Renault Captur 90 PS Benziner - Testbericht

Der Captur ist Renaults City-Crossover. Was der Gehsteigkraxler alles drauf hat, lesen Sie im folgenden Bericht.

Jugendlich, für den urbanen Lifestyle gedacht. So beschreibt Renault seinen neuen Captur. Wir haben uns für Sie das Sondermodell 4Austria näher angesehen, welches speziell auf unsere alpenländischen Ansprüche ausgelegt ist.

Der kleinste Captur beginnt bei einem Einstiegspreis von 17.000 Euro. Entscheidet man sich wie wir für den 90 PS-Benziner in der 4Austria Ausstattung, legt man bereits 22.500 Euro auf den Ladentisch. Dafür erhält der Citycrosser eine gut gerüstete Serienausstattung. Sein äußerer Auftritt in Sahara-Orange mit schwarzem Dach ist zwar aufpreispflichtig, macht den Franzosen aber zu einem richtigen Hingucker. Im Preis inbegriffen sind die stark abgedunkelten Seitenscheiben, die den Blick nach innen deutlich erschweren. Eine spezielle 4Austria Beklebung gibt Vorbeigehenden Aufschluss über diese Ausstattungslinie. Außerdem hat unser Captur schwarze, glanzgedrehte 17 Zoll-Leichtmetallfelgen "Emotion", die ihm wirklich ausgesprochen gut stehen.

Für den besseren Sitzkomfort hat der kleine Crossover neben einer bequemen Stoff-Lederoptikpolsterung in Grau auch eine Mittelarmlehne vorne mit einem kleinen Staufach, welche sich komplett nach oben klappen lässt um besseren Zugang zu den Ablagen darunter zu haben. Nachdem sie sich nicht in der Länge verschieben lässt, ist sie für manche Sitzeinstellungen zu kurz. Somit ist das Hochklappen einfach angenehmer.

Österreich verbindet man unweigerlich mit bergigen Gefilden. Und so wundert es wenig, wenn der Captur in dieser Ausstattung über eine besondere Art der "Geländetauglichkeit" verfügt. Die Offroadtauglichkeit wird sich bei einem City-SUV auf ein Querfeldein über einen Wiesenparkplatz beschränken, doch gerade dafür ist der Captur gerüstet. Renault Extended Grip heißt das System, welches per Drehknopf in der Mitte zwischen den Fahrersitzen von "Auto" auf "weiches Terrain" umgestellt werden kann. Sprich: ist die Wiese nass und rutschig, gibt es im Captur ein System, das ESC und ASR in drei Betriebsmodi für eine verbesserte Traktion steuert. Damit sollten auch schlammige oder verschneite Einfahrten zu meistern sein. Leider hatten wir während unserer Testzeit strahlenden Sonnenschein, sodass das System nicht wirklich zum Einsatz kam.

Damit man sich im Großstadtdschungel nicht verirrt, gibt es ein Radio-Navigationssystem R-Link Evolution, das über eine Internetanbindung verfügt. Dieses kann neben dem Touchscreen zusätzlich per Sprachsteuerung konfiguriert werden. Finales Highlight der 4Austria Ausstattung ist das Pack-Premium, welches noch annehmlichen Schnick-Schnack wie Alupedale, Sonnenbrillenhalter an der Fahrerseite, automatisch abblendenden Innenspiegel, Leseleuchte sowie Make-up-Spiegel mit LED-Beleuchtung parat hält.

Auf der Wunschliste wurde wie immer ebenfalls noch einiges angekreuzt, was unser Testfahrzeug und den Alltag mit ihm komfortabler macht. Hier wäre zunächst das BOSE-Surround-Soundsystem genannt, welches das serienmäßige Akramys-System ersetzt. Dieses beschallt den City-SUV ordentlich und hat auch einiges zu tun, zumal der Dreizylinder akustisch einiges entgegenzusetzen hat. Jedoch bürgt BOSE für Qualität, sodass die Lieblingssongs mit einem höheren Schallpegel voluminös und nicht blechern klingen.

