für den Einsatz auf der Rennstrecke gedacht ist und den Charakter des Carrera völlig in Richtung Biest verändert. Er reagiert spontaner auf Lenkradbewegungen und Gasgeben, hält immer eine höhere Drehzahl und schaltet schneller mit deutlichem Ruck nach oben und mit Zwischengasstößen nach unten. Auf unserem 2,9 Kilometer langen Rundkurs brachte das System fast zwei Sekunden pro Runde.

In diesem Modus verliert das PDK eine seiner hervorragenden Eigenschaften: das unterbrechungslose und damit auch rucklose Hochbeschleunigen . Auch auf Sparsamkeit des Motors wird dabei weniger geachtet, zumal der lange siebente Gang des PDK gar nicht mehr eingelegt wird.

Das frühe Hochschalten in den höchstmöglichen Gang bringt beim PDK im Normalbetrieb deutliche Verbrauchsvorteile. Außerdem sorgt der von Grund auf neu konstruierte 3,8-Liter-Sechszylinder mit seiner Direkteinspritzung, geringerem Reibungswiderstand und Nebenaggregaten, die nur noch zugeschaltet werden, wenn sie wirklich benötigt werden für einen Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm) von 10,7 Liter mit PDK und 11,2 Litern mit Handschaltung.

Der Porsche Carrera mit der neuen Version des serienmäßig vorhandenen Porsche Active Suspension Management (PASM) beeindruckt aber nicht nur, wenn man auf der Rennstrecke das röhrende Biest herauslässt. Die andere Seite des Porsche Carrera 4S Cabriolet erlebten wir bei der Heimfahrt vom Driving-Center ins Hotel. Offen mit 100 km/h bei Sonnenschein durch die Alleen der Mark Brandenburg zu gleiten, fast immer im siebten Gang und unterhalten vom neuen Porsche Communication Management (PCM) mit Musik vom eigenen "Stick" - auch das ist Genuss pur. Man möchte ihn sich leisten können.

auto-reporter

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