Renault Scénic dCi 110 Dynamique im Test

Auch kurze Szenen können unterhaltsam sein - vorausgesetzt, sie sind ansprechend inszeniert, wie etwa der "kurze" Renault Scénic.

Na ja, ein wirklich kurzes Auto ist der neue Renault Scénic mit seiner Außenlänge von 4,34 Metern nicht unbedingt, gegen den großen Bruder Grand Scénic aber schon, denn der wirft 22 Zentimeter mehr in die Waagschale.

Es soll aber tatsächlich Menschen geben, die zwar ein praktisches Grundkonzept mit jeder Menge Raum, viel Variabilität und Unmengen an Ablagen zu schätzen wissen, die aber keinen automobilen Longinus wollen. Gehören Sie zu dieser Kategorie? Dann bitte weiterlesen. Falls Sie Anhänger der "Size does matter"-Philosophie sind, legen wir Ihnen wärmstens den Test des Grand Scénic mit 130-PS-dCi-Motor ans Herz.

Der "kurze" Scénic ist ausschließlich als Fünfsitzer erhältlich und unterscheidet sich vom Grand Scénic in geänderten Lufteinlässen an der Front und in anders geformten Heckleuchten. Die beim Kurzen vielleicht sogar einen Hauch dynamischer gestaltet wurden.

Um der ganzen Sache einen gewissen Vernunfttouch zu geben, wählten wir den 110 PS starken Einstiegsdiesel in der mittelguten Ausstattung Dynamique. Wo bereits brauchbare Features wie CD-Radio, Zweizonen-Klimaautomatik, abgedunkelte hintere Seitenscheiben, Lederlenkrad, Regen- und Lichtsensor, ESP etc. zur Standardausstattung gehören. Derzeit - zumindest bis zum Jahresende - kostet der von uns getestete Scénic 25.300 Euro, das sind 500 Euro Bonus gegenüber dem Normalpreis. Zusätzlich gibt es 1.000 Euro Bonus für den einzutauschenden Gebrauchten, egal, wie armselig dessen Zustand auch immer sein möge. Noch eine Fußnote für Benziner-Fans: der superfeine 1,4-Liter-Turbo mit 130 PS kostet fast 1.000 Euro weniger (exakt 24.320 Euro). Natürlich verbraucht er mehr, aber … egal, das muss sowieso jeder für sich selbst entscheiden. Apropos Verbrauch, der hielt sich mit 6,3 Litern auf 100 Kilometer im vertretbaren Rahmen.

Will man den Scénic anfüllen, muss man schon eine ganze Weile schleppen: 555 bis 1.837 Liter lautet das mächtige Maß. Dabei gilt es lediglich, eine 60 Zentimeter hohe Ladekante zu überwinden. Den Maximalwert von 1.837 Litern erreicht man nur dann, wenn man alle drei hinteren Einzelsitze ausgebaut hat. Die kann man wie immer auch einzeln verschieben und um- und vor- und hin- und herklappen, aber natürlich benötigt man irgendwo Platz, um sie abzustellen, nachdem man sie ausgebaut hat.

An Ablagen herrscht keinerlei Mangel - in Summe sprechen wir von 92 Litern zusätzlichem Stauraum. Allen voran steht die riesige, verschiebbare Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen. Dass man auch noch unter dem Fußraum der Fondpassagiere Platz gefunden hat, freut vorrangig Geheimniskrämer. Klug: der Zweitrückspiegel zur Beobachtung der Kinder. Digitaltacho und Drehzahlmesser sind mittig angeordnet. Deren Farbdesign kann man zwar verändern, besser zu überblicken wären die Instrumente trotzdem vor dem Fahrerplatz.

Ganz wie gewohnt fühlt sich der Scénic dem sanften Vorankommen verpflichtet. Die Lenkung ist leichtgängig und eher indirekt, das Fahrwerk komfortabel im besten Sinn, das Fahrverhalten sicher untersteuernd. Wie bei jedem Renault der neuen Generation packen die Bremsen sehr bestimmt zu. Abgerundet wird das solid-gediegene Bild noch durch den außerordentlich hohen Qualitätseindruck innen wie außen.

Testurteil:

Plus: praktisch & variabel; gute Verarbeitung; großer Kofferraum; viele Ablagemöglichkeiten

Minus: mittige Anordnung der Armaturen

Unser Eindruck:
Verarbeitung: 1-2
Ausstattung: 1-2
Bedienung: 2
Komfort: 1-2
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 2
Sicherheitsausstattung: 1-2

Resümee: Der Minivan-Vorreiter kann auch in der mittlerweile dritten Generation überzeugen. Platz in Hülle und Fülle, komplette Ausstattung und ein kräftiger sowie sparsamer Motor lassen nicht nur Familienherzen höher schlagen. Preis/Leistung passt, die Verarbeitungsqualität nun auch ohne Vorbehalt.

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