Der neue Renault Koleos - Testbericht

Im immer noch wachsenden Crossover-Segment sichert sich auch Renault seinen Platz. Wir haben den neuen Koleos getestet.

Mit dem neuen Koleos zeigt der französische Konzern, dass er sehr genau weiß, worauf Premiumliebhaber ihr Augenmerk legen. Der SUV, besonders in der Initiale Paris Variante, kratzt nämlich mächtig am Oberklassesegment. Preislich startet das Topmodell aus Frankreich bei 47.290 Euro und ist somit kein Vertreter aus dem Low-Budget-Bereich. Aber Qualität hat nun einmal ihren Preis, diese damit in Relation gesetzt, zeigt sich der Koleos jedes Cents würdig.

Den Luxusliner erkennt man dank der dezenten Aufschrift "Initiale Paris" unter dem Rhombus vorne, seitlich und auf der Heckklappe von außen sofort. Außerdem ließ man ihm auch noch schicke Chromzierleisten auf den Kotflügeln vorne angedeihen. Hinzu kommen spezielle glanzgedrehte 19 Zoll-Leichtmetallfelgen sowie die Nappa-Lederpolsterung Initiale Paris in Schwarz. Sehr praktisch gerade für einen Crossover ist die elektrische Heckklappe, die sich auch per Fußkick unter dem Stoßfänger öffnen lässt.

Serienmäßig freut man sich im Koleos über ein hohes Maß an Komfort. Bereits beim Einsteigen wird man mit einem akustischen Willkommenssignal begrüßt. Einmal Platz genommen fühlt man sich rasch wohl. Während der Fahrersitz elektrisch verstellt werden kann und über eine Lordosestütze verfügt, hat der Beifahrer die Möglichkeit, seinen Sitz nicht nur in der Länge für mehr Beinfreiheit, sondern auch in der Höhe zu verstellen. Beide verfügen über eine Sitzheizung und Sitzlüftung, sowie Relax-Kopfstützen. Geräuschdämmende Seitenscheiben lassen uns das BOSE-Surround-Soundsystem mit 13 Lautsprechern und Active Sound Control unbehelligt von außen genießen. Für ein Plus an Sicherheit sorgen ein Fernlicht-Assistent und ein Toter-Winkel-Warner.

Nachdem die Topausstattung des Koleos derart umfangreich ist, kommen nur einige wenige Features bei unserem Testauto hinzu. Unser Initiale Paris besitzt zwar nicht die ihm vorbehaltene Lackierung Amethyst-Schwarz, sieht aber in seinem Meissen-Blauen Anzug sehr edel aus. Beim Winterpaket Plus Initiale freuen sich nun auch die Mitreisenden im Fond über beheizbare Sitze und der Fahrer über eine beheizbare Frontscheibe sowie bei Bedarf über warme Hände am Lenkrad. Hände weg vom Lenkrad heißt es jedoch beim Einparken des Koleos, denn das übernimmt er dank Handsfree-Parking selbst auf Knopfdruck. Damit hätten wir auch alle Möglichkeiten der Optionsliste, bis auf das elektrische Glaspanoramadach welches noch verfügbar wäre, ausgeschöpft und landen bei einem Endpreis von 48.354,69 Euro.

Der elegante Auftritt außen in dieser außergewöhnlichen Lackierung und den Chromakzenten setzt sich im Interieur des Franzosen fort. Keyless, sprich den Schlüssel in der Tasche, gewährt er uns Zutritt. Trotz hoher Sitzposition bleibt der Koleos ein Koloss - immerhin besitzt er eine Gesamtlänge von 4,67 Metern, sodass er ohne technische Assistenzsysteme relativ unübersichtlich wäre. Ansonsten zeigt sich das Interieur sehr edel und gediegen. Chromeinfassungen, Leder mit Ziernähten, Pianolack. Alles im richtigen Maß - nicht zu überladen.

