Mégane Renault Sport - Testbericht

Mit dem Mégane R.S. schickt Renault einen Anwärter auf den Thron der sportlichen Kompaktklasse ins Rennen.

Nein, das ist kein Schreibfehler. Der heißt tatsächlich so. Mégane Renault Sport. Schließlich hat sich die Rennsportabteilung Renault Sport um den Kompakt-klassewagen gekümmert. Und das sieht man dem französischen Flitzer schon im Stand an. Vergessen Sie Blau, Schwarz und Rot, Racing-Gelb nennt sich die Farbe, die der Power-Mégane tragen muss. Für Österreicher gilt das spätestens seit den erfolgreichen Rallye-Einsätzen von Raphael Sperrer im Renault Maxi Mégane in den späten 90ern. Keine Angst, wir verlieren uns jetzt nicht in einer Rückblende in die gute alte Zeit, in der Renault noch die Rallye-Pisten aufmischte. Wobei auch der neue Mégane Renault Sport noch genügend Rennsport-Gene unter dem Blechkleid trägt.

Neben der knallgelben Farbe stechen natürlich sofort die schwarzen 18-Zöller ins Auge. Der perfekte Kontrast und zudem ideal für jene Piloten, die nicht gerne intensive Alufelgen-Pflege betreiben. Ausgestellte Radhäuser und ein mittig angebrachter Auspuff komplettieren das Sportpaket in Kombination mit dem glänzend-schwarzen Kühlergrill. In frechem Rot blitzen die Brembo-Bremssättel zwischen den Felgen hervor. Im Innenraum setzt sich die sportliche Linie fort. Erst recht, wenn man zum eigentlich unverzichtbaren Cup-Paket für 2.500 Euro greift. Denn dann bekommt man nicht nur ein Cup-Fahrwerk mit Sperrdifferenzial, Recaro-Sportsitze und die erwähnten, schwarzen 18-Zoll Alufelgen, sondern auch ein aufgepepptes Interieur. Gelbe Sicherheitsgurte sind ebenso an Bord wie dezent gelbe Sitzflächen und Türverkleidungen sowie ein Lenkrad mit gelber Naht. Ebenfalls gelb ist der Drehzahlmesser unterlegt. Doch der Mégane RS ist weit mehr als nur optische Show.

Spätestens beim Drücken des Startknopfs wird das klar. Heiser röhrend tritt der Vierzylinder- Turbo zum Dienst an, aus dem Röhren wird unter Last ein Respekt einflößendes Fauchen. 250 PS wuchtet das Triebwerk auf die Vorderräder, dank des erwähnten Sperrdifferenzials bringt der Franzose die Kraft auch gut auf die Straße. Die entkoppelte Lenkachse trägt zudem dazu bei, dass sich die Antriebseinflüsse in der Lenkung in Grenzen halten. Die Turbo-Zwangsbeatmung mündet in ein Drehmoment von 340 Nm, dementsprechende Power gibt’s in allen der sechs Gängen. Ein kurzer Druck auf die ESP-Taste lässt den Mégane in den Sport-Modus wechseln. Dann entlockt man dem gelben Boliden alle Reserven und erweitert den ESP-Grenzbereich, ohne ihn vollständig zu deaktivieren. In nur 6,1 Sekunden katapultiert der Renault seine Passagiere auf Tempo 100 km/h, theoretisch ist erst bei 245 km/h Schluss mit dem Vortrieb. Wir glauben das einfach. Nicht ganz glauben können wir allerdings den werksseitig angegebenen Durchschnittsverbrauch von 8,4 Litern auf 100 Kilometern. Wer bei diesem Boliden seinen Gasfuß dermaßen im Zaum halten kann, der wird von der gebotenen Leistung kaum etwas mitbekommen. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass man in der Praxis zumindest zehn Liter einkalkulieren muss, bei schwerem Gasfuß dementsprechend noch einmal mehr.

Das optionale Cup-Fahrwerk ist nichts für Weicheier, das wird ebenfalls schnell klar. Die Straßenlage ist top, auch das Fronttriebler-typische Untersteuern hält sich in Grenzen, aber der Pilot darf nicht zu zart besaitet sein. Ob man dieses doch eher harte Geschoß im Alltag fahren möchte, oder lieber doch auf das Cup-Fahrwerk verzichtet, das muss jeder für sich entscheiden.

Nicht minder beeindruckend sind die Verzögerungswerte des Mégane Renault Sport. Die Brembo-Stopper beißen kräftig zu, der Franzose würde wohl auch auf der Rennstrecke eine gute Figur abgeben. Eine nicht ganz so gute Figur gibt das optionale TomTom Navigationsystem ab. Zum einen ist die Integration ins Armaturenbrett alles andere als elegant, zum anderen wirkt die Grafik altbacken. Immerhin: 520 Euro sind für ein eingebautes Navi ein fairer Preis. Und als besonderer Gag lassen sich andere Navi-Stimmen und sogar Dialekte - etwa wienerisch - von der TomTom-Homepage downloaden und installieren.

Für 250 Euro bekommen besonders sportliche Fahrer den so genannten RS-Monitor. Im Display lassen sich dann Dinge wie Ladedruck, Gaspedalstellung, Bremsdruck, Quer- und Längsbeschleunigung und einiges mehr einblenden und zudem Rundenzeiten stoppen. Last but not least werfen wir natürlich einen Blick auf den Preis des Mégane R.S. Und da fällt die Überraschung äußerst positiv aus. Der Listenpreis liegt bei 30.999 Euro, inklusive dem empfehlenswerten Cup-Paket kommt man auf 33.499 Euro. Im Revier der "Hot Hatches" ist der Mégane Renault Sport daher ein in allen Belangen heißes Angebot.

Testurteil:

Plus: tolle Fahrleistungen; sehr gute Straßenlage; gutes Preis-/Leistungsverhältnis

Minus: Cup-Fahrwerk im Alltagseinsatz etwas zu straff

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 2
Ausstattung: 1-2
Bedienung: 2
Komfort: 3-4
Verbrauch: 3
Fahrleistung: 1
Sicherheitsausstattung: 1

Resümee: .Mit dem Mégane R.S. mischt Renault im Segment der sportlichen Kompakten ganz vorne mit. Komplette Ausstattung und das gute Preis-/Leistungsverhältnis wissen zu gefallen. Im Alltag ist das Cup-Fahrwerk fast zu hart.

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