Testbericht: Renault Megane R.S. mit 280 PS

Get ready to race, R.S.! Wie man Rennsportfeeling alltagstauglich macht, zeigt uns Renault mit seinem Megane.

Renault Sport hat mit dem Twingo GT und dem Clio R.S. schon gezeigt, dass kleine Feuerzeuge brandgefährlich sein können. Der neue Megane R.S. ist aber beinahe wirklich zu schade, um ihn nur auf der Straße zu bewegen. Schon von außen merkt man seine Sportlichkeit deutlich gegenüber seinen Brüdern. Wie quasi frisch aus dem Fitnesscenter gerollt, steht er vor uns. Deutlich erkennt man die breiteren Muskelpartien rund um die Radkästen vorne und hinten (immerhin 6 cm!). Damit sich diese auch ordentlich füllen, steht unser Testracer auf 19-Zoll-Leichtmetallfelgen in Schwarz mit 245/35er-Bereifung. Entsprechende Seitenschweller und seitliche Entlüftungsöffnungen unterstreichen die Dynamik.

Damit jeder im Rückspiegel gleich erkennt, mit wem er es hier zu tun hat, falls er das nicht schon vorher gehört hat, prangt der große Rhombus mit R.S.-Schriftzug mittig auf der Frontansicht. Überhaupt merkt man deutlich die verspielte Raffinesse bei der Gestaltung des "Gesichts". Zum einen ist es die spezielle Frontschürze mit Formel 1-Leitblech und den großen Lufteinlässen, zum anderen die LED-Zusatzscheinwerfer im Zielflaggendesign. Die Hauptscheinwerfer wurden ebenfalls mit LED-Technologie ausgestattet.

Doch auch von hinten kann der Megane seine Rennsportambitionen nicht abstreiten. Hier fängt sich der Blick am mittig positionierten, trapezförmigen Auspuffendrohr, das in den breiten Heckdiffusor integriert ist. Ein Dachspoiler darf ebenfalls nicht fehlen. Obwohl ein knalliges Orange (Tonic Orange) die Spezialfarbe des Megane R.S. ist, sieht unser Testfahrzeug in seinem Sirius-Gelb um nichts weniger fetzig aus. Lediglich der Aufpreis von 2.128 Euro hinterlässt einen zitronigen Geschmack im Mund.

Der Renncharakter des Franzosen findet im Innenraum keinerlei Abbruch. Im Gegenteil. Für Freunde des Motorsports wurde hier alles hineingepackt, was zum absoluten Wohlbefinden dazugehört. Damit man nicht mit schmutzigen Schuhen einsteigt, gibt es eine Umgebungsbeleuchtung an den Türverkleidungen vorne und hinten. Dazu kommen verchromte R.S. Einstiegsleisten vorne sowie Pedale und Fußstütze aus Aluminium. Wie ein echter Pilot fühlt man sich in den R.S. Sportsitzen, die in unserem Fall durch die Leder Alcantara-Version der Optionsliste (1.995 Euro) ersetzt wurden und sogar dank Winterpaket beheizbar sind. Seitenhalt und Sitzkomfort unterscheiden sich kaum von echtem Renngestühl.

Ein weiterer wesentlicher Punkt für Sportfahrer ist das Handling, nicht nur des Fahrzeugs selbst - dazu kommen wir noch -, sondern die Griffigkeit des Lenkrads. Auch hier wurde unser Megane mit dem R.S. Lederlenkrad aus der Zusatzausstattung ausgerüstet. Dieses liegt sehr angenehm in der Hand und besteht aus einer Mischung aus perforiertem Nappa- und Rauhleder. Selbstverständlich darf auch die rote Referenzpunktmarkierung nicht fehlen. Ansonsten wirkt das Interieur mit Akzenten im Carbonlook mit Ambientebeleuchtung klar strukturiert und aufgeräumt. Kein unnötiger Schnickschnack, jedoch genügend Verstaumöglichkeiten, damit nichts in der Gegend herumrutscht.

Das R-Link 2 Online-Multimediasystem mit 8,7 Zoll-Touchscreen kennen wir bereits aus den anderen Renault-Modellen. Der R.S. besitzt aber noch ein besonderes Feature für all jene, die auch im Alltag hin und wieder ihre Racingambitionen auf Rennstrecken unter Beweis stellen: Es gibt die Funktion R.S. Monitor. Diese stellt die aktuellen Leistungsparameter wie Drehzahl, Öl- und Wassertemperatur, Ladedruck und dergleichen gleichzeitig in einer Übersicht grafisch dar. Mit der Telemetrie R.S. Monitor Expert kann man auf der Rennstrecke die schnellen Runden mitprotokollieren und diese dann über die Renault-Sport-Webseite auswerten lassen und in den sozialen Netzwerken teilen.

