Renault Kadjar 130 PS Diesel - Testbericht

Der Renault Kadjar teilt sich die Basis mit dem Nissan Qashqai, welche Unterschiede es gibt, verraten wir in unserem Test.

Mit dem Kadjar hat Renault seit Kurzem einen modernen Kompakt-SUV im Programm, welcher über ein wesentlich dynamischeres Design verfügt als der doch etwas biedere Koleos. Das neue Markengesicht mit den Voll-LED-Scheinwerfern verleiht dem Kadjar einen überaus sportlichen Auftritt und einen sehr eigenständigen Charakter. Unter dem hübschen Blechkleid teilt sich der Kadjar seine Basis mit dem Nissan Qashqai, der schon Nissan zu neuen Verkaufsrekorden geführt hat.

Für unseren Test haben wir den Kadjar in Kombination mit dem 130 PS starken Dieselmotor, Allradantrieb und der Bose-Ausstattungslinie gewählt. Im Preis von 33.990 Euro sind dann schon 19"-Alufelgen, ein Bose Soundsystem, das Navigationssystem R-Link 2 mit 7"-Touchscreen, die Pure Vision Voll-LED-Scheinwerfer, ein Nappaleder-Multifunktionslenkrad, eine 2-Zonen-Klimaautomatik und elektrisch anklappbare Seitenspiegel mit an Bord.

Optional hatten wir noch die sehr schöne "Dezir-Rot" Metallic-Lackierung, das Winter-Paket, das Park-Premium-Paket, ein Glaspanoramadach und das Leder-Paket mit an Bord. Der Gesamtpreis summiert sich damit auf 38.598 Euro, lässt aber kaum noch Wünsche unerfüllt, und der Kadjar präsentiert sich so überaus luxuriös.

Im Innenraum zeigt der Kadjar einen gelungenen Mix aus Renault-typischen Designelementen, wie dem Tacho mit großem digitalen Rundinstrument und dem 7"-Navibildschirm sowie Elementen, die direkt aus dem Qashqai übernommen wurde, wie etwa die Schalter für die Fensterheber oder die Klimaautomatiksteuerung. Die Armaturenlandschaft ist dabei sehr übersichtlich gestaltet, und man findet sich auch schnell zurecht. Lediglich die Schalter für die Sitzheizung sind etwas versteckt auf der Erhöhung für die vordere Mittelarmlehne untergebracht. Die meisten Funktionen können über den 7"-Touchscreen aufgerufen werden, welcher nach Beendigung der Fahrt auch automatisch seine Eco-Bilanz einblendet, was für Sparfüchse sicher ein nettes Feature ist.

Beim Platzangebot zeigt sich der Renault Kadjar sehr großzügig. Selbst in der zweiten Reihe gibt es noch genügend Raum für die Passagiere. Hinzu kommen viele praktische Ablagen, wobei vor allem jene im unteren Bereich der Mittelkonsole positiv hervorsticht. Diese bietet nämlich genug Platz für mobile Geräte, die via USB- oder AUX-Anschluss dort auch gleich angeschlossen werden können. Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen von 472 Liter im Durchschnitt der Klasse angesiedelt, bietet dafür aber viele praktische Lösungen für die Sicherung der zu transportierenden Gegenstände.

Einen guten Mix aus Spritzigkeit und Sparsamkeit soll der 1,6 Liter-Dieselmotor bieten, der über eine Leistung von 130 PS (96 kW) verfügt. Sein maximales Drehmoment von 320 Nm liefert der Motor schon bei 1.750 U/Min. Was sich am Papier jetzt mal nicht so spektakulär liest, ist in der Praxis aber überaus lebendig zu bewegen. Schon vom Start weg zeigt der Kadjar Sprinter-Qualitäten und hängt sofort gut am Gas. Diese Tugend bleibt ihm auch bei höherer Geschwindigkeit erhalten, so dass man sich niemals untermotorisiert fühlt.

Auch beim Zwischensprint kann der Kadjar voll überzeugen und überrascht mit einer Spritzigkeit, die man oft bei deutlich stärkeren Fahrzeugen nicht erlebt. Das manuelle 6-Gang-Getriebe ist dabei eher länger übersetzt, so dass man auch sehr schaltfaul unterwegs sein kann. Die Gänge lassen sich sehr leicht und über kurze Wege wechseln. Wer die volle Leistung des Motors abruft, sprintet in 10,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist bis zu 190 km/h schnell.

Sehr sportlich zeigt sich der Kadjar auch bei den Themen Fahrwerk und Federung. Die Federung ist für ein Auto dieser Klasse überraschend straff ausgeführt. Wer sich im dynamisch gezeichneten SUV von Renault eine sänftenähnliche Federung erwartet, der wird hier enttäuscht. In Kombination mit der direkten Lenkung kann man den Kadjar so überaus sportlich bewegen. Dank dem Allradantrieb wird die Kraft auch immer perfekt auf alle Räder verteilt, zumindest dann wenn man vom 2WD-Modus in den Auto-Modus schaltet.

Über die aktuelle Lage der Kraftverteilung informiert dabei eine Anzeige im Tacho, welche die Verteilung zwischen Vorder- und Hinterachse in Prozent anzeigt. Als dritte Möglichkeit kann am Drehknopf in der Mittelkonsole der "Lock"-Modus gewählt werden, bei dem die Verteilung der Kraft 50:50 erfolgt. Somit kann man mit dem Kadjar auch abseits befestigter Straßen noch gut voran kommen, und im Winter wird die Fahrt zum Skigebiet zum reinsten Vergnügen.

Positiv überrascht hat uns auch der Verbrauch. Zwar haben wir die vom Werk angegebenen 4,9 Liter nicht erreicht, diese liegen aber im Bereich des Möglichen. Wir sind bei durchaus flotter Fahrweise auf einen Verbrauch von 5,9 Liter pro 100 Kilometer gekommen. Die Eco-Bilanz, die einem nach jeder Fahrt eingeblendet wird, hat uns dabei beim Thema "Beschleunigung" nur 3 von 5 Sternen gegeben - wer also seinen Gasfuß beim Anfahren etwas zähmt, hat gute Chancen, auf die vom Werk versprochenen Verbrauchswerte zu kommen.

Dabei lässt sich der Kadjar auch in der Stadt sehr angenehm bewegen, die Länge von 445 cm fällt dabei gar nicht auf. Beim Einparken helfen sowohl Parksensoren auf allen Seiten (auch seitlich!) sowie eine Rückfahrkamera. Wer es dann immer noch nicht schafft, seinen Kadjar in die gewählte Lücke zu manövrieren, kann per Knopfdruck den Parkassistenten wählen, der dann die Lenkarbeit übernimmt.

In unserem Test hat sich der Kadjar auf jeden Fall von seiner besten Seite gezeigt. Der Mix aus Nissan-Technik und französischem Chic von Renault harmoniert perfekt. Man fühlt sich auf Anhieb wohl und kann sich über ein gutes Preis/Leistungsverhältnis freuen. Dass der Motor dabei nicht nur sehr spritzig, sondern auch sehr sparsam ist, ist ein weiterer Pluspunkt beim Kadjar.

Was uns gefällt:

die Ausstattung, das Design, die sportliche Abstimmung, der Motor, der Verbrauch

Was uns nicht gefällt:

die Schalter für die Sitzheizung sind sehr versteckt, der Spurverlassenswarner hat einen sehr nervigen Ton

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1-
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 2
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 2-
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 1-

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