Der neue Porsche Cayman und Cayman S im Test

Besser als der 911er ?

Welcher Porsche ist eigentlich schöner? Der seit Jahrzehnten sorgsam und vorsichtig gepflegte Porsche 911 mit Heckmotor , der Klassiker? Oder der Cayman , der ohne Zweifel aus Zuffenhausen stammt, aber doch einen eleganteren Schwung im Blech und einen Mittelmotor mitbekommen hat? Darüber lässt sich trefflich debattieren. Für Puristen kommt nur der 911-er in Frage. Für sie bleibt der Cayman auch in der jetzt vorgestellten zweiten Generation nur der späte und kleinere Nachfahre der Sportwagen-Ikone .

Dabei hat der Mittelmotor bei Porsche sogar die längere Tradition als der Heckmotor des 911. Schon Ferdinand Porsches erstes Auto, der 356, hatte seinen Motor zwischen den Achsen. Und seitdem brausen Porsches Rennautos immer wieder mit Mittelmotor zum Sieg. Jüngstes Beispiel dafür ist der Porsche GT3, der dem Cayman einige seiner prägenden optischen Merkmale abtrat.

Den Fahrdynamik-Experten reizt am Cayman-Konzept die ausgewogene Verteilung der Achslasten : 45 Prozent vorn, der Rest hinten. Die Mittelmotorautos drehen schneller in die Kurve ein, heckgetrieben mit leichtem Mehrgewicht auf der Hinterachse noch schneller. Und sein Gewicht von nur 1.350 Kilogramm kommt dem Cayman S beim Wedeln zusätzlich zugute. Er wiegt sogar weniger als ein rennfertiger GT3. Jedes seiner Pferdchen muss nur wenig mehr als vier Kilogramm ziehen.

Unter dem Blech hat der Cayman gegen den 911-er aufgeholt, denn seine Motoren entstammen nun auch der Familie der neuen Sechszylinder-Boxer-Motoren - wie beim 911, jedoch für den Einsatz in der Mitte deutlich überarbeitet. 195 kW / 265 PS bei 7.200 Umdrehungen pro Minute (U/min) und ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern (Nm) über den für einen nicht aufgeladenen Benziner breiten Drehzahlbereich von 4.400 U/min bis 6.000 U/min holt der neue Motor des Cayman aus 2,9 Litern Hubraum .

Der Cayman S darf auf einen 3,4-Liter-Sechszylinder mit 235 kW / 320 PS und ein maximales Drehmoment von 370 Nm bei 4.750 U/min zurückgreifen. Das bringt ihn in 5,1 Sekunde von 0 auf 100 km/h und zu einer Spitzengeschwindigkeit von 277 km/h . Das Basismodell steht dem mit 5,8 Sekunden und 265 km/h kaum nach.

Wer gern noch schneller spurten möchte, der kann das auf zwei Wegen erreichen. Mit der " Launch-Control ", die im aufpreispflichtigen Sport-Chrono-Paket enthalten ist oder mit dem ebenfalls aufpreispflichtigen Porsche Direktschaltgetriebe (PDK) . Die Launch-Control bringt noch einmal 0,2 Sekunden, das Doppelkupplungsgetriebe von Porsche eine weitere Zehntel.

Anstelle des ebenfalls neuen Sechs-Gang-Handschalters sorgt die PDK mit ihrem langen siebten Gang übrigens auch für einen niedrigeren Verbrauch. Um 0,4 Liter Super Plus pro 100 km sinkt der Durchschnittsverbrauch mit diesem Getriebe, das die bisherige Wandlerautomatik namens Tiptronic ersetzt. Doch das Meiste zum um 1,8 Liter auf 9,2 Liter gesunkenen Durchschnittsverbrauch trägt der Motor selbst bei mit Benzin-Direkteinspritzung, geringeren bewegten Massen, weniger Reibung im Motor und viel Feinschliff. Der Cayman (ohne S) braucht 8,9 Liter statt 10,1 Liter auf 100 km. Beide Varianten sind also stärker, verbrauchen aber weniger. Beim Abgas erfüllen beide Euro 5 und gehen sogar in den USA als ultra-sauber (ULEV- Ultra Low Emission Vehicle) durch.

Außer den leistungsstarken Mittelmotoren bringt der Cayman aber fast ebenso viele für Porsche typische Sportwagen-Elemente an den Start wie der 911, vieles davon gegen Aufpreis. So kann man den Charakter des Cayman per Tastendruck auf "Sport" oder den besonders aggressiven "Sport Plus"-Modus umschalten, was man sich für abgesperrte Strecken aufheben sollte.

Mehr als der 911 kann der Cayman auf seine Alltags- und Reisetauglichkeit verweisen. Zwar erinnern das stramme Fahrwerk, die extrem präzise Lenkung und vor allem der gleich hinter Fahrer und Beifahrer vernehmlich arbeitende Motor stets daran, dass man in einem Sportwagen sitzt. Doch verkneift sich das Fahrwerk allzu hartes Auskeilen. Auf Strecken ohne kurze Stöße kann man sogar von Fahrkomfort sprechen. Und die Geräuschkulisse? Wer kauft sich schon einen Sportwagen, bei dem man dem Motor nicht beim Beschleunigen zuhören kann?

Noch etwas hat der Cayman dem 911-er voraus - Kofferraum . Unter die Fronthaube und unter die große Heckklappe passen maximal 410 Liter . Man muss im Urlaub also nicht aus leicht verstaubaren Plastiktüten oder einem speziellen Kofferset leben. Die Zuladung gerät allerdings auch beim Cayman mit weniger als 300 Kilogramm eher knapp. Aber das ist vermutlich nicht kaufentscheidend.

Zum Kauf reizen kann dafür der Innenraum . Er hat mit seiner porschetypischen Innenraumgestaltung und der neuen Mittelkonsole an Reife gewonnen. Zwar fehlt seiner Armaturentafel der Hauch an Opulenz des 911, doch kann diese schlichtere Art auch gefallen, weil sie nicht nur sachlich, sportlich und gediegen wirkt, sondern auch so gestaltetet wurde, dass alles schnell begriffen werden kann. Die Sitze , die es in der Komfortvariate jetzt auch mit Lüftung gibt, saugen einen regelrecht auf. Das entspricht den schon aus dem 911-er bekannten Gefühl, zu einem festen Bestandteil der Fahrmaschine zu werden.

Zu einer Modellpflege zählt heute natürlich auch die Arbeit an Elektrik und Elektronik. Neue Scheinwerfer mit jeweils zwei Augen unter einem neu gestalteten Glas, LED-Tagfahrlicht , LED-Rück- und Bremsleuchten gehören dazu ebenso wie ein neues (aufpreispflichtiges) Porsche Communication Management (PCM) und eine universelle Audio-Schnittstelle in der Mittelarmlehne.

Die Entscheidung zwischen dem großen und dem kleineren Porsche-Sportcoupé fällt also nicht leicht. Vielleicht hilft der Preis weiter. Der Porsche Cayman ist ab 57.620 Euro zu haben, der Cayman S ab 72.880 Euro . Aber dabei bleibt es natürlich nicht, wenn man die volle Leistungsfähigkeit und den ganzen Komfort erleben will. Dennoch hält der Porsche 911 deutlicher Abstand zum Cayman als man es nach den ersten Fahreindrücken mit diesem agilen Sportler wahrhaben möchte. Außer dem Preisunterschied ist da eben auch der Leistungsunterschied.

auto-reporter

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