Für die tägliche Fahrt zur Arbeit wird dies eher weniger nützlich sein. Genauso wenig wie die Launch-Control, über die der Megane R.S. ebenfalls verfügt. Wobei dies sicherlich einmal zwischendurch eingesetzt zur positiven Stimmung beitragen kann. Natürlich alles mit Hirn und genügend Sicherheitsreserven.

Sicherheit wird bei Renault sehr groß geschrieben. Neben zahlreichen Airbags (einschließlich Becken- und Brustairbag) besitzt der R.S. ein spezielles Bremssystem und die Allradlenkung 4Control, die für noch mehr Stabilität in den Kurven sorgt. Damit unserem Schätzchen auch nichts passiert - aufgrund der dicken Backen und den sportlichen Linien ist er doch nicht ganz so übersichtlich - gibt es rundum Parksensoren. In unserem optionalen Park-Premium-Paket ist sogar Handsfree-Parking inklusive! Ein Geschwindigkeitswarner mit Verkehrszeichenerkennung mahnt, wenn der Fahrspaß uns dann doch überflügeln sollte. Abstands- und Spurhalteassistent sowie aktiver Notbremsassistent sind ebenfalls mit von der Partie.

Wer sich auf Autobahnen mal kurz entspannen möchte, hat einen Tempopilot mit Geschwindigkeitsbegrenzer zur Verfügung. Aus der Sonderausstattung beschallt uns eine Bose-Soundanlage, die aber während unserer Testzeit zugunsten des Motorensounds eigentlich nur selten zum Einsatz kam. Denn hier bekennt sich Renault zu den klassischen Werten. Kraft muss man hören, und das tut man, auch von außen. Vor allem im Sport und Race-Modus blubbert der Megane gerne vor sich hin. Aber nicht nervig - im Gegenteil.

Der 1,8 Liter-Vierzylinder-Benzinmotor steht mit seinen 280 PS sehr gut im Futter. 390 Nm Drehmoment liefert er bei 2.400 Touren ab. Von 0 auf 100 km/h prescht der Franzose somit in 5,8 Sekunden. Wobei einem das EDC-Getriebe beim plötzlichen Vollgasbefehl noch eine Millisekunde Zeit gibt den Atem anzuhalten, bevor einen die Beschleunigung knallhart in den Sitz presst. Aber dieses Gefühl ist es, von dem man nicht genug bekommen kann. Für uns steht R.S. ja eher für Riesen Spaß. Auf der Rennstrecke ist bei 280 km/h dann auch diesem ein Ende gesetzt.

Was uns echt fehlt, ist aber ein Allradantrieb. Denn seine tatsächliche Kraft bringt der Sportler im Racemodus nur schwer auf den Boden - wobei auf einer Rennstrecke sicher mehr Grip ist als auf normalen Straßen. Das Fahrwerk wurde ebenfalls sportlich straff ausgelegt. So besitzt der Megane R.S ein Cup-Fahrwerk (Torsen-Differential mit begrenztem Schlupf) und eine ISAS-Vorderradaufhängung. Vier hydraulische Endanschläge lassen die Stoßdämpfer besser harte Schläge verarbeiten und bieten somit auch mehr Komfort. Eine angenehm direkte Lenkung macht das Kurvenräubern mit unserem Testfahrzeug ebenfalls zum Highlight.

Die Rechnung für den Fahrspaß bekommt man zumeist an der Zapfsäule geliefert. Und auch hier ist der Renault Megane R.S. keine Ausnahme. Man könnte, wenn man wollte, Verbrauchswerte von 7,8 Litern erzielen. Wir schafften dies eigentlich nur einmal, zu groß war der Spaß mit ihm. Überdies: wer 46.089 Euro im Nachtkästchen liegen hat, könnte unser Testfahrzeug schon sein Eigen nennen. Nimmt man ihn rein serienmäßig, liegt der Preis bei 37.890 Euro.

Was uns gefällt:

Optischer Auftritt, echter Sound, Racingfeeling

Was uns nicht gefällt:

Frontantrieb, zu wenig Rennstrecken in der Nähe

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2-
Fahrleistung: 1-
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1-
Kofferraum: 1-
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 2

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