Das große 8,7 Zoll-Multimediadisplay des R-Link 2 Radio-Navigationssystems (mit TomTom Live Navigation) zeigt neben den herkömmlichen Features von Audio oder Internet eine Fülle an interessanten Daten rund um Verbrauch, Klimatisierung und dergleichen. Außerdem gibt es das Bild der Rückfahrkamera wieder. Zahlreiche Informationen in Kürze kann man sich auch direkt hinter dem Lenkrad im Armaturenbrett anzeigen lassen. Die Gestaltung dieses Displays erfolgt ebenfalls über das große Multimediadisplay. So kann man sogar das Aussehen des Tachometers an seine Wünsche anpassen.

Damit man im Fond neben dem großzügigen Platzangebot die Fahrt genießen kann, gibt es USB-Ladeanschlüsse, die die mobilen Endgeräte jederzeit mit Strom versorgen. Dadurch wird der Koleos zum wahren Entertainer. Platz genug findet sich auch im Kofferraum, der - Option sei Dank - über ein zusätzliches Gepäcknetz zur Sicherung verfügt. Seine Kapazität beginnt bei 498 Litern und endet bei 1.706 Litern.

Diesel oder Nicht-Diesel ist beim Koleos keine Frage, denn es stehen nur zwei Selbstzünder zur Wahl. Entscheidet man sich aber wie wir für die Topausstattung, bleibt nur mehr die 175 PS starke Motorisierung übrig. Diese scheint unserer Ansicht nach genau die richtige Wahl. Immerhin hat er eher die Statur des Obelix als jene des Asterix, oder genauer gesagt 1.822 Kilo mit sich herumzuschleppen. Das heißt, es bedarf einiges an Kraft, um den Koleos so fortzubewegen, dass dies auch Spaß macht. Deshalb gibt es 380 Nm Drehmoment, die bereits bei 2.000 Umdrehungen zur Verfügung stehen. Damit ist der Renault gut im Antritt und ein perfekter Cruiser mit genügend Kraft in petto, um Überholmanöver ebenfalls locker zu meistern. Zwar legt er mit 9,5 Sekunden, die er auf 100 km/h benötigt, keinen Raketenstart hin, doch das erwartet man von einem Crossover auch nicht. Seine Stärken liegen auf der Langstrecke, wo er mit einem Topspeed von 201 km/h absolut richtig dimensioniert ist. Besonders angenehm fiel uns das 7-Gang-CVT-Getriebe auf, das durch seine eben unauffällige Arbeitsweise besticht. Die Schaltvorgänge erfolgen kaum merkbar, kein nervöses Aufheulen des Motors beim starken Beschleunigen.

Der Koleos Initiale Paris macht nicht nur vor der Oper einen feschen Eindruck, man könnte ihn auch für einen Abstecher abseits befestigter Straßen einsetzen. Dazu kann man seinen intelligenten Allradantrieb, der die Kraft je nach Notwendigkeit auf Vorder- und Hinterachse verteilt, mit "LOCK" auf einen permanenten Allradantrieb umschalten. Wer gänzlich darauf verzichten will, hat die Möglichkeit, auf einen reinen Vorderradantrieb zu wechseln. Im Armaturenbrett gibt es dafür auch eine Kraftverteilungsanzeige, wenn man genau informiert sein möchte.

Lenkung und Fahrwerk wurden komfortabel abgestimmt, ohne "Schaukelschiff"-Gefühle aufkommen zu lassen. Selbst der Verbrauch, der während unserer Testzeit bei etwa 7,5 Litern lag, irritierte uns nicht. Zwar fehlt uns auf die ausgewiesenen 5,9 ein guter Liter, aber vielleicht wäre bei sparsamerem Betrieb noch etwas möglich gewesen.

Der Koleos Initiale Paris ist Renaults gelungener Versuch, Premiumambiente umzusetzen. In Anbetracht der gebotenen Leistung, der Verarbeitungsqualität und der verfügbaren Features, ist der Preis gerechtfertigt. Wer sein Herz an einen Crossover verschrieben hat, sollte sich diesen auf jeden Fall näher anschauen.

Was uns gefällt:

gelungenes Crossover-Konzept, edles Ambiente, Komfortausstattung

Was uns nicht gefällt:

ohne Assistenzsysteme recht unübersichtlich

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 2-

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