Für den Winter wurden die komfortablen Vordersitze mit entsprechenden Sitzheizungen ausgestattet, die sehr rasch ansprechen und wärmen. Nachdem der Captur ja hauptsächlich in den Städten beheimatet ist, kommt uns das City-Paket Plus gerade recht. Dieses ergänzt, neben dem Toten-Winkel-Warner, die serienmäßige Einparkhilfe hinten durch eine Rundherum samt Rückfahrkamera. Einen Parkassistenten, der das Einparken übernimmt, gibt es außerdem. Dieser arbeitet grundsätzlich sehr zuverlässig, zeigt jedoch einen gewissen Respekt vor Randsteinen, der zwar besonders in Hinblick auf geschonte Alufelgen vorhanden sein sollte, jedoch in engen Gassen problematisch werden kann. So kommt es vor, dass 15 cm Randabstand schon zu viel sein können. Außer man hätte gerne neue Seitenspiegel. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn früher musste man dies auch alleine schaffen. Zusammen mit dem Notrad mit Wagenheber landen wir bei einem Finalpreis für unseren Test-Captur von 24.516 Euro.

Wichtig für einen Crossover ist die Ladekapazität. Hier unterstützt den Renault die verschiebbare Rücksitzbank, die 60:40 umklappbar ist. Damit erhöht sich das Ladevolumen beginnend bei 377 Litern bzw. 455 Litern bei vorgeschobener Bank auf 1.235 Liter. Der Sitzkomfort hinten ist dann nicht mehr so angenehm, aber man muss eben Prioritäten setzen. Ansonsten sitzt man im Fond bequem und hat sogar Platz zu dritt, wenn nötig. Ebenso praktisch fanden wir das Handschuhfach, das als Ladenkonstruktion deutlich mehr "schlucken" kann, als die herkömmlichen.

Kommen wir zu den technischen Details des Renault Captur. Der Energy TCe90 ist der schwächere der beiden verfügbaren Benzinmotoren. Wobei mehr in ihm steckt, als man ihm auf den ersten Blick zutraut. Der Dreizylinder hat einen Hubraum von 898 Kubik. Leider ist er in Sachen Sound mehr Hard´n‘Heavy als Symphonieorchester. Sogar Laien erkennen am rauen Charakter, dass hier eben nur drei Zylinder für Kraft sorgen. Doch eben das täuscht über seine wahren Qualitäten hinweg, denn der Captur geht prinzipiell in Anbetracht der gebotenen Leistung ganz gut, spricht sehr spontan auf Gasbefehle an und flitzt in der Stadt problemlos herum. Auch Überland, wenn man richtig die fünf Gänge wechselt und die passenden Drehzahlen hat, macht das Fahren mit ihm Spaß.

Seine maximale Leistung hat er bei 5.000 Touren. Das maximale Drehmoment von 140 Nm gibt es dank Turboaufladung schon bei 2.250 Umdrehungen. Als Sieger aus einem Ampelsprint wird man mit ihm eher seltener hervorgehen. 13,1 Sekunden benötigt er auf 100 km/h. Jedoch ist der Topspeed mit 171 km/h für Österreichs Straßen durchaus ausreichend. Eine leichtgängige Lenkung sowie eine gute, komfortable Fahrwerksabstimmung machen ihn zum Allwegsbegleiter. Lediglich den Verbrauch von 5,2 Litern im Durchschnitt erreichten wir nicht einmal mit großem Bemühen. Bei uns zeigte sich der Captur deutlich durstiger. Werte um die sieben bis acht Liter, je nach Einsatzgebiet, durften es schon sein.

Insgesamt hat Renault mit dem neuen Captur einen optisch coolen City-Crossover im Portfolio, der genug an Platz und Komfort bietet und noch dazu außen wie innen gut ausschaut. Wer den Charme der rauen Dreizylindersoundkulisse schätzt und Verbrauchswerte nicht primär wichtig findet, hat in diesem Franzosen einen schicken Alltagsgefährten.

Was uns gefällt:

Styling, Ausstattung, variable Raumnutzung

Was uns nicht gefällt:

rauer Motor, Verbrauch könnte weniger sein

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 2-
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1-
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-

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